In Düsseldorf fahren Ehrenamtler Senioren mit Handicap in einer Rikscha zu Wunschzielen

Neues Projekt in Düsseldorf : Mit der Rikscha zu mehr Lebensqualität

Ein neues Projekt richtet sich an Ältere mit eingeschränkter Mobilität. 9000 Euro brachten Sponsoren bislang dafür auf.

Die außergewöhnliche Mobilitätsattraktion steht im Saal des DRK-Seniorenzentrums an der Kölner Landstraße und heimst mächtig Applaus ein – eine Rikscha mit E-Motor zur Unterstützung. Das Werstener Stadtteil-Netzwerk „Wir machen mit“ hatte die Idee zu Touren mit Gefährt und übernimmt auch die Koordination. „Wir machen mit“ ist ein Projekt von „In der Gemeinde Leben gGmbH – Hilfen für Menschen mit und ohne Behinderung“. Die ursprüngliche Idee dieser Art von Rikscha stamme aus Kopenhagen, nach Deutschland gebracht habe sie der Verein „Radeln ohne Alter“, erläutert Benjamin Freese als Verantwortlicher. Das Gefährt ist als Hilfe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität aus Alten- und Pflegeeinrichtungen gedacht. Spazierfahrten für mehr Lebensqualität ist die Devise.

Am Samstag trafen sich künftige Fahrgäste, Sponsoren und Nachbarn zur Einweihung und zur Namensvergabe.

„Ich bin schwer beeindruckt“, sagt Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke in ihrem Grußwort. Das Motto „Das Recht auf Wind in den Haaren“ vom Verein „Radeln ohne Alter“ gefalle ihr. „Es geht um frische Luft, gesunde Bewegung und man begegnet sich“, sagt Zepuntke. Klaus Ringleb von den Werstener St. Sebastianus-Schützen übernimmt den Prozess der Namensfindung. Entscheidend bei der Wahl sei die Phonstärke im Saal. Und die spricht eindeutig für die „Flotte Lotte“. Vorschläge wie „Wersten Mobil“ und „Glücksrad“ hatten sich unter 143 Varianten bei der Internet-Abstimmung zwar nach vorn gekämpft, aber im Endspurt keine Chance mehr. „Namen sorgen für eine bessere Beziehung und für guten Umgang“, ist sich Pfarrer Kay Faller von der Evangelischen Stephanus-Kirchengemeinde sicher. Taufen – das gehe in seiner Kirche aber nicht, das gehe nur beim Menschen. Sein Gebet gelte daher der „Indienstnahme“. Zum Abschluss spielt der Musiker Otto Spindler – Zotto genannt – ein musikalisches Kompliment für die „Flotte Lotte“ auf der Trompete. „Oh, wie bist du schön“, hallt es flott und zur Freude der Gäste durch den Saal.

Natürlich ist der elektrogestützte Fahrgast-Transporter an seinem Festtag in Wersten unterwegs. Anneliese Triesch genießt diesen Ausflug, und es ist nicht ihr erster. „Vor kurzem sind wir zum Brücker Bach und jetzt möchte ich mal zum Rhein“, sagt sie. Wohin zum Rhein sei ihr egal, irgendwohin halt. „Weil es so schön ist“, sagt die 89-Jährige strahlend.

Stolze 9000 Euro brachten Sponsoren für die Rikscha auf, dazu gehören benachbarte Unternehmen, Vereine und Einrichtungen, die Bezirksvertretung 9 und das Land Nordrhein-Westfalen. Jetzt fehlt noch ein naher Standort mit Elektroanschluss – ein erschwinglicher. Benjamin Freese zeigt sich optimistisch: „Wir sind im Gespräch für den Schulhof auf der Werstener Dorfstraße.“ Interessierte Fahrgäste stehen Schlange, ehrenamtliche Rikscha-Fahrer werden gesucht. Von den Mitarbeitern der benachbarten Provinzial Rheinland Versicherung und Studenten der nahegelegenen Uni erhoffen sich die Verantwortlichen das sportliche und ehrenamtliche Engagement. „Aber mitmachen kann natürlich jeder“, betont Freese. Für die Koordination wird es im Internet ein Kontaktformular geben.

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