Sylvie Perrier eröffnet in Düsseldorf einen Laden für Dekorationsartikel

Mein Laden in Düsseldorf : Mehr französisches Flair für Gerresheim

Sylvie Perrier will die Franzosen an die Benderstraße locken – mit ihrem Laden „Casa Tua“.

Natürlich ist im Laden von Sylvie Perrier alles irgendwie französisch. Das sagt ja schon der Name, dessen Klang sofort ein angenehmes Prickeln verursacht. Die 55-Jährige kommt aus dem Städtchen Bandol, das liegt zwischen Toulon und Marseille an der Côte d’Azur und ist berühmt für sein Weinanbaugebiet. Das wiederum klingt wie das Paradies. Dennoch zog Perrier vor zehn Jahren nach Deutschland, der Liebe wegen, aber auch, weil Deutschland eben ihre zweite Liebe nach Frankreich ist. 30 Jahre arbeitete sie in der Tourismusbranche, war Reiseleiterin und dann selbst Reiseveranstalterin, verkaufte aber ihr Unternehmen, als die Tochter kam und sie des Reisens überdrüssig wurde.

Jetzt hat Sylvie Perrier einen Laden aufgemacht, ganz klein, in Gerresheim, an der Benderstraße. Weil der Stadtteil so eine tolle Gemeinschaft hat, wie sie sagt, jeder hilft dem anderen. Getauft hat sie ihn „Casa Tua“, was komischerweise italienisch ist und so viel heißt wie „Dein Haus“. Aber alles mit „maison“ klingt so abgegriffen, sagt sie, gibt es schon so oft, also warum nicht mal sprachlich fremdgehen. In der „Casa Tua“ gibt es Geschenk- und Wohnideen, viel Deko, aber nichts von der Stange: kleine Lavendelkissen, große Samtkissen, Duftkerzen, aber auch Espressotassen, Kulturtaschen und Brillenetuis im Van-Gogh-Stil, Zahnbürstenhalter und Schneidebretter, Schürzen mit witzigen Aufschriften und ausgefallene Lampen. Aus Paris und der Provence, von Messen und manchmal selbst genäht. In der Kinderecke dominiert „Der kleine Prinz“, anspruchsvolle Schieferkunst von Veronique Darcon Cazes rundet die Angebotspalette ab.

Dieser deutsche Drang zur Dekoration war für Sylvie Perrier ein bisschen wie eine Kulturrevolution. „Bei uns zu Hause wird nicht viel dekoriert, das Leben spielt sich vor allem draußen ab. Auf dem Sofa liegen die Kissen bis Löcher drin sind, an die Fenster kommen Jalousien oder Gardinen – und fertig“, erzählt Perrier. In Deutschland muss das Heim bis ins letzte Detail der Jahreszeit entsprechend geschmückt sein. „Ich bin fast umgefallen, als ich das erste Mal einen Osterstrauß mit Eiern dran und dazu Porzellanhasen auf dem Tisch gesehen habe“, sagt Perrier. Und dann gibt es da noch dieses schöne deutsche Wort Mitbringsel, ein kleines Geschenk als Dankeschön für eine Einladung, „da haben wir im Französischen gar kein Äquivalent für“, so die Ladeninhaberin, die auch diesen Kundenwunsch erfüllen möchte.

Noch ein weiteres Anliegen hat Sylvie Perrier, die am Staufenplatz wohnt und mit der Bahn ratzfatz an der Benderstraße ist. „Ich will die Franzosen nach Gerresheim locken.“ Alles spielt sich rund um die Französische Schule an der Graf-Recke-Straße ab, in Düsseltal, Grafenberg und Mörsenbroich, „dabei ist Gerresheim auch so nah, und das Leben hier kommt den Franzosen entgegen“. Den Anfang hat sie mit einem Stammtisch in ihrem Laden gemacht, immer donnerstags, wenn die Mütter ihre Kinder zur Schule gebracht haben, treffen sich die Französinnen bei Sylvie Perrier zum Frühstück im Geschäft an der Benderstraße 81. Viele davon sind in dem Verband Dusseldorf Accueil organisiert – für den ist auch Sylvie Perrier aktiv. „Als Patentante für Gerresheim und Grafenberg. Ich helfe Franzosen, die neu in Düsseldorf sind, bei Behördengängen, der Ärztewahl, beim Internetanschluss.“

Auf der Benderstraße ist sie schon angekommen, obwohl Sylvie Perrier ihren Laden erst im August eröffnet hat. Mit ihren Nachbarn, einem Mode- und einem Dessousgeschäft, ergänzt sich die 55-Jährige wunderbar, bietet eine feminine Anlaufadresse, „wir wollen mal gemeinsam was auf die Beine stellen“. Überhaupt ist die Benderstraße in ihren Augen eine ganz tolle Einkaufsstraße, „mit viel Charme, super angebunden, kaum Franchise“. Es wird Zeit, dass auch die anderen Franzosen in Düsseldorf das entdecken.  

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