Wittlaer: Anwohner fordern Schulweg-Konzept für Wittlaer

Wittlaer : Anwohner fordern Schulweg-Konzept für Wittlaer

Bei der mobilen RP-Redaktion diskutierten viele Wittlaerer gestern über die Entwicklung ihres Dorfes. In drei Wochen kommen Verkehrsexperten der Stadt zum Ortstermin.

Der tödliche Unfall der neunjährigen Elif steckt den Wittlaerern noch in den Knochen. Die Messungen, die das Amt für Verkehrsmanagement derzeit auf der Kalkstraße durchführt, könnten deshalb ein verfälschtes Bild ergeben, fürchtet Katharina Faust: "Wir stehen alle unter Schock - da fahren im Moment alle extrem langsam und vorsichtig." Bei der Mobilen RP-Redaktion hatte zuvor der Leiter des Amts für Verkehrsmanagement, Ingo Pähler, auf frühere Messungen verwiesen, nach denen die Kalkstraße, auf der das Unglück am 6. September geschah, "verkehrstechnisch eher unauffällig" gewesen sei. Immerhin: Unabhängig vom Messergebnis soll ein Hinweis auf querende Schulkinder in den nächsten Tagen an der Unfallstelle aufgestellt werden. Weitere Maßnahmen würden geprüft. Katharina Faust wünscht sich - unterstützt von vielen anderen Bürgern - Schraffierungen im Umfeld der Kreuzung, damit die Sicht nicht durch parkende Autos versperrt wird.

Ein Gesamtkonzept sei nötig, um die verschiedenen Schulwege besser zu sichern, sagte Thilo von Hertell, und auch er erhielt breite Unterstützung von Anwohnern und Eltern. "Was wir jetzt tun, bauen wir ja für die Zukunft, denn Wittlaer wächst." Hagen Lippe-Weißenfeld sah das ähnlich. "Die verkehrstechnische Infrastruktur wurde dem Wachstum Wittlaers nicht angepasst - das bemängeln die Bürger bereits seit Jahren." Er schlägt etwa eine Ampel an der Kreuzung Bockumer -/Kalkstraße vor, an der auch viele Geschäfte liegen. "Damit wäre uns schon viel geholfen."

Dringenden Handlungsbedarf sieht Swantje Pütz, Vorsitzende der Schulpflegschaft, bei der Gestaltung des Schützenplatzes vor der Schule: "Wir brauchen eine bessere Strukturierung mit festgelegten Wegen. Hier läuft alles kreuz und quer und teils gefährlich ab."

Mit einem Elternlotsendienst will die Schule zur Sicherheit der Kinder beitragen. Schulleiter Jan von der Gathen stellte das kurzfristig initiierte Projekt vor, für das auch außerhalb der Elternschaft Freiwillige gesucht werden. Noch vor den Herbstferien sollen die Lotsen von der Polizei geschult werden, um den Weg zur Schule in der dunklen Jahreszeit zu sichern. Ursula Habedank regte an, den Lotsendienst auch nach dem Unterrichtsende anzubieten. Sie wies aber vor allem auf die vielen Kinder und Jugendlichen hin, die von Wittlaer mit dem Fahrrad zu den weiterführenden Schulen müssen. "Meine Tochter fährt mit dem Rad nach Kaiserswerth. Sie darf nicht mehr den Bürgersteig benutzen. Die Straße ist aber an vielen Stellen zu eng." Joachim Heber hat schon eine sichere Radwegstrecke ausgearbeitet, die - markiert und beleuchtet - von der Grundschule Holtumer- und Postenweg, Am Krausen Baum, Franz-Vaahsen--, Viehgasser- und Pfaffenmühlenweg nach Kaiserswerth führen sollte. "Dieser Weg kann auch abends bei Dunkelheit zum Joggen genutzt werden."

André Niersbach sieht einen weiteren Gefahrenpunkt an der Bushaltestelle "Friederike-Fliedner-Weg". "Dort stehen manchmal bis zu 70 Kinder, zu viele für den schmalen Bürgersteig, der zur Straße hin nicht gesichert ist. Susanne Paschen hatte sich deshalb schon vor drei Jahren mit Rheinbahn, Polizei und dem Bürgermeister in Verbindung gesetzt. "Genützt hat es aber nichts."

Klaus-Dieter Hoorn schlägt für die Sicherheit der Kita-Kinder am Wittlaer Kirchweg Schwellen in der Fahrbahn vor. Diese regten auch andere Gäste zur Verkehrsberuhigung auf Kalk- oder Bockumer Straße an. Die Schwellen seien aber nicht mehr zeitgemäß, nicht zuletzt, weil sie Lärm produzierten, sagte Ingo Pähler. Gundolf de Riese-Meyer, Leiter des VU-Teams der Polizei, hatte einen praktischen Tipp: "Stellen Sie die Mülltonnen nicht auf den Bürgersteig, der dadurch noch schmaler wird, sondern auf die Straße." Es gelte, Kompromisse zu finden, um die Verkehrswege für alle nutzbar zu machen - und nicht nur bevorrechtigt für Autos.

Einig waren sich alle darin, dass mit dem Bau der neuen Siedlung am Wasserwerksweg ein Verkehrskonzept nötig ist. Bis dahin will das Amt für Verkehrsmanagement Sofortmaßnahmen prüfen und kommt am 13. Oktober zum Ortstermin.

(RP)