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Werstener Heimatarchiv digitalisiert seine Sammlung

Aus dem Heimatarchiv : Als die Queen in Wersten war

Das Heimatarchiv des Werstener Jonges digitalisiert seine Sammlung – und stößt auf viele Geschichten aus dem Stadtteil, vom Besuch der englischen Königin bis zum einzigen Nationalfußballer aus Wersten.

In einem ehemaligen Klassenraum der alten Werstener Volksschule lagert die Erinnerung des Stadtteils. In Metallschränken sind fein säuberlich Ordner gestapelt. „Kölner Landstraße 01 bis 100“ steht auf einem. Wolfgang Vergölts nimmt ihn aus dem Regal, schlägt ihn auf. Auf DIN-A4-Blättern sind historische Fotos abgedruckt, alte Bilder von Gebäuden, von Menschen, teils über 100 Jahre alt. Neben den Bildern sind Datum und Ortsangabe notiert, unter den meisten steht außerdem ein kleiner Text mit Erklärungen – bei manchen jedoch fehlt er. „Wir hoffen, noch ein paar alte Werstener zu finden, die uns in diesen Fällen auf die Sprünge helfen“, sagt Vergölts. Er ist Geschäftsführer des Heimatvereins Werstener Jonges, der das Archiv betreut.

Seit rund 50 Jahren sammelt der Verein historische Dokumente aus Werstens Vergangenheit, von den mittelalterlichen Gehöften bis zum Bau des Werstener Tunnels in den 1980er Jahren. Dokumente, Schriftstücke und vor allem Fotos bekommt das Archiv-Team der Jonges meist aus Nachlässen verstorbener Ur-Werstener. „Am Anfang ist vieles einfach unbeschriftet und ungeordnet in Kartons gelandet – jetzt versuchen wir, Ordnung und System in die Sammlung zu bringen“, erzählt Vergölts. Wenn er gemeinsam mit Jonges-Baas Heinz-Leo Schuth durch die Unterlagen blättert, kommen in den beiden Männern Erinnerungen an ihre Kindheit im Stadtteil auf. „Bei Cronebergs gab es das beste Eis“, erinnert sich Vergölts, und Schuth fügt hinzu: „Und nebenan beim Marieken im Büdchen Dötzwasser für zehn Pfennig.“

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Es sind diese kleinen Erinnerungen, die das Heimatarchiv sammelt. Die Erlebnisse im Dorfkino, in der Schule, im Geschäft an der Ecke. Und es sind die mehr oder weniger historisch bedeutenden Ereignisse, an die sich die älteren Werstener noch erinnern können: Die Aufregung, als 1965 die englische Königin zu Besuch in Düsseldorf war und winkend durch Wersten fuhr. Und der Stolz, als mit Peter Meyer 1967 zum ersten und bisher einzigen Mal ein Werstener Fußballer für die deutsche Nationalmannschaft spielte.

 Heinz-Leo Schuth (l.) und Wolfgang Vergölts von den Werstener Jonges arbeiten sich durch die historischen Unterlagen des Heimatarchivs.
Heinz-Leo Schuth (l.) und Wolfgang Vergölts von den Werstener Jonges arbeiten sich durch die historischen Unterlagen des Heimatarchivs. Foto: RP/Dominik Schneider

Einmal in der Woche, montags abends, trifft sich das Team im Archiv, scannt, beschriftet, ordnet. „Wir sind gerade dabei, den analogen Katalog zu digitalisieren“, berichtet Vergölts – eine Arbeit, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Immerhin gibt es hier mehrere tausend Dokumente“, so der Archivar. Wie viele es genau sind, weiß er nicht. „Dabei wird auch immer viel Unsinn erzählt und über die alten Zeiten gefachsimpelt“, erzählt Schuth. Die Liebe zu ihrem Stadtteil verbindet die Werstener Jonges – doch selbst ihre Lokalkompetenz stößt manchmal an Grenzen. „Wir haben ein paar Bilder in unserer Sammlung gefunden, die wir nicht zuordnen können“, gibt Wolfgang Vergölts zu. Die meisten dieser Bilder stammen aus den 1950er Jahren, immer wieder tauchen auch Mitglieder des örtlichen Kolpingvereins auf. „Wir würden uns freuen, wenn sich ein geschichtlich interessierter Werstener finden würde, der sich die Fotos anschaut und eventuell Hinweise gibt“, so der Jonges-Geschäftsführer.

Aber auch für jene Bürger, die etwas über die Vergangenheit erfahren wollen, stehen die Türen des Archivs nach der Zwangspause durch Corona wieder offen. „Wersten hat eine abwechslungsreiche Geschichte“, sagt Heinz-Leo Schuth, der auch Bezirksvorsteher im Stadtbezirk 9 war. Der Stadtteil war ursprünglich bäuerlich geprägt, wurde dann aber vor allem von Arbeitern der nahe gelegenen Großindustrien in Oberbilk und Holthausen bewohnt.

Wie die Archivare der Jonges feststellen: Junge Menschen interessieren sich wieder mehr für Heimatgeschichte. Die Vereinsmitglieder sind mit Kindern durch den Stadtteil gezogen, haben ihnen die historischen Orte und Straßennamen erklärt. „Zu sehen, wie es am eigenen Wohnort vor 100 Jahren aussah, ist und bleibt eine Faszination“, sagt Schuth. Und Vergölts ruft auch die heutigen Menschen in Wersten auf, Fotos ihrer Heimat zu machen. „Heute mag das Gesicht einer Straße banal sein, aber in 30 Jahren sind solche Bilder wichtige Zeitzeugnisse – und haben einen Platz in dem Archiv, das unsere Nachfolger dann hoffentlich betreiben werden“, so der Werstener.