Superfans der Düsseldorfer Band Die Toten Hosen

Superfans der Toten Hosen: „Vorne links sind wir“

Zu den Finalkonzerten der Toten Hosen kommen die treuesten Fans – so wie die Familie von Michael Schultz. Sein Traum ist ein Konzertbesuch in Argentinien.

Bis zum bitteren Ende und bis dahin Zusammenhalt und viel Spaß: Das betrifft die Toten Hosen, genauso gilt der Satz aber für manche Fans der Düsseldorfer Band. Einige von ihnen kennen sich seit Jahrzehnten, und so wie die Musiker gemeinsam Geburtstage und Hochzeiten feiern (und sogar zusammen beerdigt werden wollen), tun sie das auch. So gibt es eine WhatsApp-Gruppe von rund 30 Paaren und Familien, deren Name Programm ist: „Vorne links sind wir“. Damit das wieder so ist, pilgern Michael Schultz und die Seinen am Freitag relativ früh los. „Wir sind um 12 Uhr an der Arena, denn nur so stellen wir sicher, dass wir mit als Erste reinkommen und unsere Plätze vorne links an der Bühne einnehmen können.“

Da werden sie dann viele Freunde treffen. Stammgäste wie sie und aus ganz Deutschland angereist. Was einer oder eine beruflich macht, spielt keine Rolle. Gemeinsam wird gefeiert, gesungen und gepogt, egal ob einer Chef ist oder Angestellter, Unternehmer oder Betriebsrat, Architekt oder Banker. Oder Badbetriebsleiter wie Michael Schultz, seit 44 Jahren bei den Düsseldorfer Bädern beschäftigt und heute verantwortlich fürs Löricker Frei- und das Unterrather Hallenbad. „Wir sind gerade aus Belgien zurückgekommen“, sagt Schultz, ein Hosen-Freund habe Geburtstag gehabt. So sei das: Aus Paaren seien über die Jahre Familien geworden, man feiere gemeinsam die wichtigen Ereignisse im Leben.

Schultz ist 59, hat mit seiner Ulli um die 15 oder 16 Konzerte der aktuellen Tour besucht. Zwischen 340 und 360 werden es insgesamt sein seit damals vor rund 30 Jahren, als es ins Tor 3 oder in die Uni-Mensa zu den Hosen ging. Bei den Kindern Alina und Marius sowie beim Neffen Sebastian kommen 50 bis 60 Konzerte zusammen. Warum so viele, warum dieses „immer wieder“? „Weil es Party von Anfang an ist und eine Auszeit vom Normalen“, sagt Ulli Göppert-Schultz. Man könne Energie tanken für den Alltag, findet sie. Hosen-Fans singen mit und lieben die Verausgabung, übrigens besonders im Ruhrgebiet und in Düsseldorf, sagt die Familie. Ulli war schon in Moskau dabei (und trägt das dazu passende T-Shirt), gemeinsam war man beim Konzert auf dem Schweizer Gletscher (“bis auf Vom können alle sehr gut Ski fahren“) oder in Italien. Schultz trägt das Hosen-Shirt im Look der argentinischen Nationalelf, denn das ist sein großer Traum: „einmal beim Gig in Buenos Aires dabei sein“.

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Die Hosen mögen sie allesamt, weil sie keine Allüren hätten, nahbar seien, sozial, das hätten sie auf Campingplätzen, vor Konzerthallen und sonstwo mitbekommen. „Und sie wissen nicht, wie verrückt wir sind.“ Weihnachten ziehen alle Zipfelmützen an und hören das Weihnachtsalbum. Ulli hat Zeilen aus „Teil von mir“ auf dem Arm stehen. Schultz (Lieblingslied: „Paradies“) hat 160 Hosen-Shirts. Als er Ulli heiratete, wurde auf dem Weg ins Trauzimmer „Freunde“ gespielt. Bis auf Sebastian (“Pushed again“), der beide Finalkonzerte erlebt, sind alle sauer, dass ein Neffe in Berlin ausgerechnet diesen Samstag heiratet.

Badbetriebsleiter Michael hat die Posse um Campinos Nachtschwimmen genau verfolgt. Sagen wir mal so: Wenn die Dresdner Kollegen mal fünf hätten gerade sein lassen, wäre er nicht empört gewesen. Schultz hat sich schon mehrfach für ein Wohnzimmerkonzert bei den Hosen beworben, einmal sogar mit dem Allwetterbad in Flingern. „Hat leider nicht geklappt.“ Wer weiß: Noch nicht...

An Weihnachten ziehen Familie und Freunde rote Zipfelmützen an und hören gemeinsam das Weihnachtsalbum der Roten Rosen. Foto: Michael Schultz
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