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Wersten: Werstener vermissen eine Drogerie

Wersten : Werstener vermissen eine Drogerie

Serie Stadtteilzentren: IHK fasst die Einkaufsmeile mit den Worten zusammen "Nahversorgung auf ganzer Linie".

In ihrer Broschüre über die Düsseldorfer Stadtteilzentren fasst die Industrie- und Handelskammer die Einkaufsmeile an der Kölner Landstraße mit einem Satz zusammen: "Nahversorgung auf ganzer Linie." Das Einzige, das nach Worten des IHK-Stadtteilmarketingexperten Sven Schulte fehlt, ist nach der Insolvenz von Schlecker, das damals drei Läden in Wersten betrieb, eine Drogerie. Und das wird auch bei einer Umfrage unserer Zeitung vor Ort deutlich.

Auf rund einem Kilometer Länge können sich die rund 26 500 Werstener vor allem mit Waren aus der Kategorie Nahrungs- und Genussmittel versorgen. Dabei hat der langgezogene Charakter auch Nachteile: Passanten und Geschäftsleute kritisieren, dass es kein klar abgegrenztes Zentrum oder einen zentralen Platz gibt. Positiv fällt hingegen die hervorragende Verkehrsanbindung auf — sei es mit dem Auto oder mit der Straßenbahn. Wie in Benrath gibt es auch in Wersten mit "Wir in Wersten" eine gut funktionierende Werbegemeinschaft.

An deren Spitze wurde im September 2012 Apotheker Michel Makoschey gewählt. Der hat sich mit seinem Team die Akquirierung weiterer Mitglieder auf die Fahne geschrieben. Zudem will man sich mit weiteren Institutionen und Vereinen am Ort stärker vernetzen. Dabei hebt der Eigentümer die "gute Mischung aus alteingesessenen und neueren Fachgeschäften" hervor. Zudem bestehe die Kundenstruktur aus Stammkunden und Zugezogenen. Wie Derya Aydogdu aus Bielefeld, die vor einem Jahr nach Wersten gezogen ist. Sie findet es schön, dass die Kölner Landstraße, die durch das Stadtteilzentrum führt, so geräumig ist. Aber: "Es könnte alles etwas freundlicher gestaltet werden", sagt die 32-Jährige. "Irgendetwas Warmes fehlt." Ansonsten, findet sie, gibt es wenig zu beklagen. Mit ihrem erst wenige Monate alten Sohn kann sie die Einkäufe zu Fuß erledigen, lobt, dass es in der Einkaufsstraße sogar ein Reformhaus gibt. "Auch die Menschen sind sehr nett und offen und helfen gerne", sagt Aydogdu. Das Einzige, was sie wirklich beklagt, ist: "Es fehlt ein Drogeriemarkt."

Das ist auch das Erste, das Elke Groll in den Sinn kommt. "Die nächste Drogerie ist viel zu weit weg", sagt sie. "Alles andere wie Bäcker, Friseure und Imbissbuden haben wir doppelt und dreifach". Die 45-Jährige ist Mitbetreiberin eines Modegeschäfts an der Kölner Landstraße. Dadurch, dass eine Hauptverkehrsstraße durch das Stadtteilzentrum führe, würden sich wenige Menschen dorthin verirren. "Es kommt nur ganz wenig Laufkundschaft", sagt Groll. Sie selbst fährt zum Einkaufen häufig nach Benrath oder in die Innenstadt. Im Werstener Zentrum wünscht sie sich mehr Pflanzen, die das Bild ein wenig verschönern. Außerdem vermisst sie eine Kneipe oder einen Biergarten. "Es gibt nichts, wo man sich abends mal mit Freunden zusammensetzen kann", sagt Groll. "Und irgendwie ist es immer dreckig, obwohl die Müllabfuhr regelmäßig kommt."

Siegfried Büttner hat sich mit der Situation abgefunden. Er ist in Wersten aufgewachsen, mochte die kleinen Geschäfte, die es dort früher gab. "In den Discountern geht das Einkaufen heute natürlich schneller", sagt er, "aber früher hat man auch mal einen Plausch halten können." Jetzt spüre er in seinem Stadtteilzentrum eine traurige Stimmung. "Alles stirbt aus", sagt Büttner. Wenn er mehr als Lebensmittel kaufen will, fährt er ins Einkaufszentrum nach Neuss, zum Schlendern zieht es ihn nach Benrath. Wersten "ist halt einfach, wie es ist", sagt der 63-Jährige und zuckt die Achseln: "Aber es gibt Schlimmeres."

(RP)