Düsseldorf: Stadttor: Zigtausende Splitter regneten auf Fußweg

Düsseldorf : Stadttor: Zigtausende Splitter regneten auf Fußweg

Ein Spannungsbruch soll laut Feuerwehr die Ursache für das Zerbersten des gläsernen Fassadenteils gewesen sein. Die Scheibe stürzte aus der 10. Etage. Zigtausende von Splittern regneten am Mittag aus 20 Metern Höhe auf den Fußgängerweg. Verletzt wurde niemand.

Wenn Regierungssprecher Thomas Breustedt aus dem Feiertagsurlaub zurückkommt, wird er an seinem Arbeitsplatz die gewohnte Helligkeit vermissen: Glaser haben gestern Nachmittag vor seinem Bürofenster im zehnten Stockwerk des Stadttors eine Holzplatte montiert. Die dreimal 1,50 Meter große Scheibe, die sie ersetzt, war am Mittag zerborsten und auf den Gehweg gestürzt.

Die 7000 Glaselemente der markanten Stadttor-Fassade sind aus Sicherheitsglas, sie zerfallen wie Autoscheiben in winzige Einzelteile. Doch als der Scherbenregen aus 20 Metern Höhe gestern auf den Fußweg niederging, blieben größere, scharfkantige Glasreste noch in der Fassade hängen, drohten ebenfalls abzustürzen. Die Polizei sperrte den Fußweg an der südwestlichen Gebäudeseite, während Feuerwehrleute die Reste abschlugen, die mit lautem Knall in die Tiefe stürzten.

Der Absturz hätte schlimme Folgen haben können, doch an diesem windigen Montagmittag war glücklicherweise kein Passant am Stadttor unterwegs. Thomas Behrens, einer der wenigen, die gestern im Gebäude arbeiteten, hatte in der Staatskanzlei zunächst nichts von dem Zwischenfall mitbekommen. "Wir wissen nicht, wie es dazu kommen konnte — die Ursache muss nun die Hausverwaltung klären." Die war gestern für Nachfragen nicht erreichbar.

Als 2009 bei ähnlich starkem Wind wie Montag eine Scheibe im 14. Stock des Stadttors zersprungen und von Höhenrettern der Feuerwehr gesichert worden war (siehe Text unten) hatte der Immobilienverwalter von einem Einzelfall gesprochen. Ermüdungsbrüche könnten durch "winzige Abweichungen bei der Herstellung" verursacht werden, sagte er damals. Die Elemente der Glasfassade werden einmal jährlich gründlich geprüft, außerdem bei der Reinigung auf Unregelmäßigkeiten untersucht. Das soll nach Informationen unserer Redaktion in diesem Jahr ohne Beanstandungen erfolgt sein.

Der Ingenieur Peter Küffner, Sachverständiger für Glas und Fassaden, kennt viele ähnliche Fälle. Die häufigste Ursache für solchen Glasbruch seien kleine Verunreinigungen bei der Herstellung. Ein solcher "Nickelsulfid-Einschluss" wachse mit der Zeit — und führe schließlich dazu, dass das Glas wie von allein bricht. Dies ließe sich kaum verhindern. "Glas kann leider Gottes brechen." Auch wenn das Sicherheitsglas sofort in unzählige Teile zersplittere, sei ein Glasbruch in großer Höhe sehr gefährlich. "Es fallen auch größere Teile mit scharfen Kanten hinab."

Für Maßnahmen der städtischen Bauaufsicht sieht Ordnungsdezernent Stephan Keller derzeit keinen Anlass. Es sei zunächst Sache des Hauseigentümers, der Ursache auf den Grund zu gehen und das Gebäude zu sichern.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorf: Große Scheibe fällt aus Stadttor

(RP)
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