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Amtsgericht: Strafe für Pfleger, der gelähmten Senior prügelte

Amtsgericht : Strafe für Pfleger, der gelähmten Senior prügelte

Einem bettlägerigen, halbseitig gelähmten Pflegeheimbewohner (82) ins Gesicht zu schlagen, so dass der von mehreren Schlaganfällen gezeichnete Senior eine Platzwunde an der Nase erleidet, "ist in keinster Weise zu rechtfertigen". Schon gar nicht, wenn der Schläger als Altenpfleger "gerade dazu da ist, Bewohner zu schützen". So urteilte am Dienstag das Amtsgericht.

Das Gericht verhängte sechs Monate Bewährungsstrafe gegen einen 50-jährigen Altenpfleger. Und als Schmerzensgeld muss er außerdem 1500 Euro an die Witwe seines Prügelopfers zahlen.

"Mag sein", so die Richterin im Urteil, "dass Pflegekräfte unterbezahlt sind und die Belastung auf den Stationen steigt". Aber eine derart "schwere Entgleisung" müsse deutlich geahndet werden.

Der Pfleger hatte erklärt, sich im Mai 2011 mit dem frisch am Herz operierten, halbseitig gelähmten Bewohner wegen dessen angeblich rüden Umgangs mit Pflegeschwestern gestritten zu haben. Der alte Mann habe bei dem Disput dann versucht, den stämmigen Angeklagten über die Gitterabsperrung ins Bett zu ziehen. Der 100-Kilo-Pfleger habe das nur per "Abwehrreaktion" verhindern können, habe den seit Jahrzehnten durch Lähmung geschwächten Senior "deshalb weggedäut". Absichtliches Schlagen sie dies auf keinen Fall gewesen. Die blutende Wunde an der Nasenwurzel des Opfers, das als Operationsfolge eine gerinnungshemmende Arznei einnehmen musste, habe er "nicht bemerkt".

Seinen Kollegen in jener Seniorenresidenz in der Altstadt fiel die Wunde sofort auf. Der Pfleger wurde entlassen und kam nun vor Gericht. "Die Verletzung des Bewohners ist nicht anders zu erklären als durch einen Schlag", so das Urteil. Da der alte Herr nach einem weiteren Schlaganfall inzwischen gestorben ist, soll als Erbin jetzt seine Witwe (79) das Schmerzensgeld erhalten. Der Pfleger brummelte im Schlusswort nur: "Es tut mir leid."

(RP)