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Experten für Gestank: Supernasen spüren Geruch nach

Experten für Gestank : Supernasen spüren Geruch nach

Wenn es Bürgern stinkt – wie immer wieder in den linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteilen –, kommen Geruchsprüfer zum Einsatz. Anders als Lärm oder Luftverschmutzung lässt sich Gestank nicht mit Geräten messen, deshalb sind gut geschulte Nasen nötig.

Wenn es Bürgern stinkt — wie immer wieder in den linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteilen —, kommen Geruchsprüfer zum Einsatz. Anders als Lärm oder Luftverschmutzung lässt sich Gestank nicht mit Geräten messen, deshalb sind gut geschulte Nasen nötig.

Dennis Knorr geht dahin, wo es stinkt. Zum Beispiel dann, wenn sich wie immer wieder in den vergangenen Wochen unangenehmer Geruch aus dem Neusser Hafen über die linksrheinischen Stadtteile Düsseldorfs bis in die Innenstadt ausbreitet. Knorr arbeitet als Geruchsprüfer bei Aneco, einem Institut für Umweltschutz in Mönchengladbach, und muss konzentriert und mit freier Nase dort stehen, wo andere sich gern wegdrehen. "Das ist der Job eines Prüfers", sagt der 20-Jährige.

Beschwerden bei Bezirksregierung

Wenn ein Verdachtsfall aufkommt, das heißt, wenn ein Unternehmen geruchsmäßig gegen das Bundesimmissionsgesetz verstößt, landet die Beschwerde entweder direkt beim jeweiligen Unternehmen oder bei der Bezirksregierung. "Die Zuständigkeiten für die jeweiligen Anlagen sind unterschiedlich verteilt", sagt Stefanie Paul, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Zwar kommen viele Beschwerden verärgerter Anwohner bei der Regierungspräsidentin Anne Lütkes an, dann werden diese aber an den Kreis oder die Stadt und die jeweilige Zuständigkeitsbehörde weitergeleitet. Wenn Emissionsgrenzen überschritten werden, werden die Behörden aktiv. "Dann setzen wir auch Geruchsprüfer ein", so Paul.

Denn das Besondere bei Gerüchen ist, dass man sie nicht wie Lärm oder Luftverschmutzung mit einem Gerät messen kann. Deshalb werden in Fällen wie der Ölmühle in Neuss die Riechexperten aus Mönchengladbach aktiv. Auch in vielen Düsseldorfer Stadtteilen, links- wie rechtsrheinisch waren sie bereits unterwegs. "Wo genau und für welchen Betrieb, dürfen wir nicht sagen", sagt Uwe Hartmann, Prokurist bei der Firma.

Nicht jede Nase ist für die Aufgabe geschaffen. Um eine Zertifikation als Geruchsprüfer zu bekommen, ist ein feines Geruchsorgan vonnöten. "Dafür muss ein dreitätiger Test absolviert werden, bei dem einzelne Gerüche erkannt und sortiert werden müssen", erklärt Hartmann. Geruchsprüfer müssen über eine durchschnittliche Geruchsempfindlichkeit verfügen. Diese wird an einem so genannten Olfaktometer getestet. Wer den Test besteht, kann professionell schnüffeln. Ein Ausbildungsberuf ist dies allerdings nicht. "Wir haben vor allem Studenten und Rentner engagiert", so Hartmann. Denn man muss Zeit haben und flexibel sein.

In der Regel wird über einen Zeitraum von einem halben Jahr gemessen. Dabei wird jeder Messpunkt 13-mal begangen, an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten "Das stellt sicher, dass für jede Beurteilungsfläche die Ergebnisse von vier unterschiedlichen Messtagen eingehen und Tageszeiten sowie Wochentage gleichverteilt berücksichtigt werden", sagt Hartmann. Meist werden Geruchsprüfer von Unternehmen engagiert, bei denen es häufiger zu Beschwerden wegen Geruchsbelästigung gekommen ist. "Gibt es da Unstimmigkeiten, sind wir da." Um die Frage, woher der Gestank kommt, dann seriös beantworten zu können, bedarf es einer objektiven Beurteilung hinsichtlich Art und Intensität, aber auch eines umfangreichen Wissens über Gerüche. Deswegen arbeiten an einem Projekt immer mehrere Personen. "So wird sichergestellt, dass wir zu einer objektiven Meinung kommen. Das ist das oberste Ziel", sagt Hartmann.

Am jeweiligen Mess-Ort muss jeder einzelne Wert penibel festgehalten werden. Dafür haben die Prüfer eine Liste, auf der sie alles notieren, was passiert. Wetter, Windrichtung, andere Gerüche und Störungen von aufgebrachten Nachbarn werden notiert. Alle zehn Minuten muss einmal konzentriert und tief eingeatmet werden. Dann fällt die Entscheidung: Geruch ja oder nein. "Nach zwei Stunden hat man dann auch mal echt die Nase voll", sagt Knorr.

Bewusst entspannen kann man den Riechsinn allerdings nicht. "Manche Gerüche bleiben in der Nase. Die beste Erholung ist einfach eine frische Brise", so Knorr. Auch wenn er mit dem Job sein Leben finanziert, so hat er seine Nase nicht versichert, wie beispielsweise Models ihre Beine. "Nee, das gibt's hier nicht", sagt Knorr und lacht. Wenn sich jemand erkältet und einen Termin nicht wahrnehmen kann, muss halt Ersatz her. "Deswegen sind wir immer an Nachwuchs interessiert", betont Hartmann.

(RP/jco)