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Düsseldorf "Schalander": Kult-Restaurant geht in die Insolvenz

Düsseldorfer Kult-Restaurant : Das Schalander geht in die Insolvenz

Das Werstener Kult-Restaurant hatte bereits im Mai seinen Betrieb eingestellt – damals noch mit der Hoffnung auf eine Wiedereröffnung im Herbst.

Die Betreiber des Restaurants Schalander an der Kölner Landstraße in Wersten haben einen Insolvenzantrag gestellt. In der vergangenen Woche wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Manfred Schulte als vorläufiger Insolvenzverwalter vom Düsseldorfer Amtsgericht bestellt, das Insolvenzverfahren soll vermutlich im Oktober eröffnet werden. Grund für die Zahlungsunfähigkeit sind vor allem die laufenden Miet- und Personalkosten.

Denn bereits im Mai hatten die Geschwister Jaqueline Ucher und Maurice Dahmen, denen das Schalander gehört, den Betrieb in dem Restaurant eingestellt. Zunächst sollten die Türen nur bis Herbst geschlossen bleiben, um dann noch einmal zu schauen, ob und wie ein Betrieb des Lokals wieder möglich sei, wie Jacqueline Ucher kurz nach der Schließung berichtet hatte. Wie viele andere Betriebe hatte das Schalander zuvor infolge der Corona-Pandemie mehrere Wochen geschlossen. Nach Ende des Shutdowns hatten die Betreiber im Mai jedoch zunächst das Restaurant wiedereröffnet, nachdem zuvor sämtliche Tische umgestellt und neue Waschbecken angebracht worden waren, um die Einhaltung der nötigen Abstände zwischen den Gästen garantieren zu können.

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Jedoch hatten diese Maßnahmen wirtschaftliche Folgen für die Inhaber: Statt für bis zu 200 Personen bot der Biergarten zuletzt nur noch Platz für knapp 30 Gäste. Entsprechend seien die Einnahmen stark zurückgegangen, während gleichzeitig wegen der Hygieneregeln mehr Personal vor Ort im Einsatz gewesen sei, wie Betreiberin Ucher kurz nach der Schließung berichtet hatte. Aber auch die Atmosphäre sei gedrückt gewesen: „Wir hatten zum ersten Mal in der 40-jährigen Betriebsgeschichte keinen richtigen Spaß mehr an der Arbeit.“ So sei schließlich bei ihr und ihrem Bruder zwei Wochen nach der Wiedereröffnung der Entschluss gefolgt, den Betrieb wieder einzustellen.

32 Aushilfen hatten die Inhaber bereits zu Beginn der Corona-Krise entlassen, den 13 verbliebenen festangestellten Mitarbeitern sollte trotz der erneuten Pause jedoch nicht gekündigt, sondern Kurzarbeitergeld bezahlt werden. Denen wird Insolvenzverwalter Manfred Schulte nun jedoch auch kündigen müssen. Eine zeitnahe Wiedereröffnung sei unter den aktuellen Umständen unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, Schulte. „In der Gastronomie gibt es aktuell keinen großen Gründungsboom.“ Das Inventar des Restaurants soll zunächst noch nicht veräußert finden, sollte sich jedoch langfristig keine Perspektive beziehungsweise kein neuer Betreiber für eine Wiedereröffnung finden, sei der Ausverkauf unvermeidbar.

Wersten verliert damit eines seiner bekanntesten Restaurants. Vier Jahrzehnte lang war das Schalander eine gefragte Anlaufstelle für Menschen ganz unterschiedlichen Alters, hatte für viele eingesessene Düsseldorfer längst Kultstatus. Die Speisekarte war mit Blick auf ein heterogenes Publikum umfassend gestaltet, dauerhaft standen darauf auch die zum Kultfaktor gehörenden heißen Bratkartoffelpfannen mit verschiedenen Zutaten. Berühmt war der Laden zudem für sein breites Bier-Angebot – 13 verschiedene Sorten gab es frisch vom Fass, darunter auch die Altbiere Füchschen, Uerige, Frankenheim, Schumacher und Schlüssel. Und sogar Kölsch konnte man dort bestellen.

Einen Platz im Schalander zu bekommen, war einerseits nicht selbstverständlich, denn es gab wenig gastronomische Konkurrenz im Stadtteil, die eine so selbstverständliche Wohlfühlatmosphäre für Studenten ebenso wie für Familien oder Stammtische bot und entsprechend viele Zielgruppen ansprach. Die entstand durch den einfachen Charme der rustikalen Holz-Einrichtung, denn stylisch-modern sah es dort nicht aus. Andererseits gab es auch reichlich Raum. Und so konnte man vor der Pandemie auch an Wochenenden zumindest spontan sein Glück probieren und sich über beide Etagen durch die verwinkelten Räumlichkeiten des Lokals quetschen auf der Suche nach einem freien Tischchen, vielleicht sogar im Wintergarten. Das ist jetzt erst einmal Geschichte.