Schützenfest in Düsseldorf-Wersten : König wurde per Bierdeckel zum Schützen

Die Werstener feiern ein fröhliches Schützenfest. Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft stehen im Mittelpunkt.

Marschmusik, Fahnenträger, blütenprächtige Füllhörner, bunt uniformierte Schützen – die Parade ist immer ein prachtvoller Höhepunkt. Und daran freuten sich am Sonntag-nachmittag in Wersten vor der Kirche St. Maria Rosenkranz begeisterte Gäste. Vom Kinderwagenalter bis weit in den 80igern waren alle Altersklassen auf den Beinen.

„Ich komme extra aus Unterbilk, weil ich das Schützenfest in Wersten einmalig finde“, schwärmt Marlene Tönnes. Und das nicht nur an einem Tag – die ältere Dame zählt vom Zapfenstreich bis zum Pagenreigen ihre persönlichen Highlights auf. Auf der Straßenseite gegenüber kam kurz zuvor das Regimentskönigpaar, Klaus Ringleb mit seiner Frau Renate, in einer weißen Kutsche mit sechs Pferden vorgefahren, um die große Parade abzunehmen. Eingerahmt wurden sie von Honorationen der Düsseldorfer Schützenvereine samt Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Dabei schlägt das Herz des Regimentskönigs gar nicht so sehr für die eher strengen Brauchtums-Rituale. Davon zeugt schon seine Beitrittserklärung – die schrieb Ehefrau Renate auf einen Bierdeckel. „Er wollte das erst nicht, aber ich fand die Leute immer nett, und sie kümmerten sich sehr lieb um die Älteren“, erzählt Renate Ringleb. Widerstand kam von ihrem Gatten nicht. „Ich musste nur neue Prioritäten setzen, weil ich damals zu mehreren Vereinen gehörte“, erklärt der Werstener.

Dass diese Bierdeckel-Erklärung ihren Höhepunkt in der Regiments-Königsehre findet, hat sich Ringleb vor 23 Jahren nicht gedacht. Das Militärische sei nicht seine Devise, doch er akzeptiere es als historisches Element. Wenn es um die Schützen-Familie der St. Sebastianer in Wersten geht, bringt ihn anderes ins Schwärmen. „Das Schießen tritt für mich eher in den Hintergrund“, verrät er. Die gegenseitige Hilfe, die Besuche, der Zusammenhalt und gesellige Anlässe seien ihm wichtig, da pflichtet ihm seine Frau Renate energisch bei.

So kommt es dem Werstener Schützen gerade recht, dass er zur Gesellschaft Schützengilde gehört. „Sie wurde 1929 von selbständigen Handwerkern gegründet, die zunächst keine Uniform, sondern Zimmermannskluft trugen“, erzählt Klaus Ringleb. Inzwischen hat sich die Gilde angepasst, aber ihre Historie gefällt ihm. Drei Mal war er Kompaniekönig. Mit der aktuellen Regiments-Würde hat er sich auch die Ehre des „Zipfelkönigs“ erworben.

Klaus Ringleb beschreibt verschmitzt sein Bravourstück: „Es waren 14 Kandidaten vor mir – auch Sportschützen und ich habe das winzige letzte Stück getroffen.“ Das Königsjahr mit vielen Besuchen und Verpflichtungen haben beide genossen. Überall seien sie auf freundliche, offene Menschen getroffen und das Ehepaar Metzger habe sie als Adjutanten großartig unterstützt. „Trotzdem war es das letzte Mal“, meint Klaus Ringleb. „Klompenkönig möchte ich einmal werden“, nennt er seinen Herzenwunsch. Der lockere und gemütliche Klompenball sei ein echter Kontrast zum festlichen großen Krönungsball.

Eines sei ihm als Schütze besonders wichtig: der Anspruch „Schützen zu unterstützen“. Der Verzicht des Königspaares auf Geschenke und zusätzliche Spenden der Sebastianus-Schützen helfen in diesem Jahr, ein Trio-Bike anzuschaffen. Die Idee kam vom Matthias-Claudius-Haus. Dank zusätzlich akquirierter Spenden ist das Gefährt bestellt. „Aber es war nicht rechtzeitig zum Schützenfest da“, bedauert Ringleb.

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