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Wie digitale Formate das Leben der Kirche im Rheinbogen verändern

Kirchen im Süden : In der Pandemie können Podcasts die Kirchenbank ersetzen

Die Rheinbogen-Gemeinde zeigt, wie Kirche in der Corona-Krise funktioniert: online gemeinsam singen, Beiträge zum Sonntagsevangelium ins Netz stellen und eine Happy Hour mit Menschen vor Ort und am Laptop anbieten.

Die Verschärfung der Corona-Pandemie stellt die Kirchengemeinden auch im Süden des Stadtgebiets vor enorme Herausforderungen. Ohne digitale Konzepte kommt keine Gemeinde mehr aus. Das ist seit dem Lockdown im Frühjahr klar. Doch welche Formate funktionieren unter diesen Bedingungen? Wie erreicht man Menschen, die aus Sorge vor Ansteckung nicht mehr in die Kirche können oder wollen? Zu den Vorreitern bei der Umsetzung digitaler Ansätze und Konzepte zählt der Rheinbogen.

Welche digitalen Wege funktionieren? „Eine Kamera auf ein Stativ stellen und dann eine Handlung am Altar einfach nur zu streamen, reicht heutzutage nicht mehr“, sagt Martin Kürble. Der Pastoralreferent ist Motor und Ideengeber bei der Umsetzung digitaler oder hybrider – also gemischter – Formate, bei denen Menschen sich mit dem Glauben auseinandersetzen. Im Advent wollen er und sein Team die nächste Staffel der „Happy Hour“ starten. Dabei treffen sich beispielsweise in der Franz-von-Sales-Kirche Menschen ganz analog, parallel können sich Interessierte über Social-Media-Kanäle dazu schalten. „Beide Gruppen können Fragen stellen, Sorgen und Nöte formulieren, die dann im Kirchenraum auf eine Leinwand projiziert werden. Das Format funktioniert gut“, sagt Kürble. Gut angenommen werden auch die Videoimpulse, die jeden Montag über Youtube und Facebook veröffentlicht werden. Zudem können jeden Sonntag interessierte Christen mit dem Kantor online gemeinsam singen. Dass nur Jüngere sich ins Netz trauen, glaubt Kürble nicht. „Unsere Online-Gemeinde zählt hier im Rheinbogen inzwischen rund 1500 Mitglieder, da sind auch Menschen aus anderen Altersgruppen dabei.“

Was ist neu geplant? Aktuell arbeitet der Seelsorgebereich am Ausbau seiner Podcast-Angebote. Bislang wird jeden Sonntag um 10 Uhr ein solcher im Internet aufrufbarer Wortbeitrag bereitgestellt. Hinzu kommen zwei weitere Angebote. In der Mache ist die erste Folge einer Interview-Reihe. „Wir nennen das Projekt ,Reingeredet’ und wollen in dem Gespräch Menschen in ihrem Alltag oder bei ihrer Arbeit abholen“, sagt Kürble. Ebenfalls geplant: ein Podcast, der am 1. Dezember startet und als Adventskalender für Kinder funktionieren soll.

Warum muss es die neuen Formate geben? Dass es mehr digitale Projekte geben soll, findet der Seelsorger nur folgerichtig. Zum einen sei der Platz für normale Begegnungen begrenzt. Beispiel Himmelgeist: In der dortigen kleinen Kirche dürfen wegen der Abstandsgebote gerade einmal 17 Menschen in einen Gottesdienst kommen. „Sonst wären es bis zu 130“, sagt Kürble. Hinzu kommt, dass viele Menschen sich nicht in einen analogen Gottesdienst trauten. Der deutliche Anstieg der Infektionszahlen habe diese Zurückhaltung noch verschärft.

Wann haben analoge Formate Vorrang? Ganz sicher gilt das für die Weihnachtsgottesdienste. Die Vorplanungen laufen auch im Rheinbogen bereits auf Hochtouren. „Wir haben früh verstanden, dass wir in unseren Kirchengebäuden an Weihnachten keine Situation herstellen können, die den Sehnsüchten der Menschen an diesem ganz besonderen Fest gerecht wird“, sagt Kürble. Deshalb soll es vor allem ökumenische Open-Air-Angebote geben, die als Wortgottesdienste gemeinsam mit den evangelischen Gemeinden angeboten werden. Geplant sind neun solcher Gottesdienste an drei Standorten: in Wersten auf dem Schützenplatz, in Himmelgeist auf der Rheinwiese sowie in Holthausen. Hier ist der genaue Standort noch offen. Für Katholiken, die auf eine Messe mit Wandlung und Kommunion nicht verzichten wollen, wird es alternative Angebote in den Kirchen des Seelsorgebereichs geben. Dass Begegnungen von Angesicht zu Angesicht wichtig bleiben, weiß auch Pfarrer Florian Ganslmeier: „Es kommen nach wie vor Menschen zur Beichte oder zu besonderen seelsorgerischen Gesprächen. In bestimmten Bereichen sollte man der direkten Begegnung von Mensch zu Mensch Vorrang einräumen – solange es geht.“