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Mord in Düsseldorf: Susanne Lucan ohne Schädel begraben

Mord in Düsseldorf : Susanne Lucan ohne Schädel begraben

Sie kommt nicht zur Ruhe. Kaum hat Inge Meuter den Mordprozess gegen den Lebensgefährten ihrer Tochter durchgestanden, der mit einem Freispruch endete, erfährt sie einen neuen, schweren Schlag: Der Schädelknochen ihres ermordeten Kindes ist schon vor Jahren in der Gerichtsmedizin entsorgt worden.

Dass Susanne Lucans Leiche nach dem Mord 2004 ohne Schädel bestattet wurde, hatte die Mutter nicht gewusst. "Ich durfte Susanne nach dem Mord nicht sehen, die Kripo hat aber immer nur gesagt, das sei nicht gut für mich", sagt Inge Meuter. Erst im Herbst hat sie in den Gerichtsakten gelesen, dass der Schädel der Toten asserviert, also in behördliche Verwahrung genommen worden war. Nach dem Prozess, versicherten Staatsanwalt und Gericht, könne sie ihn aber im Grab der Tochter bestatten. Denn auch bei der Justiz ahnte niemand, dass das Asservat längst nicht mehr da war. Das erfuhr Inge Meuter erst vor wenigen Tagen, nachdem sie bereits einen Bestatter beauftragt hatte.

Sie habe größtes Mitgefühl mit der Mutter, sagt Stefanie Ritz-Timme, Leiterin des Instituts für Rechtsmedizin. Als Ärztin und Rechtsmedizinerin stehe für sie aber die tote Tochter noch mehr im Fokus: "Ich bin sicher, dass Frau Lucan wollte, dass wir alles tun, um ihren Mörder zu finden. Das haben wir getan. Und dazu gehörte auch, den Schädel zu untersuchen, den der Mörder zerstört hat."

Susanne Lucan ist im November 2004 mit einem bis heute unbekannten schweren Gegenstand mit solcher Gewalt mehrfach auf den Kopf geschlagen worden, dass Ritz-Timme sagt: "Ich habe noch nie derartige Zerstörungen an einem Schädelknochen gesehen." Ihre Kollegen hatten die zertrümmerten Knochen seinerzeit genauestens untersucht, um Hinweise auf eine mögliche Tatwaffe zu finden.

Nachdem sie sicher waren, dass alles, was der Schädel verraten konnte, dokumentiert und festgehalten war, wurden die Knochenscherben nach drei Jahren verbrannt. "Das war damals das übliche Prozedere im Institut", sagt Ritz-Timme. Inzwischen würden Asservate aus ungeklärten Mordfällen unbefristet aufgehoben. Ein Schaden für die Ermittlungen sei nicht entstanden: "Wenn heute eine Tatwaffe gefunden würde, könnten wir sie dem Verletzungsmuster anhand unserer Dokumentation zweifelsfrei zuordnen."

Die rechtsmedizinische Untersuchung geht für Inge Meuter in Ordnung. "Ich weiß, dass das notwendig war. Aber warum hat mir niemand die Möglichkeit zur nachträglichen Bestattung gegeben? Und warum hat man mir nie gesagt, dass der Schädel nicht im Sarg war?" Seit sie das weiß, fällt es der Mutter noch schwerer, das Grab der Tochter zu besuchen. "Ich habe dann immer so schreckliche Bilder im Kopf." Die sie ebenso quälen wie die ungeklärte Frage nach dem Mörder.

(RP)