Grafenberger Wald: Steinzeit-Forscher in Gerresheim

Grafenberger Wald: Steinzeit-Forscher in Gerresheim

Wissenschaftler untersuchen die Lössschichten eines Hügels im Grafenberger Wald. Für ein internationales Projekt erforschen sie die Einwanderung des Homo sapiens sapiens in Europa. Über den Nachfahren des Neandertalers ist bisher wenig bekannt.

Die Hügel des Grafenberger Waldes lassen tief in die Geschichte der Menschheit blicken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. "An nur wenigen Stellen in Deutschland Stelle finden wir wie hier eine 18,5 Meter mächtige Lößschicht vor", sagt der Geologe Peter Fischer fast schwärmend.

Erst diese Tiefe ermögliche es, die Veränderungen der Erde und der Landschaft seit etwa 50 000 v. Chr. bis nach der letzten Eiszeit um 11 000 v. Chr. festzustellen. Diese Angaben sind nötig, um die Einwanderung des Homo sapiens sapiens in Europa zu erforschen. An diesem Projekt der Universität Köln arbeiten Forscher im Orient, in Ostafrika und in Europa.

"Wir wissen vom Homo sapiens sapiens, der in der Besiedlung den Neandertaler ablöste, kaum etwas", erklärt Fischer. Es gebe keine Fundstellen von Siedlungen. Um ihnen auf die Spur kommen zu können, dienen die Bohrungen in dem Lösshügel, die Fischer zurzeit mit seinem Team bis auf die alte Kiesschicht des 600 000 Jahre alten Tertiärs hinunter treibt. Denn die Struktur des Erdreichs in den Bohrkernen gibt Aufschluss über die klimatischen Bedingungen und Landschaften. "Dieser Löß hat sich in einer Kälteperiode abgelagert", erklärt Fischer und zerreibt eine gelbe, krümelige Masse zwischen seinen Fingern. Mit der rötlichen Erde aus dem Bohrkern ist das nicht möglich. Sie ist feuchter und lässt sich nur zu einer kleinen Wurst drehen.

"Diese Schichten entstanden, als es wärmer wurde und Vegetation wuchs", erläutert Fischer. Dieses weichere Erdreich sei auch gleichsam weggeflossen und habe sich in Senken abgelagert. Aus den farbigen Schichtungen könnten Rückschlüsse auf das Landschaftsbild gezogen werden.

Auf diese auffälligen Strukturen in Gerresheim sind die Forscher eher per Zufall durch einen Hinweis der ehrenamtlichen Archäologen Gaby und Peter Schulenberg gestoßen. Diese hatten die Strukturen beim Freilegen eines Lehmhangs in der Nähe der Bohrstelle entdeckt. Sie hatten ihn freigelegt, um den Abbau des Lehms für eine ehemalige Ziegelei zu dokumentieren. Der Lehm war in dem alten Ringofen an der Bergischen Landstraße gebrannt worden, den der Investor der neuen Wohnsiedlung, Hochtief Projektentwicklung, so weit wie möglich restaurieren will. "An dieser Stelle zeigt sich eine Verbindung der allgemeinen Erd- mit der Industriegeschichte in Düsseldorf", sagt Peter Schulenberg.

Wobei die Erdgeschichte ungleich schwieriger zu erforschen ist. "Erst durch umfangreiche Untersuchungen der Bohrkerne können wir uns ein Bild vom Alter und der Beschaffenheit der Landschaft machen", so Fischer. Ein so genannter Lumineszenz-Test mit Quarz-Partikeln ließe durch physikalische Berechnungen Rückschlüsse auf das Alter des Bodens zu, zudem würden die Größe der Sedimentkörner, die Geochemie und der Grad der Magnetisierung untersucht. "Mit Hilfe von Erkenntnissen aus anderen Untersuchungsgebieten können wird dann ein Bild der urgeschichtlichen Landschaft in dieser Region rekonstruieren", erklärt Fischer.

Aufschlüsse auf die Lebensbedingungen der Urmenschen seien ebenfalls zu erwarten, wie sie beispielsweise mit der Kälte der Eiszeit fertig geworden seien. "Vielleicht finden wir dann Hinweise, wo der Urmensch gesiedelt haben könnte", sagt Fischer. Um mehr Informationen zu bekommen, will der Wissenschaftler noch auf einem anderen Hügel bohren. "Vielleicht ist dort die Lößschicht etwa 30 Meter dick." Das ließe noch tiefer in die Menschheits-Geschichte blicken.

(RP)