Düsseldorf: Studie belegt Düsseldorfs Image-Schwäche

Düsseldorf: Studie belegt Düsseldorfs Image-Schwäche

Die Marketingtochter der Stadt wird neu ausgerichtet. Wie notwendig dies ist, zeigt eine Studie von Ernst & Young. Danach gehört Düsseldorf bei der Ansiedlung ausländischer Firmen zu Europas Spitzengruppe, der Ruf aber ist flau.

Die Marketingtochter der Stadt wird neu ausgerichtet. Wie notwendig dies ist, zeigt eine Studie von Ernst & Young. Danach gehört Düsseldorf bei der Ansiedlung ausländischer Firmen zu Europas Spitzengruppe, der Ruf aber ist flau.

Düsseldorf gehört hinter London und Paris zu den Top 3 der europäischen Städte, wenn eine Firma im Ausland in eine neue Niederlassung oder Produktionsstätte investiert. Das ergibt eine Auswertung der Zahlen des vorigen Jahres, die die Unternehmensberatung Ernst & Young vorgelegt hat. Ein Erfolg, dem die Wahrnehmung der Landeshauptstadt nicht entspricht. Dort landet die Stadt nur auf Platz 18\. Ein grundlegendes Problem, dem die neue Stadtregierung mit einer Neuausrichtung der Tochtergesellschaft Düsseldorf Marketing & Tourismus (DMT) beikommen will. Nur ein neues Logo wie das lächelnde D, da ist man sich einig, reicht nicht aus.

Doch zunächst zu den positiven Zahlen. Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, ist Autor der Studie. Er nennt den Großraum Düsseldorf "für ausländische, vor allem für chinesische Investoren sehr interessant". Im Umkreis von nur wenigen 100 Kilometern warte ein riesiger Markt von 155 Millionen Menschen, der Zugang zu den Überseehäfen in Belgien und den Niederlanden sei einfach. "Nicht zu unterschätzen: In den letzten Jahren hat sich in Düsseldorf eine chinesische Community mit einer entsprechenden Infrastruktur herausgebildet."

  • Zensus 2011: Düsseldorf in Zahlen
  • Fotos : Statistische Daten zur Volkszählung 2011

Die Studie wurde im Herbst vorgestellt, vom politischen Düsseldorf aber bislang nicht zur Kenntnis genommen. Werbefachmann Michael G. Meyer kennt sie und stellt fest, "dass wir gut, aber Bekanntheit und Image zu schwach sind. Hier muss die DMT ansetzen. Aber: Man muss ihr dabei auch helfen." Es fehle an klarer Strategie und Positionierung sowie der Kenntnis, wer die Wettbewerber seien und wie ihre Budgets aussähen. Es müsse einen Gedanken geben, aus dem man die Facetten der Stadt ableiten könne.

Zudem weist er auf die Häme hin, die schon lange bundesweit in Medien über Düsseldorf ausgekübelt wird. Das zeigte sich massiv beim Eurovision Song Contest, und erst vor zwei Wochen machte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit dem hoch verschuldeten NRW auch Düsseldorf nieder. Die Zeiten seien vorbei, in denen Düsseldorf als schickste deutsche Stadt gegolten habe. "Heute muss man schon lange nach Leuten suchen, die NRWs Landeshauptstadt überhaupt aus eigener Anschauung kennen." Das zeugt nicht von Sachkenntnis: Zum fünften Mal hintereinander dürfte es 2014 einen Tourismusrekord geben, man rechnet mit mehr als 4,25 Millionen Übernachtungen. Aber, so Meyer: "Die letzte Imagekampagne ist fast 40 Jahre her."

Oberbürgermeister Thomas Geisel sieht sich durch die Studie bestärkt. "Die Entscheider haben uns meist nicht auf dem Zettel", sagt Geisel, "aber wer sich näher mit der Materie beschäftigt, kommt an uns nicht vorbei." Die Stadt sei "undermarketed". Geisel sieht Düsseldorf mit einem statischen, behäbigen Image behaftet - und will es ändern. Ein Baustein in diesem Mosaik ist die Auswahl Alain Biebers zum neuen Chef des NRW-Forums. Der Neueinsteiger will mehr sein als ein Ausstellungsmacher, er denkt crossmedial und auch provokant, bei so mancher seiner Aktionen scherte er sich nicht um die Frage, ob eine Genehmigung vorliegt. Unkonventionell und dynamisch sei Bieber, sagt Geisel, dabei nicht prätentiös - Attribute, die Geisel gerne auch hören würde, wenn Auswärtige über Düsseldorf sprechen.

(RP)
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