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Düsseldorf: Staus bis Mitte November

Düsseldorf : Staus bis Mitte November

Bis zum Auftakt der Weihnachtsmärkte ist an den städtischen Baustellen noch viel zu tun. Bis Mitte November muss deshalb noch mit Sperrungen und Verkehrsstörungen gerechnet werden. Als "langsamste Stadt Deutschlands", wie in einer Studie behauptet, sieht man sich im Rathaus aber nicht.

Eine staufreie Innenstadt wird es wohl so bald nicht geben. Weil zum Beginn der Weihnachtsmärkte möglichst viele Baustellen abgeschlossen oder zumindest zurückgebaut sein sollen, müssen sich Autofahrer in den nächsten Tagen weiter auf Behinderungen einrichten.

Peter Trautmann (50), seit 15 Jahren Taxifahrer in Düsseldorf: "Jeden Tag sämtliche Staus zu umfahren, die durch die Baustellen in der Innenstadt entstehen, kostet mich viel Zeit. Da kann ich nur hoffen, dass die Baumaßnahmen bald vorüber sind.". Foto: Busskamp

Das sei bei den vielen Bauprojekten und dem umfangreichen Veranstaltungskalender der Stadt nicht anders möglich, sagte Verkehrsdezernent Stephan Keller gestern unserer Zeitung. Jüngstes Beispiel: die Sperrung einer Fahrspur auf der Graf-Adolf-Straße am verkaufsoffenen Sonntag.

Andreas Köning (46), Notarzt aus Gerresheim: "Aus beruflicher Perspektive kann ich sagen, dass ich immer schnell ans Ziel komme. Privat ist das schon schwieriger. Verwunderlich finde ich die Ergebnisse aber nicht: Viele Baustellen bedeuten eben viel Zeitverlust.".

Der Antrag war vor vier Wochen gestellt worden: "Wir mussten abwägen, andere Sperrungen wie die der Berliner Allee berücksichtigen, Großveranstaltungen wie den Japan-Tag bedenken. Die Zahl der infrage kommenden Wochenenden ist begrenzt", so Keller. Entwarnung gibt es frühestens zur Monatsmitte (siehe Grafik). Am nächsten Wochenende werden die Kreuzung Ulmen-/Hugo-Viehoffstraße und die Münsterstraße an der Eisenbahnbrücke am S-Bahnhof gesperrt, Teilsperrungen stehen im Rheinallee- und im Rheinufertunnel an.

Antonia Buchmann (26), Rechtsreferendarin: "Meine Schwester hat aufgegeben, mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Ich nutze in Düsseldorf am liebsten Bus und Bahn. Oft sind die aber so überfüllt, dass es zu Verzögerungen im Fahrplan kommt. Eigentlich schade.".

Dabei hatte die Unternehmensberatung Arthur D. Little in ihrer Studie zur Verkehrssituation die Baustellen nicht einmal berücksichtigt. Das Ergebnis der Untersuchung erschien am Montag in der "Wirtschaftswoche" mit der Schlagzeile "München rennt — Düsseldorf pennt" .

Bei der Stadt wehrt man sich aber gegen diesen Negativtitel. So hätten die Autoren der Studie weder mit der Rheinbahn noch mit seinem Amt gesprochen, sagte Dezernent Keller. "Ich weiß nicht, auf welchen Daten die Studie basiert, und nicht, in welchem Zeitraum sie erhoben wurden", so Keller. "Auf keinen Fall berücksichtigt sie, was wir in den vergangenen Monaten getan haben."

So investiere die Stadt mehr als andere in den Ausbau von ÖPNV-Strecken wie der U 81 und der Wehrhahn-Linie, die "nicht nur unterirdisch, sondern auch an der Oberfläche die Situation komplett verändern" werde. Und erst vor wenigen Wochen habe OB Dirk Elbers beim Regiogipfel das Verkehrsthema und die regionale Vernetzung "nach vorne geschoben". Der Radwegebau sei weit vorangebracht, die Verträge mit einem Car-Sharing-Partner dieser Tage unterschriftsreif. Die Studie als Denkanstoß habe die Stadt nicht gebraucht. Keller: "Wir sind da dran."

Ähnlich sieht das die Rheinbahn, die die Bewertung aus der "Wirtschaftswoche" aber nicht überraschte. "Dort sind Dinge formuliert, die wir seit Jahren fordern", sagte Sprecher Georg Schumacher. Bei der Vernetzung der Systeme sieht auch er die Rheinbahn nicht so abgeschlagen wie die Studie, die Düsseldorf auf den letzten von 78 Plätzen setzt.

"Wir fördern Car-Sharing, bieten Rabatte, prüfen ein Kombi-Ticket." Auch an den Fahrzeiten werde gearbeitet. "Jedes Jahr bauen wir an vier Haltestellen Hochbahnsteige." Und da die Rheinbahn als einziges Verkehrsunternehmen Deutschlands Zugriff auf den städtischen Verkehrsrechner habe, könne sie schnell auf aktuelle Lagen reagieren.

Bei der Rheinbahn hofft man, dass in Zukunft alle Verkehrsmittel gleich behandelt werden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) geht sogar noch einen Schritt weiter. Ziel müsse sein, "den motorisierten Individualverkehr zu verringern", heißt es seitens des VCD Düsseldorf, der jetzt in einem Schreiben an die EU, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, das NRW-Umweltministerium, die Bezirksregierung und die Stadt selbst die städtische Verkehrspolitik kritisierte.

Der Verkehrsclub hat einen Forderungskatalog zusammengestellt, der unter anderem ein Tempolimit von 40 km/h auf wichtigen Hauptstraßen vorsieht. Darüber hinaus will der VCD eine weitere Erhöhung der Parkgebühren. Im Gegenzug sollen zusätzliche Radwege gebaut und der ÖPNV weiter verbessert werden.

(RP)