Wersten : Kinder-Demo am Werstener Kreuz

Für einen sicheren Schulweg demonstrierten gestern Nachmittag rund 200 Schulkinder. Mehr als eine Stunde standen sie an der Kölner Landstraße, um ein Zeichen zu setzten.

Emil ist sechs Jahre alt und besucht die erste Klasse der Henri-Dunant-Schule. Jeden Morgen muss er auf dem Weg zur Schule das Werstener Kreuz überqueren. Deshalb begleitet ihn oft sein Vater Uwe Schrumpf oder "ich gehe mit der Lauftruppe", sagt Emil. Und sein Bruder Jakob (8) stimmt ihm zu. Beider Wunsch ist es, auch mal alleine zur Schule am Rheindorfer Weg zu gehen. Aber das ist viel zu gefährlich.

Emil und Jakob sind am Nachmittag zwei von mehr als 200 Demonstranten am Werstener Kreuz, die mit ihrem Protestzug auf die gefährliche Verkehrssituation aufmerksam machen. Mit gelben Sicherheitswesten ausgerüstet, sind sie für die Autofahrer schon von weitem nicht zu übersehen. Und da stehen sie nun eine Stunde lang am Bürgersteig auf beiden Seiten der Kölner Landstraße und haben Plakate in der Hand, die auch der Autofahrer, wenn er an roten Ampel steht, gut lesen kann. "Ein sicherer Schulweg am Werstener Kreuz" oder "Wir brauchen Schutzengel" steht darauf geschrieben.

Auch Emil trägt ein Plakat mit einem Schutzengel. Mit einigen Freunden skandiert er immer wieder stimmgewaltig: "Werstener Kreuz - Veränderung". "Das hat er sich selbst ausgedacht", sagt sein Vater nicht ohne Stolz. Uwe Schrumpf ist stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzende der Henri-Dunant-Grundschule. Gemeinsam mit der Vorsitzenden Nina Gawlick und weiteren Organisatoren hat er die gestrige Aktion ins Leben gerufen. "Wir wollen auf die Problematik aufmerksam machen", sagen beide und bedauern, dass kein Vertreter des Amtes für Verkehrsmanagement anwesend ist. Dem entgegnet Amtsleiter Ingo Pähler: "Ich habe keine Einladung bekommen." Dafür war die Polizei anwesend. Thomas Decken, Chef der Inspektion Süd, findet die Aktion "super". Er könne die Sorgen der Eltern verstehen, denn es herrsche an der Kreuzung eine Reizüberflutung an Ampeln und Abbiegespuren.

Das größte Problem sind morgens die Autofahrer, die von der A 46 aus Fahrtrichtung Wuppertal kommen. Viele von ihnen wollen den Stau umgehen und drehen einfach an der Tankstelle. Ganz Dreiste fahren einfach hinter dem Bus geradeaus her, obwohl sie so nicht fahren dürfen. Dann kommen noch die Straßenbahnen, die an der unübersichtlichen Kreuzung aus allen Richtungen fahren. Glücklicherweise ist bisher noch nichts Schlimmes passiert. "Aber fast", sagt Bjarne (7). Seinen Freund habe einmal ein Erwachsener im letzten Moment zurückgehalten. Deswegen gehe er auch ganz selten alleine zur Schule, eigentlich fast immer in Begleitung. Und solange sich die Situation nicht ändert, wird das auch weiterhin der Fall sein. Deshalb fordern nicht nur Emil und seine Freunde: "Werstener Kreuz - Veränderung".

(RP)
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