Entpflichtungsgottesdienst am 20. August Pfarrer Christian Nell-Wunsch geht in den Ruhestand

Düsseldorf · Düsseldorfs Superintendent Heinrich Fucks verabschiedet Gemeindepfarrer Christian Nell-Wunsch in einem Gottesdienst in den Ruhestand. Seit 2015 arbeitete der Wuppertaler im Düsseldorfer Süden.

Für Pfarrer Christian Nell-Wunsch wird am Sonntag ein Abschiedsgottesdienst gefeiert.

Für Pfarrer Christian Nell-Wunsch wird am Sonntag ein Abschiedsgottesdienst gefeiert.

Foto: Anne Orthen (orth)

Mit einem vom Düsseldorfer Superintendenten Heinrichs Fucks geleiteten Entpflichtungsdienst endet am Sonntag, 20. August, 14 Uhr in der Stephanuskirche, Wiesdorfer Straße 21, die Dienstzeit von Pfarrer Christian Nell-Wunsch in der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd. 2015 war der gelernte Erzieher, der auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur gemacht und anschließend Theologie studiert hat, zur Unterstützung von fünf Kirchengemeinden im Düsseldorfer Süden eingestellt worden; er übernahm zwei Jahre später die durch den Weggang von Pfarrerin Kirsten Wolandt in den Iran frei werdende Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Wersten. Diese ist seit 2020 mit der Klarenbach-Kirchengemeinde in Holthausen zur Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd verschmolzen.

Ein Prozess, den Nell-Wunsch mit prägte. Er sieht sich als Pastor, lateinisch: Hirte, der gemeinsam mit der Gemeinde unterwegs und nicht ihr Verwalter ist. „Menschen machen die Gemeinde aus. Sie sind mit vielen Gaben ausgestattet, die gefördert und gefordert und herausgehoben werden können. Ich sehe mich als Impulsgeber, Sortierer, Einberufer und manchmal auch als Befrieder und Versöhner, als derjeniger, der zusammenbindet und bei zu treffenden Entscheidungen hilft“.

In seiner Funktion als Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses galt es, Entscheidungen zu treffen, die nicht allen in der Gemeinde gefielen, wie die Reduzierung der Gottesdienste. „Wir sind als Gemeinde gestärkt aus der Fusion hervorgegangen. Denn durch die Aufgabe von Angeboten auf der einen Seite wurde auf der anderen Seite die Erprobung neuer Gottesdienst- und Begegnungsformen möglich, zum Beispiel das ‚Abendgebet to go‘ in der Klarenbachkirche, Projekte wie „Seelen-w-ort“ oder Flussgeschichten und eine Ausweitung der Ökumene mit den Glaubensgemeinschaften in unserer Nachbarschaft“, sagt der 63-Jährige.

Der begleitende theologische Beistand nach einem tiefen Einschnitt in der Biografie eines Menschen ist dem Pastor ein Herzensanliegen. So vermittelt er etwa arbeitslos gewordenen Menschen in seiner Gemeinde, dass es auch mal schiefgehen kann im Leben, und erzählt auf Nachfrage von seiner persönlichen Erfahrung des Arbeitsplatzwechsels, weil es einfach nicht „gepasst“ hat, und dem Neuanfang.

Eine tiefe persönliche Krise war für Nell-Wunsch 2019 der Tod seiner schwer erkrankten Frau Doris. Er entschied sich, die Gemeinde an seiner Trauer teilhaben zu lassen, sprach auf Nachfrage mit Konfirmanden, Konfirmandinnen und Gemeindemitgliedern über seine persönlichen Erfahrungen des Abschiednehmens, über das Gefühl der Leere nach dem Tod und über seine Traurigkeit und seinen Zorn auf Gott. „Ich bin sehr dankbar, dass ich den Glauben nicht verloren habe. Nach dem Hadern mit Gott stellte sich ein unendliches Vertrauen in den göttlichen Beistand ein. Meine Gewissheit, weiterhin mit Gott verbunden zu sein, ist für mich ein Geländer, eine Tankstelle“, sagt der 63-Jährige.

Ganz viel Genuss ist für Christian Nell-Wunsch mit dem Ruhestand verbunden: „Aufzuwachen und zu gucken, was am Tag passiert, mich ganz viel draußen bewegen, alte Freunde wiedersehen und sowohl meine erwachsenen Kinder mit Familie wie auch die meiner neuen Partnerin zu besuchen. Ein Riesengeschenk ist für mich, dass ich mich noch mal neu verlieben darf.“

(rö)