Die Woche In Düsseldorf: Subkultur ist, wenn keiner hingeht

Die Woche In Düsseldorf : Subkultur ist, wenn keiner hingeht

Kultur jenseits von Massengeschmack und großen Häusern soll es besser haben in dieser Stadt. Die Debatte der zurückliegenden Tage zeigt allerdings, dass es nicht so leicht ist, zu sagen, wer dazugehört.

Der Jahreswechsel bedeutete für eine Reihe von Einrichtungen einen Standort-, Programm- oder Komplettwechsel. Das "Theater Flin", einer der Anfänge des neuen Flingern, spielte am Silvesterabend seine letzte Vorstellung an der Ackerstraße und zieht nun zur Ludenberger Straße um. Das "Boui Boui Bilk" darf wegen Beschwerden aus der Nachbarschaft nun keine Abendveranstaltungen mehr ausrichten, die Silvesterparty wurde kurzfristig abgesagt. Das Café "Les Halles" in Pempelfort feierte am Mittwoch seine Abschiedsparty, die "Trinkhalle" in Flingern gestern abend.

Viele schlechte Nachrichten für die Subkultur in Düsseldorf - wenn wir hier denn überhaupt über Subkultur sprechen. Einig waren man sich, dass die Stadt künftig verhindern müsse, gleich vier Orte zu verlieren, die nicht alltäglich und dadurch besonders attraktiv für Einheimische wie Gäste sind. Anschließend erreichte die Debatte zügig die übergeordnete Ebene, also die Frage, was Subkultur ist.

Der Versuch einer Definition: Das "Les Halles" und das "Boui Boui Bilk" bringen schon mal die erste Voraussetzung mit. Die Orte sehen ziemlich gebraucht aus, gerade so, dass der Charme die Sorge um die Statik und den Erhalt des persönlichen Wohls noch übertrifft. Das fiel in beiden Fällen zuerst kreativen Mitmenschen auf, die den ehemaligen Bahnhof und die ehemalige Schraubenfabrik als Kulisse für Trödelmärkte, Modenschauen, Partys nutzten. Und genau da beginnen die Schwierigkeiten mit dem Begriff Subkultur. Kaum teilt eine mehr als zweistellige Personenzahl die Vorliebe für den Ort, ist er für die ersten schon keine Subkultur mehr. Übersteigen dann auch noch die Getränkepreise den Einkaufswert, sind die Orte schon voll im Establishment angekommen.

Wo könnte die Subkultur stattdessen sein? Es gibt Spuren davon, sagen die, die es ganz ernst mit ihr meinen: den Ratinger Hof,, weil dort vor eineinhalb Generationen der Punk entstand. Andere Lokale, weil dort noch Live-Bands spielten. Orte, an denen die Protagonisten noch selbst gemacht haben. Und Zirkel, in denen der politischen Anlass der Zusammenkunft nicht wesentlich unterhalb des Weltfriedens zu suchen war.

Als möglicher Ort der Subkultur wird auch immer mal wieder der Fürstenplatz genannt. Sichere Anzeichen: Noch vor wenigen Jahren wollte dort niemand auch nur den Hund ausführen, inzwischen tauchen dort Bars und Immobilienprojekte auf, die auch Nicht-Philologen mit dem Wort Gentrifizierung vertraut machen. Daneben entstehen allerdings schon wieder neue, gar nicht so schicke Läden, und die alten Helden des Viertels sind immer noch da.

Der Versuch eines Fazits: Subkultur ist etwas sehr Flüchtiges. Etwas, das es schon lange nicht mehr gibt. Etwas, das eigentlich gerade schon wieder weg ist. Oder etwas, zu dem vorsichtshalber keiner hingeht, damit es am Ende nicht noch beliebt wird.

(RP)