Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf: 16-jährige gewinnt Studienpreis mit Latein

Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf: Gymnasiastin Lisa lernt „die Sprache Europas“

Die 16-jährige Lisa Zhu aus Düsseldorf ist Expertin für alte Sprachen. Mit ihrer Latein-Leidenschaft hat sie sich schon jetzt eine finanzielle Unterstützung für ihr Studium gesichert.

Totgesagte leben länger, sagt man. Ein Sprichwort, das sich nicht nur auf den Menschen übertragen lässt. Denn auch wenn die lateinischen Muttersprachler seit Jahrhunderten ausgestorben sind – ihre Sprache lebt an vielen Schulen weiter –  auch wenn die Nachfrage seit einigen Jahren zurückgeht. Immer mehr Schüler weichen auf „lebendige“ Sprachen wie Spanisch, Französisch oder Italienisch aus. Latein sei „wirklich tot“, lautet der Konsens unter den Schülern.

Lisa Zhu kann diese Diskussion nicht verstehen. „Latein ist auf vielen Ebenen immer noch nützlich. Es ist die Sprache Europas und dient als Brücke zum Erlernen anderer, romanischer Sprachen. Außerdem schult man seine Muttersprache durch das Übersetzen genauer. Besonders, was die grammatikalischen Verhältnisse von Subjekt, Objekt und Prädikat angeht. Diese logischen Strukturen finde ich sehr interessant“, sagt die Schülerin des Suitbertus-Gymnasiums.

Die 16-Jährige muss es wissen, denn mittlerweile ist sie Expertin für Alte Sprachen. Im November des vergangenen Jahres errang sie einen der ersten Plätze beim Landesschülerwettbewerb „Certamen Carolinum“. Dabei vergeben der „Verein zur Förderung Alter Sprachen in Schulen“, die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ und das Landesministerium für Schule und Bildung  NRW jährlich gut dotierte Preisefür  herausragende Wettbewerbsleistungen in Latein und Alt-Griechisch. Zhu schaffte es, eine der ersehnten Auszeichnungen vor den restlichen 110 Teilnehmern zu ergattern. „Das ich es überhaupt in die zweite Runde geschafft hatte, war eigentlich schon Überraschung genug“, sagt sie. Dabei ist sie als Bundes-Preisträgerin von „Jugend musiziert“ eigentlich erfahren im Gewinnen von Wettbewerben. Doch hierbei waren die Prüfsteine nicht Beethovens Klaviersonaten, sondern Texte des Augustus oder aus dem vierten Buch der Äneis.

Nachdem sie ihre Facharbeit als Bewerbung erfolgreich eingereicht hatte, musste Zhu mehrere Runden mit Übersetzungsklausuren bestehen. „Deren Niveau entspricht etwa dem einer Abiturklausur“, sagt ihr Lateinlehrer  Benedikt Simons. Zum Schluss hielt sie bei der Endrunde in Aachen schließlich noch einen 15-minütigen Kurzvortrag über den Zerfall Roms. Von ihrem Sieg wird Zhu allerdings erst nach ihrer Schulzeit profitieren.Bei Aufnahme eines Studiums garantiert ihr der  Preis eine monatliche Unterstützung von 300 Euro.

Eine tolle Geschichte für die Schülerin. Dabei ist das altphilologische Fach, in welchem sie auch eine der Abiturprüfungen ablegen wird, nach eigener Aussage mittlerweile sogar vom schulischen „Lieblingsfach“ zu einem wirklichen Interessensgebiet geworden. „Die Philosophie der Antike und ihr Gedankengut haben für mich  hohe Aktualität. Was den antiken Menschen bewegte, lässt sich auch auf den modernen Menschen beziehen“, sagt Zhu.

Dass so viele ihrer Mitschüler vor der Oberstufe Latein abwählen, fände sie schade. „Ab der zehnten Klasse entfernen wir uns schließlich vom reinen Übersetzen. Dann geht es mehr um Geschichte und Kultur.“ Diejenigen, die sich für die Weiterführung im Grundkurs entschieden haben, stehen als Gegenargument für die Bezeichnung „tote Sprache“. Das Gros dieser Schüler wähle Latein für die mündliche Abiturprüfung, berichtet Lehrer Simons.

Zwar sind die alte Sprachen Lisa Zhu mittlerweile ans Herz gewachsen. Doch mehr als ein Hobby sei Latein für sie nicht. Als Jungstudentin der Robert-Schumann-Hochschule wäre sie sicher auch für eine musikalische Laufbahn prädestiniert. Doch ihre berufliche Zukunft sieht sie nach dem Abitur viel eher in der Medizin. Von ihren Lateinkenntnissen kann sie dabei durch den Preis doppelt profitieren.

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