Startups in Düsseldorf: Sie holen das Geld von der Versicherung zurück

Schwerpunkt Startups in Düsseldorf: Geld zurück von der Versicherung

Das Startup Helpcheck ist vor drei Jahren in Düsseldorf gestartet. Das Geschäftsmodell: Wenn Versicherungen weniger auszahlen, als den Kunden zusteht, hilft die Firma, den Anspruch durchzusetzen.

Eine alte Industriehalle an der Corneliusstraße: Früher war dort eine Druckerei, heute ist diese Halle – nachdem kein Stäubchen mehr an die Vergangenheit erinnert – das, was man eine coole Location nennt: Ein hoher, weißer Raum, viel Platz, helles Licht. An diesem Ort wurde eine Idee flügge, von der bereits viele Menschen profitiert haben - mit unverhofftem Geldsegen. Denn das Startup Helpcheck legt sich mit den Großen der Versicherungsbranche an.

Sie sind vor knapp drei Jahren mit einem ehrgeizigen Ziel gestartet: „Wir setzen die Rechtsansprüche von Verbrauchern gegenüber großen Versicherungskonzernen durch“, so Peer Schulz und sein Partner Phil Sokowicz. Das funktioniert ähnlich wie die Portale für die Passagiere von Airlines, die nach drastischen Flug-Verspätungen und Stornierungen Geld zurückfordern. Grundlage für das Geschäftsmodell der Helpcheck GmbH ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Danach ist es zulässig, Lebensversicherungen zu widerrufen, wenn sie zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden und dabei fehlerhaft oder gar nicht auf das Widerspruchsrecht verwiesen wurde. „Davon sind in Deutschland Millionen Menschen betroffen.“

Doch das Geld tatsächlich zurück zu bekommen, ist für Versicherte oft schwierig. Denn in der Praxis hätten viele der großen Konzerne – wenn überhaupt – nur den so genannten Rückkaufswert ausgezahlt, also deutlich weniger, als ihre Kunden eingezahlt haben. Oft würden sie Briefe gar nicht erst beantworten. „Versicherte haben aber nicht nur Anspruch auf ihr eingezahltes Geld, sondern auch auf entgangene Zinsen“, erläutert Peer Schulz. Und verdeutlicht das mit einem Beispiel: Ein Düsseldorfer hat rund 50.000 Euro in eine Lebensversicherung eingezahlt und kündigt den Vertrag nun nach 15 Jahren. Zurück bekommt er aber nur 43.000 Euro. Die Partneranwälte von Helpcheck weisen nach, dass beim Abschluss des Vertrags ein Widerrufsrecht von 14 Tagen eingeräumt wurde, dabei gelte das europäische Recht von 30 Tagen – „es gibt eine Liste von 30 Fehlern, die beim Abschluss solcher Verträge gemacht wurden“. Zudem habe der Versicherte auch einen Anspruch auf 7000 Euro für entgangene Zinsen, insgesamt also 14.000 Euro zusätzlich zu dem ausgezahlten Betrag.

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Die Prüfung, ob in einem Versicherungsvertrag eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung steht, übernehmen die Partner-Anwälte von Helpcheck unverbindlich und kostenlos, und sie schätzen auch ein, wie hoch die zu erwartende Summe ist. Dafür haben die beiden Geschäftsführer von Helpcheck eine Software entwickelt, mit der Verträge schnell und unkompliziert geprüft werden können. Auf Wunsch übernehmen es die juristischen Partner dann, den Widerruf bei der Versicherung durchzusetzen einschließlich der kompletten Rückabwicklung. „Zahlen müssen unsere Kunden nur im Erfolgsfall“, so Peer Schulz. 25 Prozent vom Mehrwert werden dann fällig, also von dem Geld, das durch den Einsatz von Helpcheck zusätzlich ausgezahlt wird. Im erwähnten Beispiel sind das 3500 Euro.

Die beiden Gründer – von der Wirtschaftswoche mal „Robin Hood von der Kö“ genannt – arbeiten daran, ihre Geschäftsidee zu erweitern. Denn einen Rechtsstreit auszufechten, könne für Verbraucher auch auf anderen Gebieten gewinnbringend sein – zum Beispiel bei Mietverträgen oder im Arbeitsrecht.

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