Kartenchaos an Düsseldorfer Uni: Studenten wollen eine für alles

Kartenchaos an Düsseldorfer Uni: Studenten wollen eine für alles

Schon mehr als 4200 Studierende haben auf einer Liste unterschrieben und wollen eine allgemeine Unicard. Doch erst im April soll darüber entschieden werden. Dann dauert es noch mal zwei Jahre.

Wer an der Heinrich-Heine-Universität studiert, der benötigt einen Gegenstand ganz besonders: ein Portemonnaie mit möglichst vielen Kartenfächern. Denn der Alltag auf dem Campus im Süden der Stadt erfordert eine Menge bürokratischen Aufwand. Neben dem Ausweis für die Universitäts- und Landesbibliothek gehört dazu noch je eine Aufladekarte für den Kopiershop und die Mensa - nicht zu vergessen der eigentliche Studentenausweis. Da dieser zusätzlich als Fahrticket für die öffentlichen Verkehrsmittel in Nordrhein-Westfalen fungiert, ist für die Gültigkeit ein Lichtbildausweis unabdingbar.

Diesem Kartenchaos haben Fabian Schröer und Jennifer Voß den Kampf angesagt. Für die beiden Studenten und Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) war die einheitliche "Unicard" ein zentrales Wahlkampfthema. Hoffnung, dass der Antrag im April bei der zuständigen Kommission durchgewunken wird, macht ihnen eine Liste mit Unterschriften - mehr als 4200 Studierende haben sich für die Einführung einer allgemeinen Unicard ausgesprochen, auch das Studierendenparlament unterstützt den Antrag einstimmig.

Diese große Resonanz überraschte auch Kanzler Martin Goch, der im Gespräch mit den Asta-Delegierten bereits das baldige Ende des Papierausweises ankündigte. Doch neben dem Rektorat müssen noch weitere Parteien dem Projekt zustimmen. Zum einen das Studentenwerk und die Bibliothek, welche ihre eigenen Karten dafür aus dem Verkehr ziehen müssten. Zum anderen die Rheinbahn, die den neuen Ausweis als Fahrticket akzeptieren muss. "Von denen würde uns aber keiner Steine in den Weg legen wollen. Im Gegenteil, hätte die Rheinbahn dadurch doch den Vorteil, dass die Kontrollzeiten mit einem auslesbaren Chip deutlich schneller wären", sagt Schröer. Zudem ist der alte Papierausweis kaum widerstandsfähig, doch eine Einschweißung würde die Gültigkeit erlöschen lassen. "Durch das elektronische System wäre auch der Verwaltungsaufwand geringer. Man müsste nicht jedes Semester einen neuen Ausweis verschicken", sagt Schröer.

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Zusätzlich könnten die Karten Teil eines neuen "Campus-Management-Systems" werden, welches die Universität für die Zukunft erwägt. Statt Benutzername und Passwort könnte dabei ein Kartenlesegerät für die Studierenden zum Einloggen in die Verwaltungsseiten reichen. Stehen den Vorteilen also nur die hohen Kosten entgegen? Immerhin war 2014 der erste Versuch eines Asta-Vorstandes genau daran gescheitert, da rund 580.000 Euro für die Realisierung veranschlagt worden waren. "Nein", findet Jennifer Voß, denn "die Chip-Technik ist inzwischen um das Vielfache günstiger geworden."

Finanziert werden soll das Projekt aus den Geldern zur "Verbesserung des universitären Lebens", welche die Universität jährlich vom Land bekommt. Eine Nutzung der Karte als Werbefläche - wie beim Bibliotheks-Ausweis - könnte zusätzlichen finanziellen Spielraum schaffen. In jedem Fall soll die Unicard eine Erleichterung für die Studenten werden, keine Belastung. Eine Erhöhung des Semesterbeitrags sei deshalb für Schröer und Voß "definitiv keine Option".

(RP)
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