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Sieben neue Professoren: Stars an die Kunstakademie

Sieben neue Professoren : Stars an die Kunstakademie

Die Düsseldorfer Hochschule gab gestern überraschend bekannt, dass sie sieben neue Professoren berufen hat. Dazu zählen der Fotograf Andreas Gursky, die Bildhauerin Katharina Fritsch und der Video-Künstler Marcel Odenbach.

In vier Jahren, so prophezeite Tony Cragg als neuer Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie im vergangenen Juni, werde alles ganz anders sein. Jetzt weiß man: Die Vorhersage wird sich schon zum Sommersemester 2010 erfüllen. Gestern Abend gab Cragg überraschend sieben hochrangige Berufungen bekannt.

Der Fotograf Andreas Gursky übernimmt als Professor eine Klasse für Freie Kunst, Katharina Fritsch wird Professorin für Bildhauerei, Katharina Grosse und die Turner-Preisträgerin Tomma Abts übernehmen Professuren für Malerei, Marcel Odenbach wird Professor für Film und Video, und Johannes Schütz unterrichtet künftig als Professor für Bühnenbild. Zusätzlich übernimmt Eberhard Havekost eine Klasse für Malerei.

Mit dieser Nachricht hat Cragg die Düsseldorfer Akademie schlagartig an die Spitze der deutschen Kunsthochschulen zurückgeführt. In den vergangenen Jahren hatte sich das traditionsreiche Düsseldorfer Institut immer häufiger gegen Kritik zur Wehr setzen müssen. Die Vorwürfe lauteten: Vernachlässigung der Fotografie und der übrigen elektronischen Künste, Überbetonung der von manchen als veraltetes Genre empfundenen Malerei.

Jetzt haben sich die Gewichte verschoben. Malerei gilt zwar in Düsseldorf offenbar nach wie vor als Leitmedium, doch der prominenteste Name unter den Neuberufungen ist derjenige eines Fotografen, Andreas Gursky, der längst Weltruhm erlangt hat. Auch die Bildhauerin Katharina Fritsch hat sich international einen Namen gemacht, und die Malerin Tomma Abts, bis vor drei Jahren nur Fachleuten ein Begriff, ist durch die Aufsehen erregende Verleihung des britischen Turner-Preises gleichfalls in den Kreis der Kunstprominenz aufgestiegen.

Die Berufungen werden aller Voraussicht nach nicht nur der Akademie einen Schub verschaffen, sondern auch der Kultur im Westen der Republik. Die hat seit Jahren Mühe, sich gegen die Übermacht von Berlin zu behaupten. Wenn aber künftig ein angesehener Bühnenbildner wie Johannes Schütz eine Professur in Düsseldorf bekleidet, wird er vielleicht neben seiner Lehrtätigkeit auch als Künstler am einen oder anderen Theater des Landes Akzente setzen.

Hier die berufenen Künstler in Kurzporträts: Andreas Gursky (55), als Meisterschüler von Bernd Becher Absolvent der Düsseldorfer Akademie, hat sich durch seine großformatigen, digital bearbeiteten Farbfotografien einen Namen gemacht. Die Aufnahme etwa eines Prada-Schuhgeschäftes zählt zu den Ikonen der Gegenwartsfotografie. Ein Abzug der Fotografie "99 Cent II Diptychon" erzielte bei einer Auktion vor drei Jahren einen Preis von 3,3 Millionen Dollar und wurde damit zur teuersten Fotografie aller Zeiten.

Katharina Fritsch (53), Bildhauerin in Düsseldorf und bislang Professorin an der Kunstakademie Münster, wurde durch lebensgroße Skulpturen bekannt, etwa durch ihren "Elefanten", der heute im Düsseldorfer Museum K 21 beheimatet ist. Sie greift häufig Themen aus der Konsumwelt auf und vertrat Deutschland im Jahr 1995 bei der Biennale in Venedig. Katharina Grosse (48) lebt in Berlin. Auch sie ist aus der Kunstakademie Düsseldorf hervorgegangen und machte sich durch Farbmalerei einen Namen. Ihr großes Thema ist die Auseinandersetzung mit Raum. Tomma Abts (43) stammt aus Kiel und arbeitet seit 1995 in London. Ihre geometrischen Kompositionen wirken auf Abbildungen stets langweilig; erst bei der Begegnung mit dem Original merkt man, wie kunstvoll sich die Farbschichten überlagern und wie sich im Vorgang des Bearbeitens das Verfließen von Zeit ausdrückt. Marcel Odenbach (56) zählt mit Ulrike Rosenbach und Klaus zum Bruch zu den drei international bekanntesten deutschen Videokünstlern. Derzeit lehrt er an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Johannes Schütz (59) ist als Bühnenbildner durch die Zusammenarbeit mit großen Regisseuren bekannt geworden, unter anderem mit Ernst Wendt und Harald Clemen. 1976 ging er mit dem Team Frank-Patrick Steckel und Wolfgang Wiens als Ausstattungsleiter ans Bremer Theater, wo er sich auch mit dem Tanztheater von Reinhild Hoffmann befasste. In gleicher Funktion wechselte er 1983 ans Schauspielhaus Bochum. Dort setzte die künstlerische Verbindung mit Jürgen Gosch ein — bis zu dessen Tod im vorigen Jahr. Schütz inszenierte auch selbst: Gluck, Richard Strauss, Brecht, Schiller. Eberhard Havekost (42), Maler, stammt aus der DDR und hat sich abseits von Ostkunst-Klischees international einen Namen gemacht. Seine Kunst ist auch eine Kunst des Ausschnitts, der das große Ganze oft nur erahnen lässt.

(ots/rl)