Streit um Wohnungslosen-Haus in Düsseldorf erneut eskaliert

Bewohner ohne Heizung und Wasser: Streit um Wohnungslosen-Haus in Düsseldorf eskaliert erneut

Die verbliebenen sechs Mieter in dem Haus in Düsseldorf leben inzwischen auf einer Baustelle: Wohnungstüren fehlen, Heizung und Wasser gibt es auch nicht mehr.

In Hans’ Zuhause ist es ungemütlich geworden. Eine Wohnungstür hat er nicht mehr, Strom nur zum Teil, Wasser und Heizung sind abgestellt. Im Flur ist es laut, Bauarbeiter arbeiten mit schwerem Gerät in den Wohnungen, haben Wände niedergerissen. Auch die Wohnung im zweiten Stock, in der Hans lebt, ist eine Baustelle. Der 74-Jährige, der seinen vollständigen Namen nicht nennen möchte, ist mittendrin. Genau wie sechs weitere Mieter der Lessingstraße 25.

Das Haus hat immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: Gekauft hatte es einst der Orden der Armen Brüder des heiligen Franziskus (heute Franzfreunde), unterstützt von Spenden, die die Obdachlosenhilfe Fiftfyfifty gesammelt hatte. Untergebracht wurden darin bis zu 24 ehemalige Wohnungslose. Nachdem der Orden Millionenverluste bei riskanten Geldanlagen gemacht hatte, verkaufte man das Haus an einen Berliner Investor. Seither ist viel passiert in dem Haus, Ärger gab es um Räumungsklagen, weil Mieter im Rückstand waren, aber auch, weil Bauarbeiter Türen ausgehängt hatten, um in Wohnungen zu arbeiten. In diesem Konflikt einigte man sich vor Gericht, dass keine Türen ausgehängt werden, Mieter aber Bauarbeiter hineinlassen müssen.

Nun fehlen wieder die Türen – und können in der Wohnung von Hans nicht mehr eingehängt werden, denn auch der Rahmen ist entfernt worden. „Ich war acht Tage im Krankenhaus, kam zurück und habe die Wohnung so vorgefunden“, sagt Hans, der aktuell noch einen Mitbewohner hat. Menschenunwürdig sei die Situation. Aktuell hat er kein fließendes Wasser, nutzt Sprudelwasser zum Kochen, und um die Toilette zu nutzen. In seinem Zimmer hat er einen kleinen Heizkörper aufgebaut. Er ist traurig, dass sich sein Zuhause, in dem er seit beinahe zehn Jahren lebt, auflöst. Während des Gesprächs laufen immer wieder Bauarbeiter durch die Wohnung. „Das hat hier gut funktioniert, wir waren eine Wohngemeinschaft, in der zwar jeder für sich war, wir aber auch Dinge gemeinsam gemacht haben.“ Gerne hat er für die Gruppe Erbseneintopf gekocht.

Fiftyfifty sieht schlimmste Vermutungen bestätigt: Nämlich dass der Eigentümer, die HMS Zweite Grundstücksgesellschaft, die Mieter loswerden möchte, um Luxuswohnungen zu bauen. Schon in der Vergangenheit hatte die Organisation dem Eigentümer dies vorgeworfen, der aber hatte beteuert, nichts an den Mietverhältnissen zu ändern. Auch Hans hat noch einen Vertrag, zahlt Miete. Von früher 24 Bewohnern leben noch sechs im Haus. „Es war sehr wichtig für uns, dass die ehemaligen Wohnungslosen eine eigene Wohnung haben. Darum geht es bei unserer Housing-First-Politik“, sagt Johannes Dörrenbächer von Fiftyfifty. Die Organisation will nun prüfen, ob das Vorgehen des Eigentümers rechtens ist.

Dieser ist über die Arbeiten informiert, will sich aber nicht äußern. Ebenso wie die Franzfreunde, denen Fiftfyfifty oft Vorwürfe gemacht hat. Allerdings habe man zwei Menschen aus dem Haus nun in Appartements der Franzfreunde untergebracht, heißt es. Das Wohnungsamt wollte sich spätestens heute Morgen ein Bild von der Lage machen und gegebenenfalls handeln.

Mehr Infos zu „Wem gehört Düsseldorf?“ unter www.wem-gehoert-duesseldorf.de

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