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Gegen Luftverschmutzung: Stromanschluss für Rheinschiffe

Gegen Luftverschmutzung : Stromanschluss für Rheinschiffe

Um die Schadstoffkonzentration vom Feinstaub zu verringern, sollen Schiffe an den Liegeplätzen ihre Generatoren abschalten. Die Stadt beginnt mit der Planung für Transformatoren für die Energieversorgung. Die Finanzierung ist noch nicht geklärt.

Schon lange steht auf dem Papier die Forderung, die Verschmutzung der Luft durch Rheinschiffe zu vermindern. Getan hat sich aber wegen der komplizierten Rechtslage noch nichts. Doch jetzt will die Stadtverwaltung aktiv werden und zumindest gegen den Krach und Dreck vorgehen, den Schiffe am Liegeplatz verursachen. Sie sollen künftig von Land aus mit Strom versorgt werden, damit die Schiffs-Generatoren für die Eigenversorgung abgeschaltet werden können.

Luftreinhalteplan verbessern

Grund ist der Druck, der durch den von der Bezirksregierung Düsseldorf verlangten Luftreinhalteplan besteht. Da die Feinstaubkonzentration in Düsseldorfs Innenstadt trotz etlicher Einschränkungen für den Autoverkehr nicht unter die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte gesenkt werden kann, sollen andere Quellen der Luftverschmutzung gestopft werden.

Die Binnenschifffahrt ist eine der größten Verursacher, weil die Frachter und Fahrgastschiffe auf dem Rhein meist mit Dieselmotoren ohne Filtertechnik betrieben werden. Messungen haben ergeben, dass bis zu zehn Prozent der Feinstaub-Menge in Düsseldorfs Innenstadt von der Schifffahrt stammen. "Die Stadtverwaltung wird 2012 daher die Planung für eine Landstrom-Versorgung der Schiffsliegeplätze am Rheinufer vorantreiben, um endlich eine Lösung finden", kündigte Umweltdezernentin Helga Stulgies im Gespräch mit unserer Zeitung an. Die Maßnahme sei sinnvoll nicht nur wegen der Luftreinhaltung. Anwohner am Rhein würden dann auch weniger unter dem Lärm der Schiffe leiden. Denn das Brummen der Generatoren könne vor allen in den ruhigen Nachtstunden sehr störend sein.

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Die beiden größten Hürden sind bei der Konzeption die Platzierung von Trafo-Stationen in der Nähe des Rheinufers sowie die Finanzierung. Kostenvoranschläge liegen noch nicht vor. Fachleute gehen aber davon aus, dass ein beträchtlicher sechsstelliger Betrag investiert werden müsste. Diese Investition zu stemmen ist nach Meinung von Dirk Jansen gerechtfertigt: "Es geht um den Gesundheitsschutz für die Bevölkerung. Gemessen daran ist die Investition als verhältnismäßig einzustufen", sagt der NRW-Geschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Und die Verminderung von Feinstaub-Verschmutzung durch Schiffe am Rheinufer sei wichtig, weil der Rheinabschnitt in der erweiterten Umweltzone liege, die von der Innenstadt bis in das Linksrheinische reiche.

Die Logistik-Branche sieht eine Landstrom-Versorgung als wenig wirkungsvoll an. Frachtschiffe würden in den Häfen nur wenige Stunden liegen, um möglichst wenig Kosten zu haben. Sinnvoller und gerechter sei es, wenn europaweit Grenzwerte für Schiffsmotoren und moderne Maschinen vorgeschrieben würden, hieß es auf einer Fachtagung der Vereinigung Zukunft der Industrie, in der sich Unternehmen und die IHK engagieren.

Diesen Einwand geht jedoch an der Situation in Düsseldorf vorbei, ist Stulgies überzeugt: "Anders als in Häfen liegen am Düsseldorfer Rheinufer Fahrgastschiffe über längere Zeit, Hotelschiffe zu Messezeiten sogar mehrere Tage. Da wird die Luftqualität verbessert, wenn die Generatoren abgeschaltet werden." Unterstützt wird ihre Auffassung auch von der Bezirksregierung, die einen verbesserten Luftreinhalteplan verlangt. "Wir brauchen daher eine Landstrom-Versorgung für sechs Liegeplätze", sagt Stulgies.

Die Planung für die Größe und den Standort der Transformatoren, die die 10 000 Volt des Mittelspannungsnetzes der Stadt auf die entsprechende Spannung der Schiffe herunterregeln, solle daher Anfang 2012 beginnen.

(RP/jco)