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Düsseldorf-Wersten: Anwohner der Mergelgasse fordern eine Spielstraße

Tempo sieben statt Tempo 30 : Werstener fordern eine Spielstraße

Mehrere gleichlautende Bürgeranträge sind für die Bezirksvertretung 9 gestellt worden. Die berät darüber in ihrer Mai-Sitzung. Einige Stichstraßen waren nach einem Beschluss der BV schon Spielstraße geworden.

Schon einmal gab es um die Verkehrssituation in der Mergelgasse in Wersten Streit. Das ist jetzt neun Jahre her. Damals zerstritten sich Bewohner der Siedlung wegen der Frage, ob und wie man die Verkehrsteilnehmer dazu zwingen kann, dort langsamer unterwegs zu sein, um vor allem Fußgänger zu schützen. Um Abhilfe zu schaffen, hatte das Amt für Verkehrsmanagement aus der Mergelgasse ohne Absprache eine Spielstraße gemacht, in der dann Schrittgeschwindigkeit galt. Das ärgerte Anwohner, die zum Langsamfahren gezwungen werden sollten. Wochen später wurde die Beschilderung zurückgenommen und es galt wieder Tempo 30.

Das Ursprungsproblem ist indes geblieben. So hat die Mergelgasse die Anmutung einer Spielstraße: Es gibt dort keinen Bürgersteig, alle Verkehrsteilnehmer teilen sich den selben Raum. Doch beim Bau hatte es die Verwaltung damals versäumt, diesen Umstand bei der Tempobegrenzung zu berücksichtigen. 30 Stundenkilometer seien zu viel für die Kinder in der Siedlung, sagen die Anwohner, darunter Bruno Hey, der sich schon 2012 engagierte.

Neun Jahre nach der damaligen, hochgradig emotional geführten Debatte sind viele junge Familien neu in die Siedlung gezogen. Sie haben sich des Problems wieder angenommen und bei der Bezirksvertretung 9 einen Bürgerantrag eingereicht, damit die Mergelgasse nun endgültig verkehrsberuhigte Zone wird. Dann würde dort wie seit kurzem in einigen Nebenstraßen Schritttempo gelten. Nach Gerichtsurteilen heißt das, dass alle Verkehrsteilnehmer mit bis zu sieben Stundenkilometern unterwegs sein dürfen.

Über diesen Antrag wird allerdings nicht in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) 9 am Freitag, sondern erst in der Mai-Sitzung debattiert und abgestimmt. Die Verwaltung muss erst noch eine Stellungnahme für die Stadtteilpolitiker ausarbeiten.

Um den Durchgangsverkehr zur oder von der Kölner Landstraße bis zu einem aus Sicht der Anwohner hoffentlich positiven Bescheid zu drosseln, parkt Anwohner und Handwerker Stefan Pütz seinen Kleintransporter so oft es geht als Verkehrshindernis auf der Straße. So werden die Fahrzeuge zum langsamen Fahren gezwungen.

Auf Anfrage teilte die Stadt mit, dass folgende Straßenabschnitte in der Siedlung bereits in verkehrsberuhigte Bereiche umgewandelt wurden: die Mergelgasse zwischen den Hausnummern 45 bis 79, der Röntgenweg an der Stichstraße zwischen den Hausnummern 13 bis 31 und der Celsiusweg. Die Umwandlung, so die Stadt, erfolgte auf Beschluss der BV aus dem Jahr 2019. Auch nach Hinweisen aus der Bevölkerung könnten Wohnstraßen oder Wohnwege in einer Tempo 30-Zone mit einer Streckenlänge von rund 50 Meter ohne bauliche Geh- oder Radwege und mit sehr niedrigem Verkehrsaufkommen umgewandelt werden. Ob das für die Mergelgasse gilt, muss die Verwaltung klären.

Für Anwohner wie unter anderem Frank Schmidt, Wolf Hohnrath, Claudia Kaiser sowie Corinna und Henrik Riedel steht außer Frage, dass es so kommen muss. Vor allem bei Stau auf der A46 gebe es viel Durchgangsverkehr in der Siedlung. Und seit die Autofahrer an den Kreuzungen zu den verkehrsberuhigten Stichstraßen nicht mehr rechts vor links beachten müssten, seien viele in der Mergelgasse zu schnell unterwegs. Gleiches gilt nun auch für den Röntgen- und den Robert-Mayer-Weg. Eine Spielstraße ist wie eine Grundstücksausfahrt zu behandeln, wer hinausfährt, muss Vorfahrt gewähren.

2012 wurde eine hitzige Debatte auch über das Einbauen von Straßenschwellen geführt. Es hieß vom damaligen Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, dass diese in Düsseldorf nicht mehr gebaut würden, da Rettungswagen beim Transport von Patienten damit Probleme hätten. Inzwischen gehe es aber eher um eine Problematik einer für die direkten Anwohner erhöhten Lärmbelästigung, erläutert Bezirksverwaltungsstellenleiter Nils Dolle. Jedes Auf- und Abfahren auf die Schwelle erzeuge ein Klackgeräusch. Auch das Aufstellen von Pollern, etwa an der Einmündung zum Cronenberger Weg, birgt die Gefahr, dass diese schnell verschwinden oder nach einer Durchfahrt von Berechtigten nicht mehr in die Verankerung geführt werden.

Auch wenn sich Sachargumente gegen das Abpollern oder den Einbau von Schwellen finden lassen, würde es Ernst Welski, Sprecher der Grünen in der BV 9, gerne sehen, wenn die Stadt beides nochmal prüft. Er verweist auf das Rheinufer, das wegen der Auto-Poser Schwellen bekommt. Welski kann sich auf der Mergelgasse die Einrichtung einer Spielstraße vorstellen.