Reisholz : Warnstreik bei Zamek

Die Früh- und die Spätschicht legten gestern Mittag jeweils für anderthalb Stunden die Arbeit nieder. Nach Lohnverzicht und zwei Tagen Urlaub weniger, wollen sie jetzt, wie versprochen, zurück in den Tarifvertrag.

Seit 26 Jahren arbeitet Edal Isleyen bei Zamek in der Entsorgung. Und der Vater von fünf Kindern ist sauer. "Stocksauer", sagt er dann. "Es reicht mir. Langsam habe ich keine Lust mehr", meint Isleyen.

Betriebsratsvorsitzender Marian Gemmer, seit 38 Jahren bei Zamek, wirft der Geschäftsführung Missmanagement vor. Foto: Christoph Goettert

Er ist einer von rund 100 Zamek-Mitarbeitern der Frühschicht, die gestern für eineinhalb Stunden die Arbeit niederlegten. Um 14 Uhr folgte die Spätschicht. Auch sie streikte für 90 Minuten, ehe es zurück an die Arbeit ging.

Die Mitarbeiter sind aufgebracht. Sie haben vor drei Jahren auf Lohn verzichtet — für eine Beschäftigungsgarantie. 2009 war das Traditionsunternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, obwohl die Auftragsbücher voll waren. "Wir haben auf das Weihnachtsgeld verzichtet und auf zwei Tage Urlaub", sagt Yuesksel Keskim. "Jetzt wollen wir Gerechtigkeit und den versprochenen Lohn", fordert der 45-Jährige, der in der Warenannahme arbeitet.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zum Warnstreik bei der Firma Zamek an der Kapeller Straße aufgerufen. Dieter Schormann, Geschäftsführer der NGG in Düsseldorf: "Wir kämpfen für die Anerkennung des Tarifvertrags." Die Firma Zamek habe im Dezember den Beschäftigten mitgeteilt, dass sie nicht mehr dem Tarifvertrag unterlägen.

Immer wieder verhandelt

Damit sei das Versprechen nach dem Gehalts- und Urlaubsverzicht wieder zur Normalität zurückzukehren, nicht eingehalten. Mit der Geschäftsführung hat Schormann immer wieder verhandelt. Die Gespräche seien ergebnislos verlaufen. Zuletzt am 15. März. "Danach sind wir ohne einen neuen Termin auseinandergegangen", sagt er. Am meisten ärgert ihn, dass die Zamek-Spitze keine Begründung für ihr Verhalten abgibt. "Dabei haben wir vor zwei Jahren einen Zukunftssicherungs-Tarifvertrag abgeschlossen."

Der Betriebsratsvorsitzende Marian Gemmer geht mit der Geschäftsführung noch härter ins Gericht: Er spricht von Missmanagement. "Die Führungsspitze hat es in drei Jahren nicht geschafft, sich finanziell neu aufzustellen", empört er sich und ergänzt: "Wir haben dazu beigetragen, dass der Standort Düsseldorf blieb, dass Arbeitsplätze gesichert wurden und die Firma immer noch existiert." Das Missmanagement dürfe nicht auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden. Immerhin seien jedes Jahr, dank der Angestellten, zwei Millionen Euro eingespart worden. "Das sind zusammen gerechnet sechs Millionen Euro", sagt Gemmer, der seit 38 Jahren bei Zamek arbeitet. Auch die übrigen Beschäftigten, die vor dem Gelände streikten, arbeiten seit Jahrzehnten bei Zamek. "Die meisten mehr als 20 Jahre", sagt Gemmer. Und sie alle fühlten sich um ihren Lohn betrogen. "Wir haben seit fünf Jahren keine Lohnerhöhung bekommen", sagt Erdal Isleyen. "Mehr noch: Wir haben verzichtet." Dabei sei die Arbeit immer mehr geworden.

"Es ist gegenüber den Arbeitnehmern höchst unanständig, wenn die Zusage der Firma Zamek nicht eingehalten wird", sagt Schormann. Geschäftsführer Michael Krüger kontert: "Wir haben der NGG ein gutes Angebot gemacht, das wir ohne Druck und konstruktiv am Verhandlungstisch diskutieren möchten." Den Aufruf zur Arbeitsniederlegung hält er allerdings für falsch und überzogen. Er signalisiert Gesprächsbereitschaft zu Lohnerhöhungen — allerdings auf Basis eines Haustarifvertrags.

(RP/anch)