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Gustaf-Preisträger: Stephan Rottkamp

Gustaf-Preisträger : Stephan Rottkamp

Das hatte er nicht erwartet. Nachdem seine Inszenierung von Federico Garcia Lorcas "Bluthochzeit" in der Presse wenig freundlich besprochen wurde, wirkte Regisseur Stephan Rottkamp ehrlich überrascht, dass die Zuschauer anders geurteilt und genau dieses Stück mit klarem Votum zu ihrer Lieblingsinszenierung gewählt haben.

Rottkamp, Jahrgang 1971, hat in München Theaterwissenschaft studiert und schnell an großen Häusern, etwa der Wiener Burg oder dem Thalia Theater, inszeniert. Seit dieser Spielzeit ist er Hausregisseur in Düsseldorf und hat mit "Bluthochzeit" eine Inszenierung vorgelegt, die alles Folkloristisch-Lyrische des Stückes tilgt, dafür die Zuschauer mit beeindruckenden Bildern gefangen nimmt. Da ist etwa der Moment, da eine Braut in ihr weißes Kleid steigt und losläuft, freudig, frei, wie es scheint. Doch dann halten sie die Bänder ihres Kleides zurück wie schwere Fesseln.

Mit solchen Symbolen und beherzten Streichungen ist es Rottkamp gelungen, ein düsteres, auch undurchdringliches Stück zu lichten und in verständliche Form zu bringen. Beim Publikum kam diese Theatersprache sehr gut an. Das Schicksal der in bluträchenden Traditionen gefangenen Menschen in Lorcas Tragödie berührte so sehr, dass Rottkamp nun seine erste Spielzeit in Düsseldorf mit einem Gustaf schmücken kann.