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Düsseldorf: Studieren mit viel Praxis im Betrieb

Düsseldorf : Studieren mit viel Praxis im Betrieb

Viele Schulabgänger reizt die Idee des Dualen Studiums. Die Arbeitsagentur veranstaltet morgen eine Messe zu diversen Studienmöglichkeiten in der Region Düsseldorf. Jana Tibo (22) studiert dual an der Fachhochschule und bei Siemens.

Für ihr Studium ist Jana Tibo vor zwei Jahren aus der Eifel nach Düsseldorf gezogen. An der Fachhochschule (FH) studiert sie hier Elektrotechnik, gleichzeitig wird sie bei Siemens zur Elektrotechnikerin für Automatisierungstechnik ausgebildet. "Mich hat das Duale Studium interessiert, weil ich in kurzer Zeit zwei Abschlüsse machen kann", sagt Tibo.

Viele verschiedene Hochschulen bieten mittlerweile ein duales Studium an. Möglich ist es in Bereichen wie Informatik oder Ingenieurswissenschaften, aber auch in Marketingmanagement oder Physiotherapie kann inzwischen dual studiert werden. Beim "Tag des Dualen Studiums" in der Arbeitsagentur stellen morgen 47 Arbeitgeber und Hochschulen ihre Angebote für dual Studierende vor. Annette Linzbach von der Berufsberatung der Arbeitsagentur leitet den "Tag des Dualen Studiums". Sie erklärt: "Wir wollen mit unserer nichtkommerziellen Messe einen Überblick über die Möglichkeiten geben und ein wenig Transparenz schaffen."

Die Hälfte ihres vier Jahre dauernden Studiums hat Jana Tibo bereits hinter sich. In den ersten zwei Jahren verbringen die Elektrotechnik-Studenten zwei bis drei Tage die Woche nicht an der FH, sondern in der unternehmenseigenen Berufsschule von Siemens. Im dritten Jahr beenden sie ihre Ausbildung mit einer Abschlussprüfung, studieren aber noch drei Semester weiter. Im zweiten Halbjahr des vierten Jahres schließen sie das duale Studium mit einer Praxisarbeit bei Siemens sowie der Bachelor-Arbeit ab.

Nicht nur studieren, sondern gleichzeitig noch eine Ausbildung absolvieren und in den Semesterferien im Betrieb arbeiten - das kann sehr anstrengend sein. Tibo kommt mit der doppelten Belastung gut zurecht. "Mir war klar, dass ich weniger Zeit zum Lernen haben würde", sagt die 22-Jährige. "Aber wenn man sich die Zeit richtig einteilt, ist alles gut zu schaffen."

Norbert Woehlke, stellvertretender Geschäftsführer in der Berufsbildungsabteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK), findet ein duales Studium, wie es bei Siemens und an der FH möglich ist, sinnvoll. Er warnt aber davor, dass es sehr verschiedene Modelle des dualen Studiums gibt. "Einige sind so veranlagt, dass die Studenten in den Unternehmen nicht ausgebildet werden, sondern lediglich dort arbeiten, manchmal auch ohne Bezahlung", erklärt er. Woehlke rät, sich umfassend zu informieren und darauf zu achten, dass es am Ende des Studiums auch einen Ausbildungsabschluss gibt.

Ob Jana Tibo nach ihrem Bachelor weiter studieren möchte, weiß sie noch nicht. Sie könne sich auch gut vorstellen, direkt in den Beruf einzusteigen. Werner Franz, Leiter der Siemens Berufsbildung in NRW, erklärt: "Wir versuchen, möglichst viele dual Studierende nach ihrem Abschluss unbefristet zu übernehmen." Es sei von Vorteil, wenn der fertige Student schon seit Beginn seiner Ausbildung in die Abläufe und das Netzwerk des Unternehmens eingebunden ist.

Den dualen Studiengang Elektrotechnik, den Tibo momentan studiert, bietet die FH Düsseldorf seit Oktober 2010 an. Um sich bei der Hochschule für einen Studiengang zu bewerben, benötigt man Abitur oder Fachhochschulreife sowie einen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag mit einem Industriebetrieb. Dabei kommt es auf das Fach an, ob der Betrieb einer der Kooperationspartner sein muss oder auch ein anderes Unternehmen gewählt werden kann.

Weitere Informationen zum Dualen Studium gibt es im Internet, zum Beispiel auf der IHK-Seite www.dual-studieren-im-Rheinland.de und auf den Seiten der Hochschulen und Unternehmen.

(RP)