Düsseldorfer Mosaikschule für Jungen und Mädchen mit geistiger Behinderung wird erweitert

Der Start für den Neubau ist im kommenden Jahr : Die Förderschule platzt aus allen Nähten

Immer mehr Kinder mit geistigem Handicap besuchen die Mosaikschule am Massenberger Kamp. Das sagt auch etwas aus über das Gelingen von Inklusion an den Regelschulen. Bald wird der Standort erweitert.

Jürgen Paust-Nondorf hat gelernt, zu improvisieren. Für den Differenzierungsunterricht, bei dem Einzelne besonders gefördert werden, muss der Konrektor der Mosaikschule schonmal den Flur zwischen Treppenhaus und Klassenräumen nutzen. Ideal sei das nicht, weil immer irgendwer vorbeilaufe und ungewollt störe. „Andere Schulen haben dafür durch Glasscheiben abgetrennte Nebenräume“, meint der Pädagoge. Auch das Lehrerzimmer, der Musikraum und der Kunstraum wurden schon für den Unterricht genutzt. Dass seine Schule inzwischen aus allen Nähten platzt, ist auch für ihn überraschend. 180 Jungen und Mädchen besuchen aktuell den Standort, der gemeinsam mit der Franz-Marc- und der Theodor-Andresen-Schule die schulische Versorgung von Kindern mit geistiger Behinderung in Düsseldorf sichert. Das sind etwa 40 Kinder mehr als vor sechs oder sieben Jahren. „Die Schülerzahlen wachsen genauso wie die Stadt insgesamt“, meint der Konrektor. Aber das ist nicht der einzige Grund für die Entwicklung. Hinzu kommen Kinder, die nach ersten Erfahrungen an Regelschulen wieder zum Massenberger Kamp zurückkehren. Um die zehn waren das zuletzt. Zum Vergleich: Eine Klasse hat an der Mosaikschule in der Regel 13 Schüler.

„Unser Kind drohte an der Gesamtschule unterzugehen, hier wird es besser gefördert“, sagt eine Mutter. Es reiche halt nicht, Inklusion an Regelschulen einfach mal so voranzustreiben, weil sie womöglich mehr Gleichberechtigung und Teilhabe verspreche. Meine es die Politik mit dem gemeinsamen Lernen ernst, müsse sie von Beginn an für eine gute Ausstattung mit Räumen und Personal sorgen. „Doch daran hapert es.“

Auf die Erweiterung ihrer wachsenden Förderschule warten Eltern, Schüler und das Team aus 49 Sonderschul- und Fachlehrern, zwei Sozialpädagogen und 55 Schulbegleitern dringend. Das Schulverwaltungsamt geht von drei zusätzlichen Klassen aus, für die Räume geschaffen werden müssen. Der Baubeginn ist für das dritte Quartal des kommenden Jahres angekündigt, Ende 2020 soll alles fertig sein. „Für den Erweiterungsbau werden ein ehemaliges Toilettengebäude, zwei Garagen und ein Teil der Pausenhof-Überdachung abgerissen“, erklärt Fachbereichsleiter Thomas Schwindowski. Untergebracht werden in dem Neubau die Werkräume für Holz, Kunst und Metall. „Das macht Sinn, weil es beim Werken schon mal laut ist oder es zu störenden Gerüchen durch Lacke oder andere Arbeitsmaterialien kommt“, sagt Paust-Nondorf.

Der Unterricht in Fachräumen spielt an der Mosaikschule eine große Rolle. Denn die meisten Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung arbeiten nach ihrer Schulentlassung in der Werkstatt für angepasste Arbeit. War der nahtlose Übergang gleich nach Ende der letzten Sommerferien früher selbstverständlich, sind inzwischen Wartezeiten von mehreren Monaten üblich. „Immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen werden in den Werkstätten beschäftigt und die Zahl der Plätze ist nunmal nicht unbegrenzt“, sagt der Konrektor. Seine Schüler stellt das vor Herausforderungen. „Hier haben wir ein engmaschiges Unterstützungskorsett, auf das Eltern und Schüler zurückgreifen können. In der Wartephase ist man plötzlich auf sich gestellt, nicht jeder kommt damit klar“, sagt Paust-Nondorf.

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