Düsseldorf: Strafanzeige nach Fehlstart bei Pferderennen

Düsseldorf : Strafanzeige nach Fehlstart bei Pferderennen

Mit den speziellen Gepflogenheiten im Pferderennsport muss sich die Staatsanwaltschaft jetzt vertraut machen. Nach einem technischen Defekt bei einem Renntag auf der Galopprennbahn in Grafenberg hat ein sportbegeisterter Rechtsanwalt im Auftrag eines Meerbuscher Mandanten eine Betrugsanzeige gegen den damaligen Rennleitungs-Chef erstattet.

Es geht um die Rennbewertung der siebenjährigen Stute "New Soul" — und darum, dass sie samt Jockey nicht in einem internationalen Amateurrennen mitlaufen konnte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Im Rahmen des Henkel-Stutenpreises 2015 gab es beim Renntag am 3. Mai in Grafenberg noch etliche weitere Wettkämpfe. Doch beim dritten Rennen des Tages kam es wegen Startproblemen zu einer ungewöhnlichen Situation: Die Startbox von "New Soul" öffnete sich wegen technischer Probleme nicht oder nicht vollständig. Die übrigen sechs Reiter hätten dies zwar bemerkt, heißt es in der Strafanzeige, seien deshalb auch nicht mit vollem Einsatz losgeprescht. Doch der Starter bemerkte den Vorfall offenbar nicht. Statt also auf einen Fehlstart zu erkennen und das Rennen abzubrechen, ließ er die restlichen sechs Pferde weiter laufen und das Rennen regulär beenden. Es gewann der Favorit "Scataro".

Bricht der Starter das Rennen nicht ab, dann sei das Ergebnis gültig, versicherte der Chef der Rennleitung hinterher. Besucher, die ihr Geld auf "New Soul" gesetzt hatten, bekamen ihren Einsatz zurück. Die Stute wurde als Nichtstarter gewertet.

Ganz so einfach war der Ablauf laut der Betrugsanzeige aber nicht: So sei es durch Missverständnisse auch dazu gekommen, dass bis zur Hälfte dieses Rennens noch Wetten auf "New Soul" möglich waren — obwohl das Pferd samt Jockey nicht mal aus der Box herauskam. Das habe laut Anzeige am Toto-Leiter gelegen, der zunächst von einem Fehlstart ausgegangen sei. Als er aber bemerkte, dass die übrigen Pferde doch unterwegs waren, seien erst knapp zwei Minuten nach dem eigentlichen Start alle Einsätze gestoppt worden. Dem Chef der Rennleitung wird in der Strafanzeige jetzt unterstellt, er habe diese Sachlage komplett falsch eingeschätzt. Er habe sich damit des Betruges schuldig gemacht. Das hat die Staatsanwaltschaft derzeit zu prüfen.

(wuk)
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