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Düsseldorf: Werstener Nikolauskirche ist Geschichte

Orthodoxe Gemeinde ist heimatlos : Die Werstener Nikolauskirche ist Geschichte

Die orthodoxe Gemeinde zu den Heiligen Erzengeln ist heimatlos. Die Nikolauskirche wurde Ende des Jahres abgerissen. Sie hofft aber darauf, die Hospitalkapelle nutzen zu können.

Das vergangene Jahr ist für die orthodoxe Gemeinde zu den Heiligen Erzengeln alles andere als gut gelaufen. Neben den Corona-Einschränkungen hat die älteste orthodoxe Gemeinde der Landeshauptstadt auch ihre kirchliche Heimat verloren: die Holzkirche am Werstener Feld, die zuerst einen anderen Eigentümer gefunden hat und dann Ende 2021 abgerissen wurde.

Und wie es aussieht, könnte es bis 2023 dauern, bis die Gemeinde eine neue dauerhafte Bleibe beziehen könnte. Mit der städtischen Wohnungsbautochter SWD verhandelt sie über die Nutzung der ehemaligen Krankenhauskapelle an der Hospitalstraße. Eigentlich war man schon handelseinig geworden. Doch dann soll ein neues Problem wegen des Denkmalschutzes aufgetaucht sein. Die Kapelle ist das einzige Gebäudeteil, das vom ehemaligen Benrather Hospital stehen geblieben ist. Dort werden Wohnungen gebaut.

Für die Zwischenzeit – wie lange sie auch für die Gemeinde mit ihren knapp über 100 Mitgliedern um ihren Pater Peter Sonntag dauern wird – ist sie in einem leerstehenden, 60 Quadratmeter großen Ladenlokal am Hellweg unterkommen, das die SWD vermittelt hat. Deren Sprecher teilt mit: „Wir sind weiter im partnerschaftlichen Austausch mit der orthodoxen Gemeinde und zuversichtlich, dass wir bald zu einem guten Abschluss für alle Beteiligten wegen der Nutzung der ehemaligen Hospitalkapelle kommen.“

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Das würde Pater Sonntag freuen, denn in dem Ladenlokal sei es es ziemlich beengt, sagt er. Regelmäßig kämen zwischen 40 und 50 Gläubige zu den Gottesdiensten. Er wünscht sich, dass sich für den Übergang zumindest für die Gottesdienste an den Wochenenden eine Gemeinde zur Hilfe bereiterklärt.

1958 wurde die orthodoxe Gemeinde der heiligen Erzengel in der Landeshauptstadt gegründet und feierte Ostern im gleichen Jahr in der Jan-Wellem-Kapelle in Hamm den ersten Gottesdienst. Ende 2007 unterzeichnete die Gemeinde einen Mietvertrag mit dem Diakonischen Werk des Rheinlands und zog Anfang 2008 in die Kirche des heiligen Nikolaus von Myra im Werstener Feld. Diese wurde 1962 gebaut und besteht aus der Kirche und einem Gemeindehaus. Ursprünglich gebaut wurde der Komplex vom Evangelischen Hilfswerk, dessen Rechtsnachfolger das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe ist. Das Ganze war damals ein Flüchtlingsprojekt für eine serbisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft und mit Mitteln des Landes, der Evangelischen Kirche im Rheinland und des damaligen Hilfswerkes finanziert.

 So sah die alte Werstener Holzkirche aus.
So sah die alte Werstener Holzkirche aus. Foto: Orthodoxe Gemeine/Orthodoxe Gemeinde

Der orthodoxen Gemeinde war die Kirche zum symbolischen Mietzins von einem Euro jährlich und der Zahlung von 520 Euro Nebenkosten im Monat überlassen worden, heißt es auf Anfrage vom Diakonischen Werk. „Wir haben aber auch mit eigenen Mitteln einiges saniert und erneuert, wie den Boden“, sagt Pater Sonntag, dessen Gemeinde die Gottesdienste auf Deutsch feiert.

2012 hat es laut Diakonischem Werk eine statische Stellungnahme eines Ingenieurbüros gegeben, in der festgestellt wurde, dass die gesamte Tragfläche der Kirche auf Dauer nicht mehr gewährleistet werden könne. Diese Stellungnahme sei durch ein Wertgutachten bestätigt worden, das im Rahmen der Fusion des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) 2016 erstellt wurde.

Die Kirche sei ursprünglich als Provisorium erbaut worden, das „leicht transportierbar, leicht aufzubauen und nach etlichen Jahren auch wieder leicht abzubauen“ sein sollte, hieß es damals in der Ausschreibung für den Bau. Die Kirche sollte eine Lebensdauer von 40 Jahren gewährleisten. Die hat sie mit ihrer fast 50-jährigen Nutzungszeit nun deutlich überschritten.

Wegen der Sanierungsbedürftigkeit und der Tatsache, dass Eigentum und Bewirtschaftung einer solchen Kirche samt Gemeindezentrum „keine Satzungsaufgabe der Diakonie ist“, entschloss sich die Diakonie RWL 2016 zum Verkauf. Naheliegend wurde das Areal der orthodoxen Gemeinde angeboten. Das Gutachten aus dem Jahr 2016 hatte einen Verkehrswert von 715.000 Euro festgelegt. Ins Gewicht schlägt hier eher das Grundstück als der Wert der alten Gebäude.

Um den Kaufpreis so niedrig wie möglich zu halten, schlug die orthodeoxe Gemeinde der Stadt 2017 vor, die Kirche wegen ihres besonderen geschichtlichen Hintergrundes als Denkmal eintragen zu lassen. Das schien zunächst von Erfolg gekrönt zu sein: Das Gemeindezentrum wurde am 22. März 2021 vorläufig in die Denkmalliste eingetragen, teilte die Stadt gestern mit: Sechs Monate später stellte das LVR-Amt für Denkmalpflege jedoch fest, dass das Eintragungsverfahren wegen der seit März 2021 geltenden Nutzungsuntersagung für die Kirche nicht fortgeführt wird. Es bestehe der dringende Verdacht, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet sei und der Schädigungsgrad bereits so weit fortgeschritten sei, dass nur noch ein Austausch des kompletten Tragwerkes eine Standsicherheit gewährleisten könnte. 

Um einen angemessenen Verkaufspreis zu ermitteln, wurde vom Diakonischen Werk ein Maklergutachten in Auftrag gegeben worden, das den Verkaufswert auf 340.000 Euro taxierte. Die Gemeinde bot 100.000 Euro. Weil man nicht zueinander fand, übergab das Diakonische Werk die Vermarktung 2018 an einen Makler, der ein Bieterverfahren eröffnete, innerhalb dessen sich zwei Gemeinden gegenseitig überboten. Den Zuschlag bekam eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde, die ebenfalls über viele Jahre Mieterin des Werstener Feldes war, für 260.000 Euro, „Wir hätten der Gemeinde Orthodoxe Parochie gerne das Objekt verkauft, hätte diese von Anfang an oder bei Zeiten einen angemessenen und nicht gemeinnützigkeitsschädlichen Preis geboten“, sagt Kirsten Schwenke, Vorständin des Diakonischen Werkes RWL: „Es war jedoch zu keinem Zeitpunkt durch uns ein Abriss geplant oder gewollt, dies wäre auch ohne bauliche Abrissgenehmigung gar nicht möglich gewesen.“

Doch genau das ist passiert. Mit der rumänisch-orthodoxen Gemeinde hatte man sich geeinigt, dass man bis Ende 2021 den Gemeindesaal mitnutzen durfte. Nun also ein leerstehendes Ladenlokal als Kirchenersatz. „Wir haben halt keine Lobby“, sagt Pater Sonntag.