Wersten: Brüder erfolgreich in der Sportakrobatik

Wersten: Brüder erfolgreich in der Sportakrobatik

Tom und Dominik Schmauder trainieren fünfmal die Woche im Leistungszentrum Sportakrobatik. Bei der Deutschen Meisterschaft belegten sie den dritten Platz. In Belgien starten sie erstmals bei einem internationalen Turnier.

Streit unter Geschwistern ist normal. Dass sie fast täglich gemeinsam trainieren ist zumindest ungewöhnlich. Tom (12) und Dominik Schmauder (18) aus Wersten treten als Sportakrobaten in der Vollklasse an. Sie turnen auf hohem Niveau und gehören zum NRW-Kader. Trainer Johannes Belovencev vom Leistungszentrum Sportakrobatik (LSZA) formuliert das ehrgeizige Ziel für seine Schützlinge: "Wir wollen in den Bundeskader." Die Voraussetzungen dafür schätzt er gut ein.

Erstmals starten die Brüder nächste Woche, vom 15. bis 17. Februar, bei einem internationalen Wettbewerb in Belgien, dem Flanders International Acro Cup (Fiac). Dann folgt die Deutsche Meisterschaft im Mai in Mainz. "Sie sind beide sehr ehrgeizig und haben Ziele", sagt Trainer Johannes Belovencev. Er weiß, dass viele Menschen sich zunächst nichts unter Sportakrobatik vorstellen können. "Aber wenn man uns sieht, dann sind wir der Höhepunkt", stellt er fest. Flic-Flac, Salto, Handstand und Wurfelemente - die Sportakrobaten turnen auf einer zwölf mal zwölf Meter großen, gefederten Bodenfläche. Ihr Wettkampfprogramm besteht aus verschiedenen Übungen, die sie in einer maximal zweieinhalbminütigen Choreographie präsentieren.

Die ausgefallenen Choreographien mit vielen Elementen fesseln und begeistern das Publikum. Natalya Platt kreiert sie für das Team: "Die Elemente werden mit dem Trainer durchgesprochen und die Bewegungen zur Musik angepasst. Zu jedem Musiktakt muss jede kleine Bewegung passen", sagt sie. Die Choreographin bescheinigt den Schmauder-Brüdern eine besondere Ausstrahlung: "Es ist daher weniger Arbeit mit den Gesichtsausdrücken", verrät sie.

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Viel Arbeit steckt in den akrobatischen Elementen. Dazu gehört oft auch Mut. Gerade für den zwölfjährigen Tom geht es in schwindelerregende Höhe. Im Training ist er deshalb oft an einer Longe gesichert, bis alle Elemente sicher sitzen. Mit nur einer Hand stützt er sich auf den Kopf des Bruders. Dann streckt er die Gliedmaßen in die Horizontale. "Das Vertrauen ist wichtig. Ich finde das gut mit Dominik", sagt er.

Während Tom noch Schüler ist und die sechste Klasse der Freiherr-vom-Stein-Realschule besucht, ist Dominik im ersten Lehrjahr bei der Feuerwehr Düsseldorf. Er absolviert eine Stufenausbildung zum Brandmeister. Zur Sportakrobatik kam er über den kleinen Bruder. Tom, der damals schon zwei Jahre trainierte, brauchte einen Partner. Er fragte Dominik, ob der mit zum Probetraining kommen möchte. Damit war die Grundlage für das sportliche Duo gelegt. "Ich startete erstmal mit Krafttraining", sagt Dominik Schmauder. Schnell stand für ihn fest, dass er der richtige Partner für Tom ist. Für beide heißt das, fünfmal die Woche geht es für zweieinhalb Stunden zum Training. Der Erfolg motiviert die Brüder. Und für den jüngeren Tom steht fest: "Dominik ist der Untermann, er ist der Chef und hat das Sagen".

Trotzdem kommen Meinungsverschiedenheiten mal vor; doch das gemeinsame Ziel dominiert. Beide sind sehr ehrgeizig, nur Dominik ist vor einem Wettkampf deutlich nervöser. "Tom ist der Kreativere von uns", bescheinigt er seinem kleinen Bruder. Bislang gab es erst eine Verletzung. Tom brach sich den Arm. Das langfristige Ziel haben sie weiterhin im Blick: Sie wollen besser werden. Mitte Januar ehrte der Rheinische Turnerbund seine besten Sportler für die Erfolge des Jahres 2017. Mit dabei waren auch Tom und Dominik. Zwei Pokale und zahlreiche Urkunden zieren mittlerweile die Wohnung der Familie. Auch der jüngste Bruder Ben ist Teil der Sportakrobaten-Gemeinschaft. Er trainiert am Karweg Körperbeherrschung, Kraft und Beweglichkeit. Bis ein Handstand auf einer Hand gelingt, sind Geduld und Ruhe unverzichtbar.

(sime)