Wersten Südost: Ein buntes Viertel mit Problemen

Sozialraum Wersten Südost : Ein buntes Viertel mit Problemen

Wersten Süd-Ost ist ein Sozialraum mit großem Handlungsbedarf. SPD-Politiker Hakim El Gahzali ist dort aufgewachsen.

Hakim El Ghazali (33) ist in Wersten Süd-Ost aufgewachsen, dem Quartier, das die Stadt als Sozialraum mit sehr hohem sozialen Handlungsbedarf sieht: Die Arbeitslosenquote liegt bei 20,2 Prozent, jeder Dritte lebt von staatlicher Unterstützung, zwei von drei Bewohnern haben einen Migrationshintergrund, nur jedes vierte Kind schafft den Sprung aufs Gymnasium (stadtweit ist es jedes zweite Kind). El Ghazali, der für die SPD im Gesundheitsausschuss sitzt, sagt über sein Viertel: „Meine Eltern stammen aus Marokko, aber Wersten Ost ist meine Heimat. Ich bin ein Teil der Vielfalt unseres Stadtteils. 33 Jahre alt und studierter Historiker und Politologe.“ Er ist also das beste Beispiel, dass jeder hier etwas aus sich machen kann.

Aber auch sein Studienabschluss hat ihn im vergangenen Jahr nicht davor geschützt, von der Polizei überprüft zu werden, als er nach dem Fußballspielen seine Eltern besuchen wollte, die in einem der Hochhäuser an der Küppersteger Straße leben. „Ich fand das nicht schlimm und bin dann mit den Beamten ins Gespräch gekommen“, sagt El Ghazali. Ihm ist es wichtig, dass die Beamten gegen die Drogenkriminalität vorgehen.

Denn wie Thomas Decken, der bei der Polizei in Düsseldorf die Inspektion Süd leitet, in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung 9 berichtet hat, gab es in dem Viertel eine offene Szene, die verbotenerweise Betäubungsmittel an den Mann gebracht hat. Von der Ausbeute von einem Kilo Amphetamine sprach Decken, als die sogenannten Prios-Kräfte der Polizei im April vergangenen Jahres quasi zu jeder Tages- und Abendzeit mit Bullis und mindestens zehn Einsatzkräften im Viertel unvermittelt auftauchten und alle kontrollierten, die in den Straßen unterwegs waren. Drei Männer hatten die Beamten gleich einkassiert und ins Gefängnis verfrachtet und 80 Personen identifiziert, die man im Blick halten will.

Hakim El Ghazali ist inzwischen Vorsitzender des SPD-Ortsvereins in Wersten und auch in dieser Funktion will er sich für das Stadtviertel einsetzen, das geprägt ist durch den sozialen Wohnungsbau: „Es ist schon viel passiert, aber es muss weitergehen“, sagt er. Das sieht auch Thomas Decken so: „Es ist dort in den vergangenen Jahren deutlich ruhiger geworden.“ Ähnlich wie in ganz Düsseldorf ging auch in dem Quartier die Zahl der Straftaten zurück. Voll des Lobes ist der Polizeidirektor für den Runden Tisch, deren Mitglieder sich regelmäßig treffen und viel bewegen.

Etwas bewegt hat sich in Wersten Süd-Ost auch, nachdem das Quartier mit einem ebenfalls sozial benachteiligtem Teil von Holthausen, in dem die Geeststraße liegt, Ende 2011 in das Städtebauförderungssprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. Mit den Fördergeldern wurde zuerst der stark frequentierte Bolzplatz gebaut und dann 2017 der soziale Mittelpunkt des Viertels, der Aktiv-Treff der Arbeiterwohlfahrt, neu errichtet. Das Förderprojekt ist jetzt ausgelaufen. Als Nachzügler wird noch der Sportparcours in der Grünanlage finanziert. Zudem soll in Kürze die Quartiersmanagerin die Arbeit aufnehmen. Auch sie wird noch aus dem Topf der Sozialen Stadt bezahlt.

Aber war’s das dann mit Förderung? Hakim El Ghazali findet klare Worte: „Es muss weitergehen. Beispielsweise sehe ich dringend den Bedarf, dass den Menschen bei der Jobsuche noch mehr geholfen werden muss und außerdem die Dinge, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, instandgehalten werden müssen.“ Besagter Bolzplatz ist so ein Beispiel. Ob und wie eine gezielte Unterstützung im Quartier fortgeführt werden kann, ist noch unklar. Die Stadtspitze hat der Politik gerade das Rahmenkonzept „Zukunft Quartier.Düsseldorf“ vorgestellt. Zwölf Sozialräume wurden ausgemacht, in denen Handlungsbedarf besteht, darunter in Rath/Mörsenbroich und Wersten Süd/Holthausen, beide Bereiche waren in den vergangenen Jahren Fördergebiet im Förderprogramm „Soziale Stadt“. Defizite gibt es bei beiden laut Stadt aktuell bei den Themengebieten Gesundheit von Kindern, Wohnen, Stadtklima, soziale Infrastruktur und Versorgung, Spielplatz und Stadtgrün sowie Fluktuation, zudem sieht die Verwaltung eine soziodemografische Herausforderung. Es sind stadtweit die einzigen beiden Quartiere, bei denen alle Defizite vorhanden sind. Da drängt sich dann die Frage auf, welchen Sinn solche Fördermaßnahmen haben.

„Durch Maßnahmen des Förderprogramms Soziale Stadt wird die Abwärtsspirale in den jeweiligen Gebieten zwar aufgehalten, aber nicht umgekehrt“, lautet dann auch das recht ernüchternde Fazit des Stadtplanungsamtes. Deswegen dürfe man nicht lockerlassen, sagt Hakim El Ghazali. Er ist der Ansicht, dass das Viertel noch ein paar mehr Jahre der Unterstützung braucht.

Ob es so weit kommt? Die Verwaltung will nun einen Vorschlag erarbeiten, welche der zwölf Handlungsräume mit welcher Priorität ausgewählt werden. Dort soll dann eine konzeptionelle Vertiefung erfolgen. El Ghazali, der selber in der Sozialarbeit tätig ist, ist es wichtig, Vorurteile abzubauen und die Menschen, die dort leben, nicht mit einem Stigma zu versehen. Er ist nur eines von vielen Beispielen, dass man trotz der ungünstigen Vorzeichen alles erreichen kann.

Weil er so heimatverbunden ist, wohnt er selbst nicht weit entfernt an der Liebfrauenstraße und besucht regelmäßig seine Eltern, die nach wie vor in jenem Hochhaus leben, in dem auch er aufwuchs. „Sie können sich nicht vorstellen, hier wegzuziehen!!

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