Schützenfest : Schütze sein gegen die Anonymität

Gerade in Großstädten kennen sich viele Nachbarn gar nicht mehr. Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Volmerswerth hilft Zugezogenen gerne bei der Integration.

Leicht ist es nicht, nach einem Umzug Anschluss zu finden. Je größer die Stadt ist und je mehr Menschen in einem Haus leben, umso anonymer wird es oft. Da weiß manchmal der eine nicht, wer hinter der Tür auf dem Flur vis-à-vis lebt. Genau das wollte Familie von Dzerzawa nicht erleben, als sie vor sechs Jahren nach Düsseldorf gekommen ist. Sie suchte sich gezielt einen kleinen Stadtteil aus, in dem es ein bisschen ruhiger ist, der gleich am Rhein liegt. Volmerswerth ist es geworden, und schnell kannte man den einen oder anderen Nachbarn von der eigenen Straße. So richtig angekommen sind Papa Olaf, Mama Gudrun und der acht Jahre alte Enno aber erst, als Olaf von Dzerzawa in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Volmerswerth Mitglied wurde.

Von ihrem Balkon aus beobachtete die Familie immer das Fest, mitten im Ortskern wohnt sie. Die Parade, die Königinnen, die uniformierten Männer, „im Haus gab es mehrere aktive Schützen“, erinnert sich von Dzerzawa. „Als einer Regimentskönig wurde und wir die Begeisterung unmittelbar erlebten, reifte der Entschluss, dem Verein beizutreten“, sagt der Volmerswerther, der sich erst mal einen Überblick verschaffte über die einzelnen Kompanien. Schließlich entschied er sich vor zwei Jahren für die Reserve 21. Eine Fahrradtour ist der Grund gewesen, die an der Dorfschänke En de Ehd startete und ganz unplanmäßig schon nach zwei Kilometern im benachbarten Flehe endete. In einem Kleingartenrestaurant. Das gefiel dem Familienvater, die Chemie stimmte einfach, erzählt er.

Zwar kamen Olaf und Gudrun von Dzerzawa mit einigen Volmerswerthern schon durch den Kindergarten und die Schule in Kontakt, „die Schützen aber haben noch einmal einen richtig großen Anteil, dass der Freundeskreis gewachsen ist. „Man trifft die Freunde der Freunde der Freunde“, sagt Olaf von Dzerzawa, und ruckzuck gehört man zum Veedel. Inzwischen ist auch Sohn Enno Teil der Schützengemeinschaft, „ganz ohne Absicht“, wie der Achtjährige betont. Mit einer Armbrust schoss er die Platte runter und wurde zum Pagenkönig. Die Suche nach einer Partnerin fiel dem Jungen nicht schwer – Mara Wilken ist ohne Zögern seine Königin geworden. Jeden Freitag trifft er sich mit den anderen bei den „Korps“, viel mehr Zeit bleibt aber im Moment noch nicht für die Sebastianer. Schließlich hat Enno auch zwei Mal in der Woche Fußballtraining bei der Tusa, an den Wochenenden stehen dann noch Spiele im Terminkalender. Papa Olaf ist im Fußballverein Schriftführer, deswegen hat er sich bei der Reserve 21 bisher noch zurückgehalten.

 „Aber jeder bringt sich ein“, sagt Olaf von Dzerzawa, der in diesem Jahr eine Idee für die Fackel beigesteuert hat. Eigentlich darf er nichts sagen, nur so viel verrät er: „Es wird etwas mit Verkehr in Volmerswerth zu tun haben.“ Lange müssen sich die Volmerswerther auch nicht mehr gedulden, die beleuchteten Wagen werden bei Kirmesbeginn am kommenden Samstag durch das Dorf gezogen.

Dann wird auch Mama Gudrun gucken kommen und auch an den übrigen Tagen immer mal mitfeiern. Bisher ist sie noch nicht eingespannt in der Bruderschaft, meistens müssen sich Olaf und Gudrun von Dzerzawa aufteilen – „Oma und Opa und Verwandte haben wir hier nicht“, sagt er. Wenn Gudrun unterwegs ist mit ihren Freunden, dann muss Olaf auf Enno und Hund Violet aufpassen. Wenn Olaf mit den Schützen auf der Rolle ist, ist Gudrun an der Reihe. Beim Schützenfest kommen sie alle zusammen, die Schützen in Volmerswerth sind mehr als nur ein Verein.

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