Team Blackthorn spielt Jugger in Düsseldorf

Jugger in Düsseldorf : Der harmlose Nahkampf

Die Sportart Jugger sieht martialisch aus, setzt aber vor allem auf Technik, Taktik und das Fairplay der Spieler. Das Düsseldorfer Team hat bereits internationale Erfahrung gesammelt.

Eigentlich kann man Jugger nicht mehr als eine junge Trendsportart bezeichnen, denn das Spiel wird bereits seit über 25 Jahren gespielt. Über 130 Teams gibt es in Deutschland, weitere in Spanien, Irland, den USA und Australien. Die Sportler, die sich selbst Jugger nennen, treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Trainings sowie regionalen, nationalen und internationalen Turnieren. In den vergangenen Jahren immer wieder dabei: das Team Blackthorn aus Düsseldorf.

Der moderne Sport Jugger basiert lose auf dem gleichnamigen Endzeitfilm von 1989 mit Rutger Hauer. Was in der Vorlage noch ein brutaler Gladiatorenkampf mit Blut und Verletzten ist, wurde im echten Leben als ein Teamsport umgesetzt, der Elemente aus Fechten und Rugby verbindet. Individuelle Technik zählt dabei genauso wie Koordination im Team.

Beim Jugger stehen pro Mannschaft fünf Spieler auf dem Feld, vier davon tragen gepolsterte Sportgeräte, Pompfen genannt, mit denen sie sich gegenseitig berühren müssen. Wer getroffen ist, setzt für eine gewisse Zeit aus. „Dabei geht es darum, den Gegenspieler schnell und geschickt anzutippen und nicht, hart zu schlagen“, sagt Damjan
Stojkovski, Mitbegründer und Trainer des Düsseldorfer Teams. Daher ist auch das Fairplay ein wichtiger Aspekt des Sports: Wer getroffen ist, gibt dies offen zu. „Das funktioniert immer wieder erstaunlich gut“, sagt Stojkovski und lacht.

Die Aufgabe der mit Pompfen ausgestatteten Spieler ist es, dem fünften, unbewaffneten, den Weg frei zu machen. Denn nur er darf den Spielball, Jugg genannt, tragen und im gegnerischen Mal, eine Art Nest, platzieren. Auf diese Weise sammelt eine Mannschaft Punkte.

Verletzungen sind beim Jugger selten, wenn dennoch etwas passiert, liegt es oft an Unebenheiten im Rasen. Die Pompfen selbst sind nämlich gut gepolstert und werden vor jedem Turnier auf Sicherheit überprüft – und auf Regeltauglichkeit, denn es gibt genaue Vorgaben, wie lang jedes einzelne Sportgerät sein darf; von der 85 Zentimeter langen Kurzpompfe bis zum zwei Meter langen Q-Tip, der tatsächlich an ein riesiges Wattestäbchen erinnert. „Die meisten Spieler haben eine oder zwei Pompfen, auf die sie sich spezialisieren, aber theoretisch kann man zwischen den Spielzügen beliebig wechseln“, erklärt
Stojkovski. Es gibt nur eine Ausnahme: Die Kette, ein Softball an einem drei Meter langen Seil, darf pro Team nur einmal auf dem Feld stehen – sie gilt als eines der stärksten Sportgeräte, braucht aber für den effektiven Einsatz viel Erfahrung.

Viele Teams benutzen einen neutralen, ovalen Ball als Jugg. Andere Mannschaften, darunter auch Blackthorn aus Düsseldorf, haben sich jedoch vom Jugger-Film inspirieren lassen: Dort wird mit Hundeschädeln gespielt. Das Modell, das für das echte Jugger verwendet wird, besteht allerdings aus Kunststoff.

Ihre Sportgeräte bauen die Spieler selbst aus Schaumstoff, Bambus, Glasfaserrohr und viel, viel Klebeband. „So kann man seine Pompfe genau ausbalancieren, um optimal damit spielen zu können“, erklärt der Düsseldorfer Jugger Jan von der Weyden.

Was Jugger von vielen anderen Sportarten unterscheidet, ist auch die enge Verbundenheit der Spieler über Mannschaftsgrenzen hinweg. „Man lernt bei jedem Turnier neue Leute aus ganz Deutschland und dem Ausland kennen, und durch das gemeinsame Hobby freundet man sich schnell an“, sagt Spielerin Jorid Werner. Trainer Stojkovski erzählt: „Ich war mal auf einem Turnier in Spanien, und da hat mich ein wildfremder Mensch, ein Spieler der gegnerischen Mannschaft, eingeladen, ein paar Tage bei seiner Familie zu leben, und es war die beste Zeit meines Lebens.“

Auf den großen Turnieren treffen teilweise 60 und mehr Teams aufeinander, neben dem Sport wird gegrillt und gezeltet. Auch die Düsseldorfer Jugger sind schon weit herumgekommen, obwohl das Team mit knapp drei Jahren noch relativ jung ist. „Wir waren schon in Irland und haben an der Weltmeisterschaft teilgenommen“, nennt Trainer
Stojkovski einige Höhepunkte. Auch für das nächste große Turnier laufen die Vorbereitungen bereits: Im Sommer geht es zum Järnsvenskan-Cup nach Schweden.