Düsseldorf: Stifter fördern einzelne Studenten direkt

Düsseldorf : Stifter fördern einzelne Studenten direkt

Bürger und Unternehmen unterstützen Uni-Studierende mit 150 Euro im Monat, der Bund stellt die gleiche Summe zur Verfügung. Sebastian Becker (20) kann so Semestergebühren und Bücher bezahlen.

Er war schon immer ein bisschen schneller als andere. Besser auch. Das würde er selbst natürlich nie so formulieren, aber die Fakten sprechen für sich: Mit 17 hat Sebastian Becker sein Abitur bestanden, Durchschnittsnote 1,0. Mit 18 hat er sein Studium begonnen, Informatik und Mathematik, "ziemlich anspruchsvoll", jetzt ist er 20 Jahre alt und im fünften Semester. Ehrgeiz und Disziplin sind seine Wegbegleiter, Begabung ist sein Fundament, das nun auch finanziell aufgepolstert wird - mit einem Stipendium aus dem bundesweiten Programm "Chancen nutzen".

Leistung zu fördern, bedeutet auch, Leistung zu fordern, so lässt sich das Prinzip der "Deutschland-Stipendien" beschreiben. Heißt: Nur die Besten werden mit 300 Euro im Monat unterstützt. Das Geld wird zur Hälfte vom Bund finanziert, zur anderen Hälfte von privaten Stiftern. In Düsseldorf haben sich in diesem Jahr 52 Privatmenschen, Stiftungen und Unternehmen bereitgefunden, insgesamt 313 Studierende zu fördern - ganz direkt. Denn die Uni hat sich dazu entschlossen, das Geld nicht in einem großen Topf zu sammeln und dann zu verteilen, sondern dem Projekt ein Gesicht zu geben. Heißt: Ein Stifter zahlt direkt für einen Studierenden (oder mehrere). Ein Programm mit persönlicher Note.

Auch Sebastian Becker kennt seine Stifterin Esther Betz, Ehrensenatorin der Uni und Vorsitzende der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post, die mehrere Stipendiaten fördert. "Wir haben uns schon öfter getroffen, waren zusammen im Museum und haben danach miteinander geredet", berichtet der Student. Diese persönliche Ebene sei wichtig, "und viel besser, als von jemandem anonym Geld zu bekommen". Durch den monatlichen Zuschuss kann Sebastian Becker, der aus einer großen Familie mit vier Geschwistern stammt, Semestergebühren und Bücher finanzieren. "Außerdem hatte ich einen alten, schweren PC, ich brauche aber ein Gerät, das ich mitnehmen kann." Rund 1,1 Millionen Euro stehen in diesem Jahr für die Begabtenförderung der Uni zur Verfügung.

Seit Beginn des Programms 2009 wurden insgesamt 1911 Studierende aus allen Fakultäten mit insgesamt 6,9 Millionen Euro gefördert. Zu den Stiftern in diesem Jahr zählt zum ersten Mal ein Stipendiat von einst: Kai Dannenberg wurde während seines Zahnmedizinstudiums von einem Zahnarzt des Düsseldorfer Unternehmens Pluszahnärzte mit einem Stipendium unterstützt. In diesem Jahr gehört er nun selbst zu den Stiftern, außerdem ist er mittlerweile leitender Zahnarzt des Unternehmens. "Ich konnte mir schon während meines Studiums dort Praxiswissen aneignen." So schließt sich der Kreis.

Auch Sebastian Becker kann sich vorstellen, eines Tages Stifter eines Stipendiums zu werden. Aber erst mal will er sein Studium fortsetzen, als Tutor jüngeren Studierenden auf die Sprünge helfen und irgendwann herausfinden, wo seine berufliche Zukunft zu finden sein wird: "Ich brauch' noch mehr Überblick." Und das alles mit Tempo. Denn seine jüngeren Geschwister werden wohl auch studieren, begabt scheinen sie alle zu sein. Seine 18-jährige Schwester hat soeben ihr Abitur bestanden - auch mit 1,0. Aber mit einem noch etwas besseren Punktestand als ihr großer Bruder. Muss wohl in der Familie liegen.

(RP)
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