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Düsseldorf: Taxifahrer stellt Handtaschenräuber

Düsseldorf : Taxifahrer stellt Handtaschenräuber

Ein 26-Jähriger hatte einer Seniorin auf der Bahnstraße die Tasche entrissen und die Frau fast zu Fall gebracht. Haydar A. verfolgte den Mann mit seinem Taxi. Zivilcourage, sagt er, ist für ihn selbstverständlich.

Seit zweieinhalb Jahren fährt Haydar A. in Düsseldorf Taxi, hat seinen bevorzugten Stellplatz an der Berliner Allee. Dort hatte er sich gerade an die Spitze der Schlange vorgestanden, die nächste Tour wäre seine gewesen. Doch dann sah der 30-Jährige, wie ein Mann einer älteren Dame die Tasche wegriss und davon lief.

Haydar reagierte kaltblütig: Er gab Gas, fuhr dem Räuber hinterher. "Ich hatte gesehen, dass sich schon Leute um die Dame kümmerten, die gestolpert war." Also blieb er am Täter dran, der in die Huschbergstraße rannte und dort in die Unterführung auf die andere Seite der Berliner Allee.

Doch einen Düsseldorfer Taxifahrer kann man so nicht abschütteln. "Ich bin weitergefahren, auf die Berliner Allee, und weil ich ja nicht über die Gleise fahren konnte, hab ich noch einen U-Turn gemacht" - mit Erlaubnis sozusagen, denn da hatte Haydar A. die Polizei bereits über Headset am Ohr, teilte der Leitstelle mit, dass der Räuber gerade in die Alexanderstraße rannte. "Das ist eine Einbahnstraße - wenn ich da falsch reingefahren wäre und mir wäre einer entgegengekommen - dann wär's das gewesen", überlegte der Taxifahrer, bat noch einen weiteren Autofahrer um Unterstützung - und düste über die Stresemann- auf die Oststraße.

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An der Ecke kam auch schon die Polizei. Die Beamten befragten ihn für die Personenbeschreibung, als Haydar A. in einem Innenhof hinter einem dort abgestellten BMW eine Bewegung sah. Der Täter? Haydar A. machte die Polizisten darauf aufmerksam, sie nahmen den Mann fest, der hinter dem Auto kauerte.

Der 26-Jährige ist einschlägig vorbestraft, war erst im Mai aus dem Gefängnis gekommen. "Solche Leute", sagt Haydar A., der aus dem Irak stammt, "bringen den Islam in Verruf. Das ärgert mich sehr." Der Räuber soll aus Nordafrika kommen, zumindest bei der Festnahme gab er vor, kein Wort deutsch zu sprechen.

Wahrscheinlich hat er auch nicht lesen können, wo er sich verstecken wollte: Ausgerechnet in den Hof der Bewährungshilfe hatte er sich geflüchtet, die leere Handtasche neben die Mülltonnen geworfen und das Bargeld eingesteckt. Das nahmen ihm die Polizisten ab, brachten es der Seniorin samt Tasche wieder.

Auch Haydar A. fuhr noch einmal zurück an den Tatort, wollte sich vergewissern, dass die Frau unverletzt geblieben war. "Aber sie ist Russin, sprach kein deutsch. Ein Polizist hat mir gesagt, dass es ihr gut gehe und dass sich vielleicht ihre Enkelkinder bei mir melden würden."

Von der Polizei hat er schon mal ein dickes Lob bekommen, gut möglich, dass er im neuen Jahr auch zu denen gehört, die für die Düsseldorfer Courage von der Stadt ausgezeichnet werden. Aber dafür hat er es ganz gewiss nicht getan. "Wir Taxifahrer," sagt er, "haben die Straße immer im Blick und achten besonders auf solche Typen. Schließlich werden auch oft genug unsere Kollegen überfallen. Deshalb passen wir auf - und greifen ein."

Er selbst hat zwar noch nie einen Überfall erlebt. Aber dass er reagierte, als verfolge er täglich Verbrecher, hat einen guten Grund. "Ich bin Boxer, habe gute Reflexe, und ich hatte keine Angst." Vor dem 26-jährigen Räuber muss sich in nächster Zeit auch keine alte Dame mehr fürchten. Ein Haftrichter schickte ihn gestern in U-Haft. Mit einer erneuten Bewährungsstrafe wird er diesmal nicht rechnen können.

(RP)