Pferde : Für jeden Huf das passende Eisen

Seit 25 Jahren ist Marcus Unterberg als mobiler Hufschmied im Einsatz und betreut dabei sowohl Sport- als auch Freizeitpferde. Es gab sogar Zeiten, da saß er bis zu 100 Mal im Jahr im Flugzeug.

Amboss, Werkbank und ein bis zu 1000 Grad heißer Schmiedeofen. Was man eigentlich in einer großen Halle erwartet, passt bei Marcus Unterberg in den Innenraum seines Autos. Seit 25 Jahren ist er als mobiler Hufschmied für Sport- und Freizeitpferde unterwegs, und das, wenn nötig, rund um die Uhr. „Ich bin immer einsatzbereit, um auf Notfälle zu reagieren. Das gehört zur Arbeit mit Lebewesen einfach dazu“, berichtet Unterberg, der früh mit Pferden und so auch mit dem Beruf in Berührung kam. „Mein Vater hatte einen eigenen Reitstall, und schon als Kind bin ich immer mit zum Hufschmied gegangen. Dessen Arbeit hat mich von Beginn an fasziniert“, erzählt der 51-Jährige mit einem Lächeln. „Mit acht Jahren wusste ich dann: Das will ich auf jeden Fall machen.“

Unterberg hielt an seinem Berufswunsch fest und begann mit 16 Jahren die klassische Ausbildung zum Schmied. Im Anschluss an die dreijährige Lehre folgten ein Praktikum sowie ein Lehrgang mit Abschlussprüfung. Durch das Bestehen der Meisterprüfung an der Abendschule erwarb er die Qualifikation, um sich als Hufschmied selbstständig zu machen. Seitdem führte ihn seine Arbeit auf Pferdehöfe in ganz Deutschland und manchmal auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. „Früher habe ich von München bis in die Schweiz überall Pferde beschlagen und saß über 100 Mal im Jahr im Flugzeug“, berichtet er. „Inzwischen kümmere ich mich aber vor allem um Höfe in und um Düsseldorf. Nur gelegentlich nehme ich Termine im Ausland wahr. Nächste Woche bin ich zum Beispiel in Litauen.“

Alle vier bis acht Wochen kontrolliert Unterberg den Gang der Pferde, schaut unter ihre Hufe und liest an der Körpersprache der Tiere ab, ob diese sich mit dem Beschlag wohlfühlen. Neben der typischen Hufeisenform sind dabei auch immer wieder Sonderanfertigungen gefragt. „Fehlstellungen bei Pferden kann man nur durch einen konsequenten und vernünftigen Hufbeschlag richtig korrigieren“, erklärt er – und illustriert die Aussage mit Fotos von deutlich beschädigten Hufen, die inzwischen durch seine Eisen wieder in Form gebracht wurden. Die Kooperation mit Tierärzten gehört dabei ebenfalls zu seinem Job. Für realistische Diagnosen sorgte er etwa mit einer eigenen Erfindung: „Das Pferd steht häufiger auf weichem als auf hartem Boden, deswegen habe ich Röntgenklötze für die Zusammenarbeit mit Tierärzten entwickelt, die einen weichen Untergrund simulieren“, sagt er.

Knapp anderthalb Stunden braucht Unterberg, um ein Tier zu analysieren, das Eisen in seiner mobilen Schmiede in die richtige Form zu bringen und den Huf zu beschlagen. Neben dem Spaß an der Arbeit mit Pferden gibt es für ihn dabei vor allem zwei Voraussetzungen, die jeder Hufschmied mitbringen sollte. „Es ist eine körperliche Arbeit, deswegen sollte man genug Energie haben. Fitness gehört einfach dazu“, erklärt er. „Gleichzeitig ist es wichtig, immer die Ruhe zu bewahren und entspannt zu sein. Vor allem, wenn um das Pferd herum viel passiert.“

Wie viele andere handwerkliche Branchen kämpft auch Unterbergs Zunft mit dem fehlenden Nachwuchs. Er selbst denkt noch lange nicht ans Aufhören, denn für ihn ist die Arbeit mit den Vierbeinern eine Herzensangelegenheit. „Es macht mir einfach Spaß, Pferden helfen zu können, und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht“, sagt er. „Solange ich die Arbeit körperlich noch schaffe, bleibe ich dabei. Und wenn ich irgendwann nur noch ein Tier pro Tag betreuen kann, dann ist das auch okay für mich. Hauptsache ich kann weitermachen.“

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