Düsseldorf: Tarifstreit an Uniklinik eskaliert

Düsseldorf: Tarifstreit an Uniklinik eskaliert

Nach einer Stunde erklärte Verdi gestern die Sondierung mit dem Krankenhaus für gescheitert. Die Gewerkschaft fordert mehr Lohn und eine Arbeitsentlastung - darauf sei das Klinikum kaum eingegangen.

Der Arbeitskampf am Uniklinikum spitzt sich weiter zu: Ein Sondierungsgespräch zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Krankenhausleitung ist gestern ohne Ergebnis verlaufen. Nach 60 Minuten erklärte Verdi das Gespräch für gescheitert und will nun mit den Beschäftigten weitere Schritte besprechen. In der Diskussion sind auch neue Streiks. Die Uniklinik betont indes, weiter für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

"Die Klinikleitung ist für das gestrige Gespräch auf uns zu gekommen und hat uns eingeladen. Doch unsere Forderungen wurden überhaupt nicht besprochen", sagt Jan von Hagen, Verhandlungsführer und Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Die Gewerkschaft streitet in zwei Punkten mit der Uniklinik als Arbeitgeber. Zum einen fordert sie einen Entlastungstarifvertrag für die 1700 Pflegekräfte der Klinik. Dieser soll dem Schutz der Gesundheit der Beschäftigten dienen, denn, so Verdi, durch den Personalmangel im Pflegebereich, würden die Mitarbeiter über eine lange Zeit vollkommen überlastet, das Arbeitspensum sei zu hoch. Außerdem stellt die Klinik zu wenig Personal ein, lautet der Vorwurf. Zum anderen streitet die Gewerkschaft für rund 700 Beschäftigte zweier Tochterfirmen des Krankenhauses, die in den Bereichen Reinigung und IT sowie in der Küche arbeiten. Sie sollen in einem neuen Tarifvertrag eine bessere Bezahlung erhalten.

Um beide Punkte sei es in dem gestrigen Gespräch mit der Klinik nicht gegangen, sagt Jan von Hagen. "Man hat uns lediglich in einer Präsentation vorgestellt, wie die Krankenpfleger mit Einzelmaßnahmen entlastet werden können. Das löst aber das Problem nicht", sagt er. Ein neuer Tarifvertrag für die Tochtergesellschaften und ein Entlastungstarifvertrag für die Pfleger seien nicht besprochen worden.

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Letzteres wird die Uniklinik auch nicht mit der Gewerkschaft verhandeln, betont Kliniksprecher Stefan Dreising auf Anfrage. In dieser Frage sei das Klinikum als Mitglied an die Tarifgemeinschaft der Länder gebunden. Diese setze die Vertragsbedingungen für die Pfleger fest. Die Gewerkschaft müsse also dort verhandeln. Dennoch bemühe man sich, die Pfleger zu entlasten, hätte etwa dieses Jahr 47 neue Kräfte eingestellt. "Im Frühjahr nehmen außerdem 30 Serviceassistenten ihre Arbeit auf, um vor allem mittags bei der Essensausgabe zu helfen", sagt der Sprecher. Außerdem will die Klinik die Arbeitszeit der Pfleger täglich um rund 30 Minuten verkürzen und dafür die Arbeitszeit von 4,75 auf 5 Tage ausweiten. "Das bedeutet jedoch auch, dass zwölf freie Tage im Jahr für die Mitarbeiter wegfallen - und das wollen sie auf keinen Fall", sagt Jan von Hagen, der zu dem Gespräch auch betroffene Mitarbeiter mitgebracht hatte.

Bei den Tochtergesellschaften gibt es ein anderes Problem, das Verhandlungen lähmt, erklärt Kliniksprecher Dreising: "Da gilt derzeit ein Tarifvertrag, den die Gewerkschaft IG Bau vor einigen Jahren ausgehandelt hat. Solange der nicht gekündigt ist, kann nicht über mehr Lohn verhandelt werden." Verdi sagt jedoch, die IG Bau habe grünes Licht für neue Verhandlungen gegeben.

Verdi hat nun die Beschäftigten für Dienstag zu einer Mitgliederversammlung geladen, um zu besprechen, wie es weitergeht. Denkbar sind etwa weitere Streiks sowie Demonstrationen, sagt Jan von Hagen. Bereits mehrfach hatten die Klinikmitarbeiter dieses Jahr ihre Arbeit niedergelegt. Zuletzt untersagte jedoch das Arbeitsgericht einen Warnstreik, weil dadurch Patienten in Gefahr geraten wären. Die Uniklinik hofft, dass es keine neuen Streiks gibt. Dadurch waren in der Vergangenheit zahlreiche Operationen abgesagt worden. "Ein Streik im Krankenhaus trifft immer die Patienten. Das wollen wir nicht."

(lai)