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Düsseldorf: Schlappe für Geisel: Waldschänke soll bleiben

Düsseldorf : Schlappe für Geisel: Waldschänke soll bleiben

Der OB hatte das Votum der Bezirksvertretung 8, den Abrissantrag abzulehnen, gekippt. Doch die Bezirksvertreter blieben hart.

Die Proteste der Anwohner im Vorfeld der Sitzung der Bezirksvertretung 8 am Donnerstag hatten Erfolg. Die seit zwei Jahren leerstehende Waldschänke an der Freiheitstraße in Vennhausen wird vorerst nicht abgerissen. Nur die SPD stimmte im Rathaus Eller für den von der Verwaltung empfohlenen Abriss der Traditionsgaststätte, die Platz für einen Neubau mit fünf Wohneinheiten sowie vier Einfamilienhäuser machen sollte.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Bezirksvertreter bereits mehrheitlich gegen den Abriss ausgesprochen. Doch Oberbürgermeister Thomas Geisel intervenierte. Ihm sei neuer Wohnraum wichtiger als eine alte Gaststätte, die ohnehin nicht mehr genutzt werden könne, ließ er nach einem Treffen mit allen Beteiligten am Dienstagabend verlauten. Dabei hatten vor allem Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative versucht, den OB umzustimmen - ohne Erfolg.

Dennoch blieben die Bezirksvertreter mehrheitlich bei ihrer Meinung. Für CDU und Grüne verlas die Christdemokratin Dagmar von Dahlen eine gemeinsame Erklärung, in der sie Geisel ein Aufweichen der Erhaltungssatzung und mangelnde Dialogbereitschaft vorwarf. "Der Abriss ist nicht der einzige Weg, auch wenn er sicher renditeträchtiger als eine Sanierung ist", sagte von Dahlen unter dem Jubel der knapp 30 Zuhörer aus der Siedlung Freiheit. Die Schaffung von Wohnraum, der dann aber auch bezahlbar sein müsse, sei trotzdem möglich, so von Dahlen weiter. Ein Abbruch sei zudem allein schon im Sinne der Gleichbehandlung abzulehnen, da die Bauanträge der Bürger in der Freiheitssiedlung in der Vergangenheit von der Stadt stets negativ entschieden worden seien. Nicht zuletzt werde die Waldschänke als soziales Zentrum für die Siedlung benötigt.

Der Linke Lutz Pfundner sprach anschließend dem Großteil der Anwesenden im Saal aus der Seele: "Wir sind moralisch und politisch dazu verpflichtet, dem mehrheitlich geäußerten Wunsch der Menschen, die hier leben, zu entsprechen". Auch dafür gab es tosenden Beifall.

Die Begründung der Verwaltung in der Vorlage, warum ein Erhalt der Waldschänke keinen Sinn mache, hörte sich ungeachtet der letztlich überraschenden Entscheidung, alternativlos an: Die Bausubstanz ermögliche keine weitere Nutzung zu Wohn- oder Aufenthaltszwecken. Das Gebäude weise umfänglich konstruktive und altersbedingte Schäden und Baumängel auf. Insbesondere das Kellergeschoss sei wegen der fehlenden Abdichtung massiv von Feuchtigkeit und eindringender Nässe betroffen.

Auch im Eingangsbereich seien feuchte Wände unübersehbar, in den Abstellräumen sei Schimmelpilz- und Stockfleckenbildung erkennbar. "Um den heutigen Anforderungen und Standards an eine adäquate Wohnbebauung gerecht zu werden, ist der vorhandene Bestand unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sanierungsfähig", schließt Baudezernent Gregor Bonin in seiner Erklärung. Geholfen hat es nicht.

(RP)