Flingern Wie beim SC Flingern die Lichter ausgingen

Flingern · Eine zu teure Sanierung des Vereinsgebäudes trieb den Verein in die Insolvenz. Das Gelände am Flinger Broich steht leer.

Flingern: Wie beim SC Flingern die Lichter ausgingen
Foto: Hans-Juergen Bauer

Als jetzt die Stadtwerke zum Stadtjubiläum den Vereinen Bälle stifteten, blieb ein Netz in der Halle am Höher Weg liegen. Ausgerechnet der SC Flingern, der seine Heimat in unmittelbarer Nähe am Flinger Broich hat, war nicht erschienen. Beim Anblick der zurückgelassenen Bälle verstand auch der Letzte, dass es den Traditionsverein nicht mehr gibt. Zehn Jahre, nachdem nicht zuletzt auf Drängen der Stadt die benachbarten Vereine DSC Alemannia 02 und DJK Rheinfranken zur DJK SC Flingern fusionierten, gingen die Lichter aus – der Verein ist insolvent.

Wie konnte das passieren? Schon als Stephan Bürger zu Beginn dieses Jahres das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen hatte, war ihm klar, dass die Rettung fast nicht mehr möglich war. Im September 2012 war bereits ein Insolvenzantrag gestellt worden, zuvor waren Gespräche mit den beiden Hauptgläubigern gescheitert. Hauptursache für die katastrophale Finanzlage war die Kostenexplosion bei der Sanierung des vereinseigenen Gebäudes auf dem Gelände am Flinger Broich. "Die wegen untragbarer Mängel wie Schimmel an den Wänden der Kabinen notwendigen Arbeiten waren auf 600 000 Euro veranschlagt worden. Dieses Volumen verdoppelte sich fast", berichtet Bürger. Dafür war kein Geld da. Die Zustände wurden für viele der damals rund 500 Vereinsmitglieder unerträglich, die Hälfte meldete sich ab. Die drastische Verringerung der Beiträge ließ erst recht keine Sanierung mehr zu. "Um zu retten, was noch zu retten war, habe ich unzählige Telefonate geführt, Hunderte von E-Mails geschrieben – letztlich sogar meinen Jahresurlaub geopfert", sagt Bürger, noch Vorsitzender bis zur Abwicklung. Aber letzte Rettungspläne scheiterten. "Da musste ich den Mitgliedern mitteilen, dass der Spielbetrieb eingestellt wird. Viele hatten Tränen in den Augen. " Am Tag danach kam die Nachricht vom Stadtsportbund, dass von dort vielleicht doch Hilfe zu erwarten gewesen wäre. "Da gab es aber kein Zurück mehr", sagt Bürger.

Warum der Verein nicht zu retten war, ist nicht einfach zu sagen. Ullrich Wolter, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, verweist auf die umfangreichen Zuschüsse, die der Verein in den vergangenen Jahren bekommen habe. "Neben den beiden Hauptzuschüssen von Summen im sechsstelligen Bereich hat es auch noch einmal eine zusätzliche Zahlung gegeben", sagt er. Bürger weiß von diesen Zahlungen, kann aber nicht eindeutig sagen, wohin diese damals geflossen sind. Er beklagt dagegen, man habe die Stadt mehrfach vergeblich um Entsendung eines Gutachters gebeten.

Die meisten Vereinsmitglieder haben sofort einen neuen Verein gefunden. Völlig unklar ist, was aus der Anlage wird. "Die Stadt hat ein Sportgelände ohne Gebäude. Die Sparkasse als Hauptbürge dagegen ein Gebäude mit Dusch-und Kabinentrakt, sowie einem Clubhaus ohne Sportplatz daneben", lautet das Fazit des Noch-Vorsitzenden.

(RP)
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