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Prozess um tödlichen Schulwegunfall einer Neunjährigen in Düsseldorf Wittlaer

Gerichtsprozess in Düsseldorf : Prozess um tödlichen Schulwegunfall vertagt

Eine Neunjährige war 2017 von einem Auto erfasst und überrollt worden. Der Fahrerin wird vorgeworfen, zu spät gebremst zu haben.

Mit den dramatischen Folgen eines kurzen Moments der Unachtsamkeit wollte sich eigentlich heute das Amtsgericht befassen. Wegen Corona wird der Prozess aber auf unbestimmte Zeit vertagt.  Einer Lehrerin (60) wird vorgeworfen, morgens im September 2017 auf der Fahrt mit ihrem Kleinwagen zur Schule in Wittlaer die neunjährige Elif auf ihrem Fahrrad übersehen und das Mädchen tödlich verletzt zu haben. Die Anklage geht von fahrlässiger Tötung aus. Bei einem Tempo von 15 km/h soll die Pädagogin das Kind samt Fahrrad erst umgefahren, danach überrollt haben.

Laut den Ermittlungen war das Mädchen auf ihrem Rad als erstes von einer Gruppe von Schülerinnen auf die kleine Kreuzung Kalkstraße/Postenweg zugefahren. Von rechts kam die Lehrerin mit ihrem Auto. Hohe Hecken haben dort die Sicht für die Autofahrerin nach rechts und links behindert. Weil die Angeklagte damals aber angeblich viel zu lange den Kopf nach rechts gewandt hatte – auch noch, als schon frei erkennbar gewesen sei, dass von dort niemand kam – soll sie die von links kommende Schülerin nicht wahrgenommen haben. Auch nicht, als sie das Mädchen samt Rad schon angefahren, dadurch zu Fall gebracht habe. Die Anklage nennt jetzt ein entscheidendes, schreckliches Detail: Statt nach dem Zusammenprall mit dem Fahrrad und dem Sturz der Neunjährigen anzuhalten, soll die Autofahrerin ungebremst ihr Tempo beibehalten – und erst dadurch das am Boden liegende Kind überrollt haben. Das Mädchen erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass es wenig später daran starb. Ein Unfallgutachter kam aufgrund seiner Untersuchungen zu dem Ergebnis: Hätte die Lehrerin rechtzeitig wieder nach vorne gesehen, hätte sie das von links kommende Mädchen wahrnehmen können und müssen. Hätte sie dann auch direkt gebremst, wäre die Neunjährige vermutlich nur zu Fall gekommen, aber nicht überrollt worden. In den zweieinhalb Jahren seit dem tragischen Unfall hatte die Angeklagte auch deshalb mit erheblichen psychischen Problemen zu kämpfen. Geplant ist, dass im Prozess auch der Unfallsachverständige aussagen wird.

Der tödliche Unfall hatte viele Bürger in Wittlaer schockiert und eine Diskussion über die Sicherheit der Schulwege im Ort ausgelöst. Vertreter des Amtes für Verkehrsmanagement, der Bezirksverwaltungsstelle, Politiker aller Fraktionen, die Leitung der Franz-Vaahsen-Schule und Mitglieder der Schulpflegschaft und des Schul-Fördervereins sind daraufhin gemeinsam die Schulwege abgelaufen und haben Gefahrenpunkte untersucht und dafür Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Die Politiker haben die Wünsche in einem interfraktionellen Antrag an die Verwaltung gerichtet, die daraufhin einige Gefahrenpunkte entschärft hat. Dazu gehört, im Bereich Bockumer Straße zwischen Hinacker und Grenzweg die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu senken, wechselseitige Parkflächen zur Unterstützung einer niedrigeren Fahrgeschwindigkeit zu markieren und eine Hol- und Bringzone im Bereich Grenzweg einzurichten.

Aber auch die Elternschaft wurde aktiv. Eltern und Großeltern haben sich nach dem Unfall zu Lotsen ausbilden lassen und sichern nun in den Morgenstunden Gefahrenstellen wie den Zebrastreifen an der Duisburger Landstraße und die Kreuzung, an der der schreckliche Unfall geschah.