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Düsseldorf: Vielfalt einer unterschätzten Farbe

Düsseldorf : Vielfalt einer unterschätzten Farbe

Die Künstlerin Dagmar Wildförster lädt zur Werkschau in ihr Atelier in Lohausen ein. Ab morgen ist dort ein Querschnitt ihrer Arbeiten aus den vergangenen Jahren zu sehen. Darin dominiert Grau – in allen Schattierungen.

Die Künstlerin Dagmar Wildförster lädt zur Werkschau in ihr Atelier in Lohausen ein. Ab morgen ist dort ein Querschnitt ihrer Arbeiten aus den vergangenen Jahren zu sehen. Darin dominiert Grau — in allen Schattierungen.

Achatgrau, Dämmergrau, Maulwurfsgrau: Das sind nur drei von 170 Grautönen, die Dagmar Wildförster auf einer ihrer Arbeiten vereint. "Landschaft" hat sie das 2,50 mal 3,40 Meter große Werk genannt, auf dem sie Farbfelder in unterschiedlichen Schattierungen von Grau zu einem lebendigen, einem nahezu changierenden Ganzen fügt.

"Die Arbeit ist leider zu groß, um sie bei der Ausstellung präsentieren zu können, deshalb zeige ich sie nur als Foto", sagt die Künstlerin, die für morgen zur Vernissage ihrer Ausstellung in ihr Lohauser Atelier einlädt. "Abschnitt" hat sie diese Werkschau genannt, die Gelegenheit bietet, sich ihre künstlerische Entwicklung seit 1996, seitdem also Dagmar Wildförster als freischaffende Künstlerin tätig ist, anzuschauen.

Dazu zählen auch Arbeiten aus ihrer Serie "Lichter der Stadt", etwa ein großer, noch gegenständlicher Holzdruck, der den abendlichen Straßenverkehr Madrids mit farbigen Lichtpunkten in Rot, Orange und Grün eindrucksvoll in Szene setzt. Doch so fröhlich diese Arbeit ist, so düster und gespenstisch ist eine andere, auf der sie die nächtliche Tristesse einer Plattenbausiedlung eingefangen hat. Plattenbauten waren es auch, die Dagmar Wildförster den Anstoß gaben, sich mit Stadtfassaden zu beschäftigen. "Manche dieser alten sozialistischen Bauten waren so heruntergekommen, dass sie eigentlich hätten abgerissen werden müssen", sagt sie. Ihre Fassaden aber hielt Dagmar Wildförster fest.

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"Mein Skizzenblock ist die Kamera. Ich habe aus allen möglichen Städten, darunter Berlin, Warschau, London, Madrid, ein ganzes Arsenal von Fotos von Hausfassaden als Vorlage. Und manchmal sehe ich erst nach Jahren etwas in einer Aufnahme, das ich in einem Bild umsetzen möchte."

Dann berechnet die Malerin, die 2009 als Meisterschülerin an der Freien Kunstakademie der bildenden Künste in Essen ihr Studium abschloss, die Größenverhältnisse des Abschnitts, den sie bearbeiten möchte, zunächst am Computer, verlängert teils dessen Struktur und reduziert seine ursprüngliche Farbigkeit auf nur wenige Grautöne.

Diese trägt sie in extrem dünnen Schichten meist in Acrylfarbe auf die Leinwand auf, "bis genau der Ton erreicht ist, den ich haben möchte", sagt Dagmar Wildförster. "Denn Maler mischen sich Grau nicht einfach aus Schwarz und Weiß, sondern aus den Grundfarben und hellen es mit Weiß auf. Das ist ein sehr spannender, weil schwieriger Prozess. Ein wenig zu viel Blau — und schon ist die Farbe kaputt", erklärt sie. "So hat Grau sogar mehr Nuancen als beispielsweise Rot."

Auch dieser Umstand lässt sich in ihrem Atelier nachvollziehen. Denn an einer Wand hat sie Proben aufgereiht, die die Vielfalt dieser oft unterschätzen Farbe dokumentieren. Während die meisten größeren und kleineren Gemälde Dagmar Wildförsters diese Farbigkeit noch aufweisen und teils auch ihren Ursprung erkennen lassen, ist die gelernte Grafikerin und Retuscheurin in einer Arbeit völlig in der Abstraktion angelangt.

Schwarz auf Weiß tanzt das immer gleiche, Noten ähnelnde Muster über die hochformatige Leinwand. Auch das ist ein Ausschnitt aus einer Fassade. Doch was langweilig wirken könnte, hat etwas ausgesprochen Musikalisches. "Das ist es auch, was mich an der seriellen Arbeit mit Stadtfassaden fasziniert", sagt sie. "Sie haben einen eigenen Rhythmus, und ihre Funktion und Struktur bestimmen unser Leben."

(dkd)