Düsseldorfer Stadtteilhelden: Taubenzüchter seit seiner Jugend

Düsseldorfer Stadtteilhelden: Taubenzüchter seit seiner Jugend

Neben seiner Arbeit als Schulsozialarbeiter kümmert sich Uli Bovermann um seine Brieftauben in Düsseldorf-Volmerswerth. Ein Stadtteil, der dem Züchter ans Herz gewachsen ist.

In den kommenden Tagen wird Uli Bovermann mehr Zeit in seinem Taubenschlag als in seiner Wohnung verbringen. Aufgeregt fiebert er der kommenden Woche entgegen. Dann nämlich brechen die ersten Eier in seinem selbstgebauten Schlag, in dem rund 100 Zuchttauben ihr Zuhause haben. Dann nämlich kommen die ersten Küken dieses Jahres zur Welt. "Das ist immer ein ganz besonderer Moment", erzählt der 64-Jährige und streicht sanft über das grau-weiße Gefieder von Nummer 54, einer seiner besten Wettkampftauben, die er erneut ab Ende März von Volmerswerth aus auf die Reise schicken wird.

Früher trugen seine Tauben noch Namen wie Horst, Rita oder Trudchen, heute benennt er sie schlicht nach der Ringnummer, mit denen er die Tauben im Alter von bereits sechs Tagen am Fuß beringt. Und das schmälert auch nicht die innige Intensität, mit denen er seinen Tieren begegnet, den Taubenschlag reinigt, die Jungtiere aufzieht oder seine besten Flieger auf Wettkämpfe vorbereitet und trainiert. Dabei vergisst der an der Martin-Luther-Grundschule in Bilk arbeitende Schulsozialarbeiter auch nicht, noch einmal die ungewöhnliche Zeichnung des Gefieders von Nummer 54 hervorzuheben. "Ein besonders schönes Tier", sagt der Züchter stolz.

Bereits als Jugendlicher sammelte Bovermann erste Erfahrungen bei der Taubenzucht. "Schon als Kind war ich fasziniert von Tauben", erinnert er sich. Doch seine Eltern untersagten ihm zunächst die Haltung der Tiere. "Eines Abends aber saßen zwei beringte Tiere in dem Kinderzimmer, das ich mir mit meinem Bruder teilte.

Und natürlich wollte ich die Vögel, die offensichtlich aufgrund des geöffneten Fensters in das Zimmer geflogen waren, behalten", sagt Bovermann. Mit seinem Großvater baute er kurzerhand einen kleinen Pfahlbau, in dem sie einziehen sollten. Dennoch: Natürlich blieben die Tiere nicht und zogen weiter, der kleine selbstgebaute Schlag aber diente ihm als Argument, nun doch eigene Tiere besitzen zu wollen.

Im Alter von 15 Jahren kaufte er schließlich ein Paar Altdeutsche Mövchen, eine besonders anmutig wirkende Haustaubenrasse. Und das legte bereits nach wenigen Tagen Eier. Ein Grundstock für eine später umfangreiche Taubenzucht, die er auch während des Studiums der Sozialen Arbeit und der später abgeschlossenen Tischlerausbildung mit Meisterbrief betrieb.

Nachdem Bovermann rund 20 Jahre auch weiße Tauben als Hochzeitstauben züchtete und noch heute einige der Tiere bei der alljährlich stattfindenden Kommunion in Volmerswerth starten lässt, gewinnt er indes mit seinen Reisetauben als einer von nur noch rund 35 Taubenzüchtern in der Stadt immer wieder Wettbewerbe und kann, bis auf zehn Minuten genau, bereits im Vorfeld die Ankunft seiner besten Flieger berechnen.

Die starteten im vergangenen Jahr etwa aus Wels in Österreich und legten die Strecke mit Bravur und rund 80 Kilometern pro Stunde bis an den Volmerswerther Deich zurück. Bovermann empfängt seine Tauben dann im Garten seines Hauses unmittelbar am Deich. Dem schönsten Haus in ganz Düsseldorf, wie er schmunzelnd findet.

Das hat der gebürtige Mühlheimer gemeinsam mit seiner Frau Margarete, die in Volmerswerth geboren wurde, zum Studium aber nach Freiburg ging, bereits 1983, und ganz entgegen der ursprünglichen Pläne bezogen. "Denn eigentlich wollten wir nicht in Düsseldorf leben", erzählt Bovermann. Zur Auswahl standen eher Städte wie Freiburg oder Berlin. Und dennoch: Beim Besuch der Familie seiner Frau im heimischen Volmerswerth verliebte er sich auch in den kleinen Stadtteil, dessen Ursprünglichkeit er bis heute schätzt. "Neben der Möglichkeit ausgedehnter Abendspaziergänge auf dem Deich ist es insbesondere die verbindliche Herzlichkeit der Bewohner, die Volmerswerth zu einem ganz besonders lebenswerten Stadtteil macht."

Zur Person

Der heute 64-jährige Uli Bovermann wurde in Mühlheim an der Ruhr geboren. Einem Studium der Sozialarbeit schließt er eine Ausbildung zum Tischler mit Meisterbrief an. Er arbeitete als Sozialarbeiter in Kindergärten sowie in einem Projekt mit Langzeitarbeitslosen. Bis zu seinem Renteneintritt im kommenden Jahr wird er als Schulsozialarbeiter an der Martin-Luther-Schule in Bilk tätig sein.

(RP)