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Düsseldorf: Sternekoch lehrt im Jugendarrest

Düsseldorf : Sternekoch lehrt im Jugendarrest

Daniel Dal-Ben vom "Tafelspitz" und Enrico de Angelis vom "Saltimbocca" kochten mit Insassen der Gerresheimer Jugendarrest-Anstalt.

Erkan und Philipp kochen heute zum ersten Mal. Es gibt gefüllte Perlhuhnbrust mit Linsen-Caprese. "Kenn ich nicht", sagt Philipp. Er ist aber überzeugt, dass es gut schmeckt. Philipp und Erkan sitzen für vier Wochen in der Jugendarrestanstalt (JAA) in Gerresheim. Sie sind zwei von insgesamt 40 Jungen, die dort ihre Strafe verbüßen. Erkan wegen Autodiebstahls, Philipp hat seine ihm aufgebrummten Sozialstunden geschwänzt.

Jetzt dürfen sie mit Profiköchen und dem "Chef", wie sie Anstaltsleiter Edwin Pütz nennen, das Abendessen zubereiten. Die Anweisungen gibt Sternekoch Daniel Dal-Ben vom Restaurant Tafelspitz. Ihm assistiert Enrico de Angelis vom Restaurant Saltimbocca. Der Italiener erklärt, wie man Gnocchi zubereitet. Gnocchi? So recht wissen die Jungs noch nicht, was das ist.

Wie Profiköche beginnen auch die Neulinge mit dem Dessert: Mousse au Chocolat. Dal-Ben beweist pädagogisches Talent und lässt seine Küchenhelfer die Schokolade zuerst probieren. Valrhona-Schokolade, edel und dunkel. "Bruder, die schmeckt ja richtig geil", sagt einer der Inhaftierten, die anderen nicken zustimmend. "Die haut einen echt um." Dann kommen die ersten Kommandos. Jeder der Jungs hat seinen Job – vom Zubereiten der Caprese-Sauce bis zum Schlagen der Eier fürs Dessert. Da das Essen normalerweise aus der JVA in Ratingen kommt, gibt es im Haus an der Heyestraße keine Küche. Deshalb haben die Jungs vor dem Besuch der Profiköche den Multifunktionsraum umgebaut – eigentlich sind es nur zwei Herdplatten. Dal-Ben hat nicht nur die Zutaten, sondern auch Töpfe, Messer und Geschirr mitgebracht.

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"Mannomann", so große Teller, staunen die Jungs, als sie den Tisch decken. Die jugendlichen Straftäter sollen Disziplin lernen und Teamarbeit leisten. Dazu gehört jetzt auch das Abwaschen der benutzten Küchenutensilien. "Jeder soll eine zweite Chance bekommen", sagt Pütz, der den Arrestanten Impulse geben möchte, damit sie die Kehrtwende schaffen. Dafür sei auch ein strukturierter Tagesablauf wichtig.

Kein Fernseher, kein Telefon, kein Handy und keine Zigaretten. Die Jugendlichen müssen sich an neue Umstände gewöhnen. Beim Kochen klappt das wunderbar. Sie arbeiten auf Anweisung, im Team und sehr diszipliniert. Daniel Dal-Ben spricht (fast) ihre Sprache.

Dann ist das Essen fertig. Das schmeckt echt super, lautet die einstimmige Meinung. Dazwischen klopfen sie ein paar schlaue Sprüche – ein wenig Imponiergehabe muss sein. Doch dann ist am Tisch nur noch das Klappern von Messer und Gabel zu hören.

Nach dem Essen bietet Dal-Ben den Jugendlichen an, sie könnten sich bei ihm melden, wenn jemand Interesse hat, Koch zu werden, "Ich werde euch helfen", verspricht er. Seine Idee war es schon länger, Chancenlosen eine Chance zu geben. Über einen befreundeten Juristen kam der Kontakt zur Jugendarrestanstalt zustande. Nicht nur die Jungs, sondern auch die Köche sind begeistert. Sie wollen wiederkommen, die nächste Kochaktion ist schon geplant. Der 17-jährige Erkan scheint Interesse zu haben. "Und wenn ich nur ein, zwei Jungs erreiche, dann hat sich doch der ganze Aufwand gelohnt", meint Dal-Ben zufrieden.

(RP)