Wersten: Wersten ist eine singende Gemeinde

Wersten: Wersten ist eine singende Gemeinde

Seit bald zehn Jahren ist Markus Maczewski Kantor der Stephanus-Kirche und er hat immer wieder neu Ideen.

In der meist überschaubaren Stadtteil-Kultur spielen die Kantoreien der Kirchengemeinden vielfach eine unterschätzte Rolle. Dabei liefern die kirchlichen Kulturorte im Süden einen respektablen Beitrag zum Musikleben. Wie die Stephanus-Gemeinde an der Wiesdorfer Straße, wo Markus Maczewski als Kantor sowie als musikalischer Programmdirektor tätig ist.

Als Markus Maczewski 2009 von Oberhausen, seiner ersten Stelle nach dem Kirchenmusikstudium, als hauptamtlicher Kantor in die Stephanus-Gemeinde nach Wersten wechselte, hatte er schnell das Gefühl, dass es an der Wiesdorfer Straße möglich sein wird, seine ambitionierten musikalischen Ambitionen auszuleben.

"Zum Glück kam ich in eine singende Gemeinde", meint er rückblickend, wobei seine Einschätzung fast schon ein wenig nach Tiefstapelei klingt. Wenige Tage zuvor hatte die Henry-Purcell-Oper "Dido und Aeneas", ein ehrgeiziges Projekt, an dem Solisten der Robert-Schumann-Hochschule, das Barock-Ensemble Circolore (Frankfurt) sowie der Tao-Chor (Düsseldorf) beteiligt waren, das Publikum in der Stephanuskirche begeistert und den Ruf der evangelischen Kirchengemeinde als wichtiger Kulturanbieter im Stadtteil weiter gefestigt. "Mein damaliger erster Eindruck, dass ich hier viele musikalische Ideen umsetzen und viel Musik anbieten kann, hat mich nicht getäuscht", sagt der Kantor, dessen Arbeitsbereich 2013 aufgrund von Sparmaßnahmen allerdings auf eine Dreiviertel-Stelle reduziert wurde.

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Leidenschaft und Enthusiasmus sorgten jedoch dafür, dass über sein ehrenamtliches Engagement ehrgeizige Projekte wie das Sinfonische Oratorium "In terra pax" (2014), mit Gastspielen in Polen und Düsseldorf, sowie im vergangenen Jahr die Johannespassion in der Stephanuskirche präsentiert werden konnten. Das stilistische Spektrum des musikalischen Angebots an der Wiesdorfer Straße reicht von Oratorien, über Musik der klassischen Moderne, bis hin zum Musical. Dabei spielt die musikalische Qualität, aber auch die Vorliebe des Kantors eine maßgebliche Rolle für die Auswahl. "Ich genieße hier tatsächlich den Luxus, die Menschen mit musikalischen Werken, die mich begeistern, vertraut machen zu können", sagt der Kantor. "Während im Gottesdienst bei der Chormusik klar die Gemeinsamkeit beim Singen im Vordergrund steht, will ich bei anderen Chorprojekten an gewisse Grenzen gehen", erläutert Maczewski, der in der Jugend Punk gehört hat und durch Almut Rößler zur Kirchenmusik "bekehrt" wurde, seinen Ehrgeiz. Er ist froh, dass er bei klanglichen Feinabstimmungen auf die Erfahrung einer professionellen Stimmbildnerin zurückgreifen kann.

Bei aller Arbeitsbelastung als Organist bei den Abendmahl-Feiern und als künstlerischer Leiter von hochklassigen Musik-Darbietungen liegt ihm auch die Chorarbeit mit den rund 100 Kindern, bei der er von seiner Frau Susanne unterstützt wird, sehr am Herzen. "Wir haben auf die Belastung der Schulkinder durch G8, die ihnen kaum Freiräume für außerschulische Aktivitäten lässt, reagiert und die Kinderangebote auf den Freitagnachmittag gelegt. Die Kinder haben das Wochenende vor sich und sind daher ungleich entspannter bei der Sache", sagt Markus Maczewski.

(RP)