Volmerswerth : Die Video-Schützen

Daniel Zimmer, Sebastian Porten, Tobias Gerhards und Felix Stoffels planen den Jungschützenball. Ihr Programm unterscheidet sich von dem vieler anderer Bruderschaften: Sie drehen aufwendige Videos zur Unterhaltung der Gäste.

So oft man sie auch nach dem aktuellen Thema fragt, Daniel Zimmer (26), Sebastian Porten (19), Tobias Gerhards (21) und Felix Stoffels (20) verraten kein Sterbenswörtchen. Nicht mal einen kleinen Hinweis wollen sie geben zum Programm des Jungschützenballs, den das Vierergespann plant. "Der Abend soll eine Überraschung sein", sagt Daniel. Sicher ist nur, dass es wie in den vergangenen Jahren eine aufwendig produzierte Video-Show geben wird, um die sich die Freunde und Jungschützen kümmern, für die sie schon Monate vor dem Volmerswerther Schützenfest Ideen sammeln und Wochen daran arbeiten, manchmal noch Stunden vor der Generalprobe, manchmal in Nachtschichten.

Daniel, Sebastian, Tobias und Felix sagen selbstbewusst:, "Wir wurden oft kopiert und nie erreicht." Und ein bisschen haben sie recht damit, kaum eine Bruderschaft hat bisher so viel Aufwand betrieben, um eine solche Show auf die Beine zu stellen. "Alkoholverbot in Düsseldorf" war das Thema im vergangenen Jahr, dazu haben sie verschiedene Clips gedreht, ein bisschen wie in der "heute-show" mit Oliver Welke, sogar eine Live-Schalte zu Daniel mit goldenem Pailletten-Sakko hat es 2016 gegeben. Ganz plötzlich unterbrach eine aktuelle Meldung das Programm, in Volmerswerth sollte ein Graben gebaut werden, um Bierabstinenzler am Eindringen zu hindern. Denn das Wätscherland - also Volmerswerth - hatte für den "Wäxit" gestimmt und sich von Düsseldorf abgespaltet, damit im Stadtteil pünktlich zum Schützenfest wieder Bier getrunken werden darf. "Wir greifen aktuelle Nachrichten auf und verbinden das lustig mit der Dorfgeschichte", sagt Sebastian.

Die Live-Schalte war übrigens aufgezeichnet, wie die Freunde jetzt verraten. Gemerkt hat es niemand, "alles hat perfekt geklappt", sagt Tobias, der auch in diesem Jahr wieder die Moderation beim Jungschützenball übernimmt. Die ganze St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Volmerswerth 1924 wird zum Ball kommen, auch aus Nachbar-Vereinen erwartet das Planungs-Komitee Gäste. Für die Freunde ist die Bruderschaft mehr als nur einmal im Jahr zusammen zu kommen. "Wir sehen uns eigentlich das ganze Jahr über", sagt Sebastian, der ein duales Studium macht im Fachbereich Elektrotechnik und ab Herbst in Siegburg wohnen wird. An den Wochenenden will er nach Hause kommen, bei seinen Freunden sein, seinen Kameraden, seiner Kompanie. "Die Bruderschaft schweißt uns zusammen", sagt der 19-Jährige.

Dass ihre Comedy auch schon mal jemandem missfallen hat, "ist einmal passiert", sagt Daniel. Die Freunde tauschen Blicke, nicken, ein Name wird getuschelt. "Wir haben ihm ein Bier spendiert, und dann war alles wider gut", sagt Tobias. Mit einem Bier fängt übrigens auch immer alles an, "wir sitzen zusammen, trinken ein Bier, überlegen, welcher Witz auch wirklich in einem Video rüberkommt", erklärt Daniel, der eigentlich gar kein Jungschütze mehr ist, weil er zu alt ist mit seinen 26 Jahren. "Ich bin Jungschützenwart", sagt er. Wenn die Idee dann steht, fangen die Dreharbeiten an, "einmal stand ich bei 40 Grad mit Schneestiefeln und Winterjacke auf der Straße", erzählt Sebastian. "Da haben die Leute schon blöd geguckt."

Wenn die Vier Statisten brauchen, wird ein Aufruf in der eigenen Facebook-Gruppe gestartet. Ort und Uhrzeit werden angegeben, "und wir sagen, wie viele Leute nötig sind", sagt Daniel. Mehr Informationen bekommen die Darsteller dann nicht, bis Kameramann Felix beim Drehort die Statisten einweist. Ausgestattet ist er mit einer Spiegelreflexkamera, einem Stativ und einem Mikro, er ist auch der Mann für den Feinschliff, für die ganze Technik beim Programm, der 20-Jährige schneidet den Film so, dass die Werbepausen lang genug sind für die Tanzeinlagen.

Gut liegt er in der Zeit in diesem Jahr, 40 bis 60 Minuten wird die Show dauern beim Ball am Sonntagabend, die die Gäste nicht zu ernst nehmen sollten, so wie es auch Daniel, Sebastian, Tobias und Felix nicht tun. Und wenn nicht alle alles lustig finden, "was durchaus passiert", sagt Daniel, dann liegt das sicher an dem Insider-Wissen, das die Volmerswerther Jungschützen bei ihrem Publikum schon ein bisschen voraussetzen.

(RP)
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