Steigende Energiepreise erhöhen das Armutsrisiko

Wirtschaft in Düsseldorf : Steigende Energiepreise erhöhen das Armutsrisiko

An der Uni Düsseldorf sprachen Experten über die Kosten der Energiewende und die Frage, wer sie tragen muss. Gerade einkommensschwache Haushalte sind betroffen.

Die seit Jahren steigenden Energiekosten können nach Auffassung von Experten zu einem neuen Ausmaß von Verschuldung und Armut bei den Verbrauchern führen. Das Phänomen wird sich durch die Kosten für die Energiewende noch verstärken. Seit 2000 haben sich die Strompreise in Deutschland ungefähr verdoppelt, hieß es am Donnerstag bei einem Verbraucherforschungsforum an der Heinrich-Heine-Uni zum Thema Energiearmut. Veranstaltet wurde es vom Institut für Verbraucherwissenschaften.

In Düsseldorf wurde 2018 nach Angaben der Stadtwerke insgesamt 4634 mal Kunden die Stromversorgung gesperrt, 577 mal die Gasversorgung. Die Wasserversorgung wurde in 134 Fällen gesperrt. Die Zahlen sind allerdings nicht ganz so hoch wie in den beiden Vorjahren. Angedroht wurden im vergangenen Jahr im Rahmen der letzten Mahnung insgesamt 212.778 Sperrungen.

„Einkommensstarke Haushalte können sich die Energiewende deutlich besser leisten“, sagte Manuel Frondel (RWI). Der Anstieg der Stromkosten gehe weitgehend auf die Umlage zum  Ausbau der Erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) zurück. Das bedeute aber auch: Einkommensschwache Verbraucher finanzieren über den höheren Strompreis quasi quer die Ausnahme für energieintensive Unternehmen mit, die diese nicht zahlen müssen. Der Prodekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Heine-Uni, Florian Heiß, hatte sich schon eingangs als Besitzer einer Solar-Anlage auf dem Dach geoutet: „Ich produziere meinen eigenen günstigen Strom. Aber ein Wohnungsmieter, der diese Möglichkeit nicht hat, muss den teureren Strom kaufen.“

Der wachsende Anteil der  Warmmiete an den monatlichen Ausgaben bedeute ein Armutsrisiko, erklärte Politikwissenschaftler Christoph Strünck von der Uni Siegen. „Das Risiko ist da, mehr als 20 Prozent der Haushalte sind davon betroffen.“ Er wies auch darauf hin, dass gerade einkommensschwache Haushalte oftmals in Häusern leben, die energetisch nicht optimal sind. Und: „Wir diskutieren natürlich nicht nur über die hohen Abgaben und Preise, sondern auch die Einkommen.“ Man müsse sich fragen, ob etwa die Regelsätze bei der Grundsicherung angepasst werden – und was mit Haushalten ist, die knapp darüber liegen.

Aktuell überwiegen allerdings die offenen Fragen – und sie sind komplex. So  werde es bei der Debatte um die Einführung einer CO2-Steuer darauf ankommen, Ausgleiche für sozial schwache Haushalte zu schaffen, ohne aber dabei die Anreize für ein ökologisch sinnvolleres Verhalten über Bord zu werfen. Wenn man aber beispielsweise die Bürger mit Mehrbelastungen dazu animieren wolle, lieber Wärmepumpen anzuschaffen statt Gasheizungen: „Dann muss man auch fragen, welche Bürger auf solche Entscheidungen überhaupt Einfluss haben.“

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