Ein Film über den Mann, der 1944 in Wersten vom Himmel fiel

Flugzeugabsturz Weihnachten 1944 : Ein Film über den Mann, der vom Himmel fiel

Geneviève Monneris (63) ist die jüngste Tochter von André Guédez. Mit ihrem Sohn Thomas Lesgoirres drehte sie 2007 den Film „De Lourds Souvenirs“, der 2012 als bester Dokumentarfilm beim Filmfestival des Imperial War Museums London ausgezeichnet wurde.

Ihr Vater überlebte als 24-jähriger Soldat den Flugzeugabsturz in Wersten 1944. Was erzählte er seiner Familie darüber?

Monneris Mein Vater hat uns nie die Einzelheiten dieses Dramas erzählt oder über den Krieg gesprochen, bis ich ihm 2007 Fragen stellte. Ich wusste nur, dass sein Flugzeug am Weihnachtsabend über Düsseldorf abgeschossen worden war und er bis zum Ende des Krieges gefangen gehalten wurde. An jedem Nachmittag des 24. Dezembers hörte ich, wie er mit François Duran, dem anderen Überlebenden, telefonierte. Quasi eine Tradition.

Kam er nochmal nach Düsseldorf?

Monneris Nach dem Krieg kehrte er nie nach Düsseldorf zurück.

Was dachte er über Deutschland?

Monneris Er sagte, er sei von den Deutschen als Gefangener gut behandelt worden, und er empfinde Schmerz und viel Mitleid mit den deutschen Zivilisten, die selbst Opfer dieses schrecklichen Krieges waren. Er wusste sehr schnell zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem neuen Deutschland zu unterscheiden, das nach dem Krieg mit dem Beginn des Aufbaus Europas entstand, der Annäherung zwischen unseren beiden Völkern, und deshalb glaube ich, dass er wollte, dass seine vier Kinder in der Schule Deutsch lernen. Meine ältere Schwester hatte eine deutsche Austauschschülerin, Ingrid. Sie kam Anfang der 1960er Jahre mehrmals in den Urlaub zu uns und meine Schwester wurde auch in ihrer Familie sehr gut angenommen.

Sie haben eine Dokumentation mit Ihrem Vater gedreht. Was war Grund dafür?

Monneris Es gibt mehrere Gründe. Ich wollte diese Geschichte zuerst in meiner eigenen Familie erzählen. Dass mein Vater überlebte, war dem Mut des Piloten Louis Baillon und des Luftfahrzeugkommandanten Jacques Leroy zu verdanken, die an Bord geblieben waren, um anderen Besatzungsmitgliedern den Fallschirmsprung zu erlauben. Drei von ihnen wurden auf dem Sprung nach unten getötet. Dieser Film ist eine Hommage an das Opfer dieser Männer, das von ihren beiden überlebenden Kameraden erzählt wurde. Ich denke auch, dass alle persönlichen Geschichten, äußerst wertvolle Zeugnisse sind, die dazu beitragen, die Geschichte besser zu verstehen. Es ist unsere Pflicht, sie zu sammeln und an zukünftige Generationen weiterzugeben.

Blieben die Überlebenden in Kontakt?

Monneris André und François blieben ihr ganzes Leben nach dieser Tragödie eng zusammen, wie zwei Brüder, die sich gegenseitig angerufen haben, besonders am 24. Dezember. Sie trafen sich gemeinsam mit ihren Ehefrauen, obwohl sie in entfernten Städten lebten: mein Vater in Orleans und François in Lyon.

Was dachten Sie, als Sie hörten, dass ein Motor des Flugzeugs nach 75 Jahren gefunden wurde?

Monneris Als ich das erfuhr, fand ich es wirklich unglaublich und es weckte in mir viele Emotionen, die ich mit meinem Vater geteilt hatte. Er wäre selbst sehr überrascht und sehr berührt gewesen, dass man am Schicksal seiner Crew am Schauplatz der Tragödie interessiert ist.

Denken Sie, dass Sie den Ort des Absturzes in Wersten eines Tages besuchen kommen?

Monneris Wenn ich eines Tages die Möglichkeit habe, nach Düsseldorf zu fahren, werde ich natürlich an den Unfallort gehen. Ich versuche, auch den Soldatenfriedhof zu finden, auf dem die fünf Männer beerdigt wurden an diesem Tag, obwohl ihre Leichen später alle nach Frankreich zurückgebracht wurden. Ich glaube nicht, dass das Gefängnis oder das Lager, in dem mein Vater und François eingesperrt waren, immer noch existiert.

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